Testpilot: Nimeta ist „Heftig gut und heftig anders“

Borstel: Studentische Fliegergruppen testen Weltrekordsegelflugzeug „Nimeta“

Mehrere Personen bereiten ein Segelflugzeug auf den Start vor.
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Schon in den frühen Morgenstunden sind die Idaflieg-Teilnehmer damit beschäftigt, das Rekordsegelflugzeug „Nimeta“ startbereit zu machen.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Die vielen Piloten und Helfer der Idaflieg (Interessengemeinschaft deutscher akademischer Fliegergruppen) mussten viel Geduld mitbringen. Das Wetter hat nicht mitgespielt und viele Flüge mussten verschoben werden. Gestern konnte das Weltrekordflugzeug „Nimeta“ aber endlich starten. 

Borstel – Endlich hat das Wetter wieder mitgespielt. Eine Woche lang mussten die Piloten überwiegend am Boden bleiben, die im Zuge des diesjährigen Sommertreffens auf dem Flugplatz in Borstel sind. Mit ganz oben auf dem Flugplan: Die Nimeta. Die Leihgabe des ehemaligen Segelflug-Weltmeisters Bruno Gantenbrink ist mit 33 Metern Flügelspannweite das größte Einpersonensegelflugzeug der Welt (AZ berichtete).

Francois Ferenschütz hat die Ehre das Rekordflugzeug „Nimeta“ zu fliegen.

Bereits in den frühen Morgenstunden geht es los. Gegen 5 Uhr werden die Wetterdaten überprüft, damit eine Stunde später die Flugzeuge aufsteigen können. Die Ehre, die Nimeta zu steuern, hat Francois Ferenschütz von der Akaflieg Hannover, der im studentischen Humor wegen seines „komplizierten“ Namens während des Aufenthalts in Borstel „Helmut“ gerufen wird. „Es ist heftig gut und heftig anders“, erklärt er nach seinem ersten Flug. Der erfahrene Testpilot ist bereits seit mehreren Jahren bei den Idaflieg-Treffen dabei. Eigentlich habe er seine Funktion an die jüngeren Mitglieder abtreten wollen, wie er erklärt. Die Idaflieg habe ihn jedoch wegen seiner Erfahrung angefragt, ob er die Nimeta steuern würde. Eine Ehre, die er gerne angenommen hat, wie er sagt. „Ich bin dankbar, dass die Idaflieg mir das möglich gemacht hat. Es ist eine wahnsinnige Ehre.“ Noch mindestens einmal steigt er mit der Nimeta auf, um weitere Tests zu machen. Trotz der vielen Vorbereitung und zahlreichen Flugstunden passieren Messfehler. Gerade bei einem solch ungewöhnlichen und besonderen Flugzeug wie der Nimeta sei dies nicht auszuschließen. Wenn die Zeit ausreicht, könne es vielleicht noch einen dritten Flug geben.

Neben der Flugleistungsvermessung, mit der das aerodynamische Potenzial ermittelt wird, werden auch viele andere Aspekte von Flugzeugen bei dem Sommertreffen überprüft. Eine davon ist das sogenannte „Zachern“. Dabei werden die Flugeigenschaften ermittelt. Traditionell können mit einfachen Mitteln wie Bandmaß, Handkraftmesser und Stoppuhr verschiedene Parameter getestet werden. Vieles funktioniert heutzutage aber auch digital. Überprüft wird beispielsweise, wie weit der Steuerknüppel mit welcher Kraft in eine Richtung bewegt werden muss, damit bestimmte Manöver geflogen werden. Je aggressiver ein Manöver ist, umso mehr Kraft muss aufgewandt werden, erklärt Joscha Löwe von der Akaflieg München (Akademische Fliegergruppe). Aber auch in der Funktion unterscheidet sich die benötigte Kraft teilweise enorm. Während beim normalen Lenken ein Kilogramm üblich sei, müsse für das Aktivieren der Bremsklappen mit zehn Kilogramm Kraft gerechnet werden. Um die Manöver möglichst genau fliegen zu können, wird ein „Phipsitheta“ genannter Winkelmesser genutzt. Dieser wird einfach ins Cockpit gehängt und hilft dabei, die Flugwinkel zu bestimmen.

Mit einem „Phipsitheta“ genannten Winkelmesser können Piloten ihre Flugwinkel genau bestimmen.

Auch mit auf dem Testprogramm können eher subjektive Werte stehen. Ob sich die Schalter und Hebel gut bedienen lassen, ob das Fahrwerk angenehm gefedert oder zu hart ist. Nicht für alles können dabei objektive Werte gefunden werden, wie Ferndando Trabucchi, zweiter Beisitzer der Idaflieg, erklärt. Bei der Bequemlichkeit des Pilotensitzes sei schließlich auch der eigene Körperbau ein Faktor. „Und manchmal drückt der Fallschirm einfach unglücklich in den Rücken“, stellt er fest.

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