Stadt beteuert: Wollen alle nur das Beste

Bürger sehen rabiates Einfangen: Fußkranker Schwan sorgt für Wirbel

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Dieser Schwan soll so schnell wie möglich wieder auf freien Fuß kommen – und das gesund.

Stendal – „Nun ist etwas passiert, der verletzte Schwan wurde abgeholt. “ Etwa zwei Wochen habe sich das Tier gequält, konnte nicht richtig laufen, geschweige denn fliegen.

Dietmar Schulz’ Stimme zittert noch immer, der Stendaler stört sich nicht an einer Rettungsaktion an sich, sondern an dem Wie. Die drei Fänger seien am Stadtsee ziemlich rabiat vorgegangen, hätten den Schwan in eine Plastikkiste gesteckt und sie mit Spanngurten im Fahrzeug des Tiergartens fixiert. Auch hätten sich die Leute mit einem ihm bekannten Naturfreund über die Frage, ob der Schwan in dieser Lage fotografiert werden dürfe oder nicht, in die Haare bekommen. Und überhaupt: „Hatten diese Personen wirklich einen Auftrag?“.

Stadtsprecher Philipp Krüger kann Schulz und andere Bürger beruhigen, sie hatten den Auftrag. Eine Tierärztin verabreichte dem Vogel am vergangenen Freitag Antibiotika und Schmerzmittel und setzte ihn zurück ans Wasser. Am Dienstag musste der Schwan erneut eingefangen werden. Die Röntgenaufnahme ergab, das betroffene Bein ist nicht gebrochen. Das Ergebnis der Blutuntersuchung steht noch aus. „Bis zur Diagnose werden dem Schwan noch einmal Medikamente gegeben“, teilt Krüger auf AZ-Nachfrage mit. Ziel der aufwendigen Aktionen: „Der Schwan soll auch weiterhin den Stadtsee bereichern.“

Ein übermäßig hartes Vorgehen vermag der Stadtsprecher nicht zu sehen. Ein Schwan könne enorme Kräfte entwickeln. „Zum Selbstschutz der Mitarbeiter wird deshalb ein Tuch über die Flügel geworfen, um Flügelschläge zu vermeiden.“ Des Weiteren sei das Tier am Hals festgehalten worden, keiner sollte gebissen werden. Wildtiere dürfen laut Krüger übrigens nicht einfach zur Pflege aufgenommen werden, nur wenn sie tatsächlich verletzt, hilflos oder krank sind. Wenn sie sich wieder selbst erhalten können, müssen sie unverzüglich zurück in die Natur. So wolle es der Gesetzgeber.

Schulz dürfte erst einmal zufrieden sein. Auch wenn noch unklar ist, was dem Schwan eigentlich fehlt. Bei seinen Touren rund um den Stadtsee sei er noch anderen Menschen begegnet, die sich für das weitere Schicksal des weißen Vogels interessierten.

VON MARCO HERTZFELD

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