Unverbrauchtes muss entsorgt werden / Bisher kein Problem im Impfzentrum

Corona-Impfung: Verpackungsgrößen sorgen für Reste im ländlichen Raum

Ein Mann zieht mit blau behandschuhten Händen ein Impfdosis aus einer Ampulle.
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Die Corona-Impfstoffe müssen bevor sie verwendet werden können zunächst mit Spritzen aufgezogen werden. Damit nichts verschwendet wird, müssen angebrochene Flaschen komplett geleert werden. 
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Gerade im ländlichen Raum können die Verpackungsgrößen der Impfstoffe zum Problem werden. Angebrochene Dosen werden teilweise nicht verbraucht und müssen entsorgt werden. 

Stendal – Im Gegensatz zum Grippeimpfstoff, der ein Einzelspritzen vom Hersteller zur Verfügung gestellt wird, kommen die Corona-Impfdosen in größeren Vials, die zunächst aufgezogen werden müssen.

Bereits im März hatte Dr. Calin Carmaciu, Hausarzt in Werben, im AZ-Gespräch diese Umstände angeprangert. Während damals noch der Fokus darauf lag, dass sie dazu führen, dass die Impfwilligen im ländlichen Raum ein gewisses Terminfenster einhalten müssen, sei das in der Vergangenheit gekippt. „Bis vor kurzer Zeit gab es genug Impflinge, welche man an einem Tag einbestellen konnte, um die Ampullen gänzlich zu verwenden“, stellt Carmaciu fest. Mit den immer geringer werdenden Zahlen von Interessenten bleibe immer mehr Impfstoff über, der theoretisch innerhalb weniger Stunden verabreicht werden, aber letztendlich entsorgt werden muss. Deutschlandweit hochgerechnet entstehe sicherlich ein Schaden von vielen Millionen Euro, schätzt Carmaciu.

Auch das Impfzentrum in Stendal muss mit dem Problem der angebrochenen Impfstoffvials umgehen, hat aber nach Angaben der Kreisverwaltung bisher keinen Impfstoff entsorgen müssen. „Der geschilderte Sachverhalt ist im Impfzentrum kein Problem. Da wir im Impfzentrum momentan zwischen 200 und 300 Impfungen pro Tag verabreichen und deshalb von vornherein ein größerer ,Spielraum’ besteht“, erklärt Kreissprecher Edgar Kraul auf AZ-Anfrage. Zusätzlich werde ein strenges Impfstoffmanagement verfolgt, um den Verwurf von Impfdosen weitestgehend zu vermeiden. Scheinbar mit Erfolg, denn dieses System habe sich in den vergangenen Monaten bewährt, sodass noch kein Impfstoff verworfen werden musste. „Mit der Einführung der Impfungen ohne Termin ist das zwar etwas schwieriger geworden jedoch immer noch praktikabel und beherrschbar“, erläutert Kraul. Aber es führe auch zu einem gewissen Nachteil für die an einer Impfung Interessierten. „Um den Verwurf zu vermeiden müssen wir unter Umständen zum Ende der Öffnungszeit auch Impfwillige auf den nächsten Tag vertrösten“, stellt Kraul fest.

Anregungen zu kleineren Verpackungsgrößen an die Hersteller sind damit für den Landkreis und das Impfzentrum kein Thema. Auch weil dieser sich mit dem Thema nach heutigem Stand nicht mehr lange wird beschäftigen müssen. „Derartige Überlegungen werden im Impfzentrum nicht mehr angestellt, da die Arbeiten zum 30.09. beendet werden. Die künftige Handhabung der Impfdosen um Packungsgrößen ist eine Aufgabe für die niedergelassenen Ärzte“, erklärt Kraul.

Es liege in der Natur der Sache, dass es bei zurückgehendem Impfinteresse schwieriger werde, die notwendige Zahl an Impfinteressierten, die zur Ausschöpfung eines Mehrdosenbehältnisses passt, vor Ablauf der Haltbarkeit zusammenzubringen, erklärt die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) auf AZ-Anfrage. Zahlen dazu, ob und wie viele Dosen wegen dieses Problems bisher verloren gegangen sind, habe sie jedoch nicht. „Denn die Arztpraxen bestellen eigenverantwortlich bei den Apotheken den Impfstoff und organisieren selbst das Verimpfen der Dosen. In diese Prozesse sind wir nicht einbezogen und haben keinen Informationsstand über die mögliche Bevorratung von Impfstoffen. Auch der KVSA wisse um den Wunsch von impfenden Vertragsärzten nach kleineren Verpackungen. „Diese wären im Praxisalltag besser handhabbar, zumal ungeöffnete Dosen länger haltbar sind“, stellt sie fest. Der bisher notwendige hohe Verwaltungsaufwand in den Praxen bei der Terminvergabe wäre damit deutlich geringer. Bisher habe die KVSA jedoch nicht vernommen, dass die Industrie kleinere Abpackungen liefern werde.

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