Volgfelderin rät zur Vorsorge

Buchsbaumzünsler frisst sich in Altmark fest

Hiltrud Henning umsorgt Buchsbäume in Volgfelde (Stendal).
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Buxus als Leidenschaft: Hiltrud Henning macht ihren Buchsbestand im privaten Domizil fit für das Frühjahr.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Der Buchsbaumzünsler hat sich in der Altmark festgefressen. Hiltrud Henning in Volgfelde (Stendal) rät Freunden des Ziergehölzes zur Vorsorge. Die Raupen des Schmetterlings werden bei steigenden Temperaturen munter.

Volgfelde – Mit dem immergrünen Ziergehölz ist der Buchsbaumzünsler vielleicht so etwas wie der Koala mit dem Eukalyptus, ein Nahrungsspezialist. Wobei der ostasiatische Kleinschmetterling nicht sonderlich niedlich erscheint, bei Weitem nicht so viele Fans wie der australische Beutelsäuger haben dürfte und inzwischen Europa, Deutschland und die Altmark erreicht hat. „Leider hat der Buchs in den letzten Jahren viel von seinem guten Ruf eingebüßt“, weiß Hiltrud Henning. Und daran sei Cydalima perspectalis nicht ganz unschuldig. Laben sich seine Raupen doch derart an den Blättern, dass dies bis zum Totalschaden führen kann. Dieser Tage werden die Raupen munter. Das Vorstandsmitglied der Deutschen Buchsbaumgesellschaft (DBG) rät altmärkischen Buchsbaumfreunden zur Vorsorge.

Schmetterling, Ei, Larve und Puppe: Eine Raupe vertilgt in ihrem Leben etwa 40 bis 60 Buchsblätter.

„Ohne Gegenmaßnahmen vermehren sich Buchsbaumzünsler bei uns rasant.“ Es gebe noch keine natürlichen Fressfeinde, die heimische Vogelwelt habe sich noch nicht auf den „zugewanderten neuen Happen“ eingestellt, zumindest noch nicht entscheidend. Zünsler-Raupen seien giftig. Scheinbar nimmersatt, reichern sie das Toxin Buxin in ihrem Körper an. Ist der Buchs im August nicht ein zweites Mal nachgeschnitten worden, kann ein sehr früher Rückschnitt nun nützlich sein. Auch hilft womöglich ein Spätfrost im April, ein Großteil der Raupen erfriert. Gesteinsmehl verleidet den hungrigen Raupen das Fressen, weil ihre Kauwerkzeuge getroffen werden. Und bitte: Schnittgut gehört Henning zufolge immer in den Restmüll und niemals auf den Kompost, die Buchsblätter welken zu langsam.

Die Raupen des Zünslers fressen sich im Gehölz und an den immergrünen Blättern satt.

Ostasiat längst auch in der Region

Die Informationen der Volgfelderin umfassen vier Seiten, sie mischt durchaus lesenswert Theorie und Praxis. Bei ihrer Vorstandsarbeit setze sie sich unter anderem im Buxarium in Iden für den Erhalt des Buchsbaums als Ziergehölz ein. „Nach wie vor zeugen viele schöne und sorgsam gepflegte Anlagen, fantasievoll arrangierte Motive und liebevoll geschnittene Einzelelemente in privaten Gärten und Parks von Interesse und Engagement für das schöne und vielseitig einsetzbare Gestaltungselement Buchsbaum.“ Der Zünsler erscheint vielen als regelrechter Spielverderber. Vermutlich über Pflanzenimporte eingeschleppt, suche er seit circa 2008 auch in hiesigen Breiten die ansonsten nahezu unverwüstliche Pflanze heim und sei auf dem Vormarsch.

Raupe bislang ohne echte Fressfeinde

„Auch wenn es uns nicht gefällt.“ Der Buchsbaumzünsler werde wie der Kartoffelkäfer oder die Spargelfliege „unser Begleiter sein und uns beschäftigen“. Bei Befall sollte man rasch reagieren. „Aber keine Panik und nicht gleich sämtlichen Buchs roden.“ DBG-Mitglied Henning rät zu Gegenmitteln, biologischen Präparaten, die nicht zuletzt für Bienen ungefährlich seien. „Eine latente Gefahr geht vom Bestand in größeren Parkanlagen, auf Friedhöfen oder anderen Bereichen aus, die nicht ständig bis in den kleinsten Winkel betreut werden können“, heißt es im Schreiben an die AZ. Ab April sollten die Pflanzen auf typische Fraßschäden kontrolliert werden. Aktuell sollten Totholz und altes Laub entfernt sein. Und natürlich: Unter anderem eine kleine Portion Dünger und Wasser sicherten einen guten Start in die Vegetationsperiode.

Wer mehr über die Deutsche Buchsbaumgesellschaft wissen möchte, der Verein ist im Internet vertreten. Öffentlichkeitsarbeit ist den DBG-Mitgliedern wichtig. Wer den Kontakt zu Volgfelderin Henning sucht, findet ihn über deutschebuchsbaumgesellschaft2010@gmx.de.

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