Kerstin Prause warnt vor wirtschaftlichem Aus

Friseure im Landkreis: „Stehen am Rand der Katastrophe“

Der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stendal Stefan Prax (links im Bild) steht gemeinsam mit der Obermeisterin der Friseur-Innung Kerstin Prause vor der Geschäftsstelle der Kreishandwerkerschaft in Stendal.
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Stefan Prax, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Stendal, und Obermeisterin der Friseur-Innung Kerstin Prause erklären die brenzlige Lage, in der sich die Friseure des Landkreises befinden.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Seit Beginn des Lockdowns im Dezember stehen die Friseure im Landkreis ohne Einkommen da. Mit ihrer Aktion richten sie einen Appell an die Politik.

Stendal – Ein Ende des Lockdowns um jeden Preis könne niemand wollen, stellt Kerstin Prause, Obermeisterin der Friseur-Innung Stendal, klar. Aber viel länger dürften die 125 Friseursalons im Landkreis Stendal nicht geschlossen bleiben. „Wir stehen alle am Rand der Katastrophe.“ Um auf ihre Probleme hinzuweisen, startet die Friseur-Innung heute mit einer Aktion und klebt die Fenster ihrer Geschäfte zu. Mit diesem Zeichen an die Politik wollen die Geschäftstreibenden zeigen, worauf die aktuelle Situation zusteuert: Geschäfte, die schließen müssen und ein weiteres Sterben der Handwerksbetriebe.

Der größte Wunsch sei natürlich: endlich wieder arbeiten zu können. Außerdem sollten schnellstmöglich die zugesicherte finanzielle Unterstützung ausgezahlt werden. „Wir hoffen darauf, am 15. Februar wieder öffnen zu dürfen“, sagt Prause. Doch auch damit wären die meisten Geschäfte vermutlich nicht über den Damm. Die Schwarzarbeit boomt, so Prause – mit einem großen Ansturm auf die Salons dürfe dann also nicht gerechnet werden. „Man muss sich nur mal ansehen, wie die Leute auf der Straße aussehen“, erklärt Prause. Als Frau vom Fach erkenne sie eindeutig, wer professionell gestylte Haare hat und wer selbst mit dem Langhaarschneider am Werk war. Besser wäre es, für die Betriebe, natürlich, wenn sie bereits heute wieder öffnen dürfen.

Wegen der Pandemielage müsse man sich vielleicht auf März einstellen. „Wenn es nicht geht, geht es nicht“, ist die ebenso klare Einsicht, wie die folgende Forderung: Wie Überbrückungshilfen ausgezahlt werden, müsse dringend verbessert werden. Zum einen müssen sie unbürokratischer werden und schneller verfügbar sein. Im Gegensatz zu anderen Geschäften, die zumindest einen Mindestumsatz mit Lieferdiensten oder Online-Angeboten machen können, sind die Friseure erst seit dem 16. Dezember geschlossen. Für die Novemberhilfen kommen sie also nicht in Betracht. Ihr zusätzliches Problem: Überbrückungshilfen werden nur für vollständige Monate berechnet. Der halbe Dezember wird deshalb nicht ausgeglichen. Bei der möglichen Öffnung zum 15. Februar käme ein weiterer halber Monat ohne Unterstützung hinzu. Deshalb fordert die Kreishandwerkerschaft gemeinsam mit der Friseur-Innung, dass die Hilfen wochenweise berechnet werden sollten. „Es muss dann auch so einfach sein, dass man keinen Steuerberater dafür braucht“, fordert Stefan Prax, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. „Den muss man ja auch im Voraus bezahlen und sich weiter verschulden“, bekräftigt Prause.

Keine Hilfe für Friseur-Auszubildende

Ein weiterer kritischer Punkt für viele Betriebe ist, dass es keine Unterstützung für Auszubildende gibt. „Sie müssen ja weiterbezahlt werden“, erklärt die Innungs-Obermeisterin. Im Gegensatz zu anderen Mitarbeitern kann für diese kein Kurzarbeitergeld beantragt werden. Der Lohn muss also vom Betrieb weitergezahlt werden. Die einzige Alternative wäre eine Kündigung, die man gerade während der Krise niemandem antun wolle, so Prause. „Da muss etwas passieren“, findet Prax. Es könne nicht sein, dass die Betriebe, die überhaupt noch Auszubildende finden, letztendlich dafür bestraft werden, weil sie im Lockdown auf den Kosten sitzen bleiben.

Auszubildende Marie Meyer kann ihre Fähigkeiten aktuell nur an Puppen trainieren.

Trotz sämtlicher Probleme, die der Lockdown mit sich bringt, macht sich Prauses Auszubildende Marie Meyer wenig Sorgen, dass sie Ihre Ausbildung nicht schaffen könnte. Schulisch komme die Einserschülerin gut mit, pflichtet ihr Prause bei. Auch im Online-Unterricht. Andere Schüler, die sonst Probleme haben, hätten da aber mit größeren Hürden zu kämpfen, erklärt Meyer.

Für die Praxis bedeute der Lockdown jedoch für alle Auszubildenden eine große Einschränkung. „Viele Menschen denken, Haare schneiden ist leicht“, erklärt Prause. Aber es gäbe viele Kleinigkeiten, die den Kunden gar nicht auffallen. Beim Haarewaschen ginge es beispielsweise nicht nur um Sauberkeit. Friseure ertasten dabei auch die Haarstruktur, um optimal schneiden zu können. Das und die im Kundenkontakt notwendige Menschenkenntnis, könne man an einem Puppenkopf nicht lernen.

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