Brocken-Wettermann Marc Kinkeldey vor dem Abschied

Computer statt Wetterfrosch: der Brocken-Wettermann aus der Altmark

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Der erfahrene Wetterbeobachter Marc Kinkeldey auf dem Dach der Brocken-Wetterwarte. Zum 31. Dezember muss er seinen Posten räumen.

Landkreis Stendal / Brocken – In den kommenden Tagen geht auf dem Brocken eine 184-jährige Ära dem Ende entgegen, denn zum 31. Dezember verlassen die Wetterbeobachter vom Deutschen Wetterdienst (DWD) ihren Standort auf dem 1141,2 Meter hohen Gipfel.

Auch der aus der Altmark stammende Brocken-Wettermann Marc Kinkeldey steht als Teamchef vor dem Abschied vom höchsten Landesgipfel. Die Tätigkeit des Osterburger „Wetterfroschs“ wird künftig durch Computer ersetzt.

Technik mit Macken

Auswertung der Wetterdaten: „Manpower“ soll künftig durch eine automatisierte Messung ersetzt werden.

„Unsere Tätigkeit wird anderweitig benötigt. Wir werden uns wohl künftig in das Heer der Berufspendler einreihen“, so der 39-jährige Wetterfachmann mit etwas Wehmut. Automatische Messgeräte sollen künftig die Arbeit seines Teams übernehmen. „Die Messung der radioaktiven Strahlung auf dem Brocken soll aber noch ein paar Monate so wie bisher gehabt weiter gehen“, sagte Kinkeldey der AZ auf Anfrage. Doch die neue automatische Messtechnik, so erfuhr die AZ weiter, hat noch so manche Macken. „Manpower“ inmitten von Schnee und Eis werde noch manchmal gebraucht, hieß es.

Wetterfrösche in allen möglichen Varianten gibt es in der Wetterwarte.

Sieben DWD-Bergwetterwarten gibt es derzeit hierzulande. Rund um die Uhr werden Wetterdaten geliefert. Marc Kinkeldey erforscht als Leiter der Bergwetterwarte des DWD seit 2001 Klimaveränderungen auf dem Brocken. Zu seinem Team gehören mehrere Wetterbeobachter. Sie sammeln Daten für die Meteorologie. Aus ihnen wird unter anderem das 30-jährige Mittel gebildet. Der Begriff Klimawandel ist daher bei den Wetterbeobachtern in aller Munde, wird aber überwiegend wissenschaftlich-nüchtern betrachtet. Seit 184 Jahren beobachten die „Wetterfrösche“ (mit eigener Froschsammlung in allen Varianten) einen Temperaturanstieg um rund einem Grad Celsius. Es gibt derzeit auch eine Warmphase auf der Erde und natürlich tut der Mensch mit der Industrialisierung sein Übriges.

Weltweit genutzt

Halbstündlich gehen Wettermeldungen vom Brocken raus – zuverlässig, 365 Tage im Jahr. Das Team der Wetterbeobachter misst und überwacht seit den 1950er Jahren auch die schädliche radioaktive Strahlung in der Luft. Die künstliche radioaktive Strahlung beträgt 100 bis 200 Milli-Becquerel pro Kubikmeter Luft. Unter anderem gibt es ein Sonnenscheindauer-Messgerät in der Wetterwarte.

Ein Barograph verzeichnet den Luftdruck-Verlauf auf einer mit Papier bespannten Trommel. Die Wetterbeobachtung, auch Synoptik genannt, ist nichts anderes, als die Erfassung des augenblicklichen physikalischen Zustands der Atmosphäre mittels automatischer Messungen und Augenbeobachtungen. „Die rund um die Uhr erfassten und verarbeiteten Messdaten werden weltweit verbreitet“, erklärt Marc Kinkeldey im Gespräch mit der Altmark-Zeitung. Eine Kombination aus Mensch und Technik sichert den hohen Qualitätsstandard des DWD bei allen Fragen zu Wetter und Klima. Nun soll ab dem 31. Dezember der Mensch bei der Wetterdatenerhebung nach 184 Jahren erstmals zugunsten der modernen Technik in den Hintergrund treten. Ob dieser Schritt in Sachen Zukunft auch der Richtige ist, darüber gibt es nicht nur in Fachkreisen kontroverse Meinungen.

VON KAI ZUBER 

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