Biologe hat besondere Pflanze im neuen Uchtspringer FFH-Gebiet im Blick

„Wikinger-Kraut“ gedeiht geschützt

Im neuen FFH-Gebiet gilt der Sumpfporst als charakteristische Pflanze für den Quellwaldkomplex.
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Der Sumpfporst wächst im Uchtspringer Schäferwald.
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Uchtspringe – Während sich Ortsbürgermeister Jürgen Schlafke für den traditionellen Namen des neuen FFH-Gebiets im Stendaler Ortsteil einsetzt, rückt AZ-Leser Holm Dietze besondere Uchtspringer Schäferwald-Gewächse in den Fokus.

Der Diplom-Biologe aus Uenglingen verweist wie Experten der Landesnaturschutzbehörde auf den Sumpfporst, der auch als Mottenkraut, Wildrosmarin, Brauerkraut und Heidebienenkraut bezeichnet wird.

„Torfabbau gestoppt“

Mit dem 27 Hektar großen Quellwaldkomplex, der künftig amtlich „Moorwald Uchtspringe“ heißen soll, während der Ortsbürgermeister den Titel Schäferwald beibehalten will, zeigt sich Biologe Dietze schon seit 1973 vertraut, wie er in einem Schreiben an die Redaktion mitgeteilt hat. In der am nordöstlichen Rand der Colbitz-Letzlinger Heide gelegenen Naturzone habe der Uenglinger damals nicht nur besagtes Mottenkraut entdeckt, sondern „mit Hilfe der kreislichen Naturschutzbehörde“ auch einen weiteren Torf-Abbau verhindert.

Schäferwald wird neues FFH-Gebiet in Uchtspringe.

Als Dietze, der an der seit 1992 erscheinenden Naturkunde-Reihe „Untere Havel“ mitwirkt, voriges Jahr seine alte Fundstelle einer „Nachkontrolle“ unterzog, habe er an der Stelle zwar kein Mottenkraut mehr gefunden, dafür jedoch ein „reichhaltiges Vorkommen“ von Sumpfporst und Glockenheide in der höher gelegenen Umrandung entdeckt. „Erstaunlich ist, dass durch die extreme Trockenheit der letzten Jahre das Vorkommen nicht vernichtet oder reduziert wurde“, resümiert der Uenglinger sein Uchtspringer Resultat. „In der Medizin wurden aus Sumpfporst gewonnene Mittel gegen Zahnschmerz eingesetzt“, berichtet Dietze weiterhin. Auch sei die Pflanze wegen ihres Vermögens, Rauschzustände auszulösen, „wichtig für die Verwendung als Räucherstoff“ gewesen. Den Extrakten werde auch eine lindernde Wirkung etwa bei Rheuma, Arthritis, Gicht und Keuchhusten attestiert.

Mittel gegen Läuse und Zahnschmerz

Außerdem helfe das Kraut gegen Kleiderläuse – weshalb es der Volksmund als Mottenkraut bezeichnet. Abreibungen wirkten aber auch gegen Kopfläuse sowie Krätzemilben. Inzwischen werde das Kraut nur noch in der Homöopathie verwendet. Altvordere brauten mit Pflanze Bier, bevor Hopfen bekannt wurde und ein Gesetz den Zusatz verboten hätte, wie Dietze schildert.

Blätter des Sumpfports enthalten die ätherische Öle Ledol und Palustrol, erläutert der Biologe, der Ostaltmärkern auch durch seine Kritik an dem einst bei Arneburg geplanten Steinkohlekraftwerk bekannt sein dürfte. Das Projekt hatte der Uenglinger im Jahr 2009 als einen „Technologierückfall“ bezeichnet. (AZ berichtete). Wie Dietze weiter ausführt, seien die Inhaltsstoffe des Sumpfports, der im neuen Uchtspringer FFH-Gebiet gedeiht, nach Ansicht von einigen Imkern auch dafür geeignet, gegen Bienenmilben zu helfen. Und nicht zuletzt werde den Wikingern nachgesagt, dass sie die Pflanze zum Bierbrauen genutzt haben, um mit dem Kraut-Gebräu eine Angriffslust zu erzeugen, die sogar die alten Römer ziemlich gefürchtet hätten. Diese ging bekanntlich als „Furor teutonicus“ – teutonische Raserei oder deutscher Ingrimm – in die Geschichte ein, wie der Biologe berichtet.

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