Bruder sollte nicht dabei sein

Landgericht Stendal: Beschuldigter sagt zu Discounter-Überfall im Juli aus

Im Stendaler Landgericht sagt einer der Beschuldigten zum Raubüberfall auf einen Discounter in der Hansestadt im Juli 2020 aus. Sein Bruder, der ebenfalls angeklagt ist, soll nicht beteiligt gewesen sein.
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Im Stendaler Landgericht sagt einer der Beschuldigten zum Raubüberfall auf einen Discounter in der Hansestadt im Juli 2020 aus. Sein Bruder, der ebenfalls angeklagt ist, soll nicht beteiligt gewesen sein.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Stendal – Ob es dabei bleibe, dass der Beschuldigte T. sich zum Überfall auf den Discounter an der Lüderitzer Straße im Juli 2020 äußern wolle, fragte Richterin Simone Henze-von Staden am ersten Prozesstag im neuen Jahr zu diesem Fall dessen Verteidiger Michael Flintrop.

Ein Text sei dafür jedoch nicht vorbereitet – sein Mandant sei redegewandt genug, um sich mündlich zu äußern.

Seinen Ausgang fand die Tat nach T.s Angaben in Geldsorgen. Er hatte dem neben seinem Bruder D. dritten Beteiligten am Überfall über einen längeren Zeitraum hinweg Geld geliehen – insgesamt rund 3000 Euro. Mit der Corona-Pandemie sei T. aber selbst in Geldsorgen geraten. Zweimal sei er während der Arbeit auf der Baustelle auch nicht bezahlt worden, berichtet er. So kam es, dass er wohnungslos wurde und zeitweise bei seinem Bruder oder in einem Mietauto lebte.

Zu seinem Bruder D. habe er im Sommer erst wieder seit einigen Monaten Kontakt gehabt und wollte ihn nicht mit in den Überfall hineinziehen. „Er hat Erfahrung damit“, berichtet T. über den dritten Täter. Er habe so etwas bereits früher gemacht. Gemeinsam kundschafteten sie von Berlin aus Discounter aus, um herauszufinden, ob sie ein gutes Ziel sind. Sein Bruder sei nur mitgefahren. Irgendwann wären sie in Stendal angekommen, wo es zum Streit zwischen T. und dem Unbekannten gekommen sei. Es ging ums Geld, dass jener die Schulden nicht zurückzahlte, sich aber, wie T. von gemeinsamen Bekannten hörte, selbst auch mal etwas gönnen konnte. Um den Bruder aus dem Streit herauszuhalten hätten sie dann nachdem sie mehrere Discounter in der Hansestadt als Ziele verworfen hatten, bei der Waschanlage an der Lüderitzer Straße angehalten und seien ausgestiegen – den dortigen Markt hätten sie dabei erst gar nicht bemerkt.

Dann sei es recht schnell gegangen. Eigentlich wären sie nur zum Erkunden unterwegs gewesen, dann aber kurzzeitig den Tatentschluss gefasst. T. habe am Morgen noch nicht gewusst, ob er bei einem Überfall mitmachen würde. Das habe er von seinem Gefühl in dem Moment abhängig machen wollen. Seinen Bruder habe er vor dem Überfall spazieren geschickt. Er solle 20 bis 30 Minuten unterwegs sein. Wenn sich T. dann nicht melde, solle er entweder die gemeinsame Schwester in Stendal aufsuchen oder sich in den Zug setzen und heimfahren. Dass D. das nicht tat, habe T. erst erfahren, als er ihn anrief, um ihm Bescheid zu geben, dass etwas schief gegangen war. Da sagte D., dass überall Polizei sei. „Da wusste ich, dass er noch auf dem Parkplatz sein muss“, stellte T. fest. Dementsprechend sei der Vorwurf in der Anklageschrift falsch: Sein Bruder habe nicht „Schmiere gestanden“, das hätte vom Parkplatz aus keinen Sinn gemacht. Auch über das Eintreffen der Polizei sollte er nicht informieren, das er diese Information doch äußerte, sei nicht geplant gewesen.

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