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Blutkonserven in Stendal gehen zur Neige

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Von: Stefan Hartmann

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Eine Hand mit Handschuh zeigt auf ein Blutspendegerät. Auf diesem liegt ein prall gefüllter Beutel mit Blut.
Ein halber Liter Blut wird jedem Spender abgenommen. © Hartmann, Stefan

Anlässlich des Weltblutspendetags bietet das Deutsche Rote Kreuz einen weiteren Service für jeden Spender. Anreize werden derzeit dringend benötigt: Zum dritten mal in zwölf Monaten werden die Blutkonserven knapp.

Stendal – Die Blutkonserven werden wieder knapp und das ausgerechnet zum heutigen Weltblutspendetag. Das kommt öfter vor, ist jedoch, wie Markus Baulke, Pressesprecher des DRK-Blutspendediensts NSTOB, auf AZ-Nachfrage erklärt, während und nach der Corona-Krise mehrfach passiert. Allein in den vergangenen zwölf Monaten dreimal. Zuletzt im März, sagt er. Ein Mittel, um mehr Menschen zur Blutspende zu animieren, wird aus dieser Zeit ebenfalls aufgewärmt: Jeder Blutspender kann sein Blut auf Corona-Antikörper testen lassen.

Während die Themen Corona und Pandemie derzeit weniger Aufmerksamkeit erregen als Kraftstoffpreise und Krieg, scheint es doch ein nicht unerhebliches Interesse an dem Schutz vor der Krankheit zu geben. Schon im März und April hatte es die Möglichkeit gegeben, sich auf Antikörper testen zu lassen. „Nach der erfolgreichen Aktion im Frühjahr haben wir uns entschlossen das Testangebot zum Weltblutspendetag zu wiederholen. Die Nachfrage war riesig. Natürlich erhoffen wir uns, möglichst viele Menschen für eine Blutspende zu gewinnen“, erklärt Baulke in einer Pressemitteilung und ergänzt auf AZ-Nachfrage. „Rund 80 Prozent der Spendenwilligen haben den Test abgerufen.“ Natürlich sei das DRK auch neugierig gewesen, ob tatsächlich mehr Menschen zur Spende erscheinen. Das sei eingetreten. Deutlich mehr Besucher als für die Spenden erwartet worden, seien erschienen. Das habe im Frühjahr geholfen, die Blutbestände wieder ein wenig aufzufüllen. Jetzt sehe die Lage jedoch nicht mehr so rosig aus. „Wir sind momentan wieder auf einem Tiefstand. Wir blicken mit großer Sorge auf die Blutversorgung in den kommenden Monaten.“ Die Unterversorgung liege derzeit bei bis zu 30 Prozent. Das heißt, so verdeutlicht Baulke, dass wenn eine Klinik wie das Stendaler Krankenhaus beispielsweise 30 Konserven bestellt, können möglicherweise nur 20 geliefert werden.

Dass die Lager derzeit leerlaufen, sei, mit dem Ende vieler Corona-Einschränkungen und dem Sommerstart nicht überraschend. Gerade nach den vielen Einschränkungen der Vorjahre nehme der Besuch von Biergarten, Kino, Theater oder sonstiger Freizeitunterhaltung einen höheren Stellenwert als der Besuch der Blutspende ein. Deshalb hoffe das DRK mit der Aktion das Interesse so wie beim vorherigen Versuch ankurbeln zu können, auch wenn es einen nicht unerheblichen Mehraufwand bedeute. „Wir haben eigene Labore in Springe, in denen wir PCR- und Antikörper-Test machen können. Aber das ist nicht unser Kernauftrag“, stellt Baulke klar. Aber da es über den Winter hinweg so viele Anfragen von Spendern zu möglichen Antikörpertests gab, habe das DRK den Versuch gewagt. Das habe zwar viel Aufwand bedeutet, aber der habe sich gelohnt: 46 000 Menschen hätten den Antikörpernachweis im März und April abgerufen.

Ganz so konkret, wie manche es sich vielleicht erhoffen, sind die Antikörpertests jedoch nicht, gibt Baulke zu bedenken. Sie seien jedoch ein gutes Indiz, um sich mit der eigenen Immunisierung auseinanderzusetzen – natürlich immer in Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Hausarzt. Besonders effektiv sei es, mehrere Antikörpertests in einem gewissen Abstand zu machen. Dann lasse sich möglicherweise auch ein Trend in den Werten, also ob beispielsweise die Schutzwirkung sinkt oder stabil bleibt, ablesen. Ob das möglicherweise bei der kommenden Blutspende möglich sein werde, sei noch nicht klar. Aber der Blutspendedienst denke darüber nach, die Antikörpertests wieder zu ermöglichen – sofern der zusätzliche Aufwand entsprechend Menschen zur Blutabgabe lockt

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