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Klaus Schmotz: „Bin passabler Lagerfeuer-Gitarrist“

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Von: Marco Hertzfeld

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Klaus Schmotz hat einen Draht zur närrischen Welt, allein schon deswegen, weil sie ihm regelmäßig auf Zeit den Rathausschlüssel nimmt. Die Karnevalsorden aus der Gegend könnten in Sammlerhände übergehen.
Klaus Schmotz hat einen Draht zur närrischen Welt, allein schon deswegen, weil sie ihm regelmäßig auf Zeit den Rathausschlüssel nimmt. Die Karnevalsorden aus der Gegend könnten in Sammlerhände übergehen. © Boetzer, Berit

Stendal – 21 Jahre Amtszeit, 21 Fragen, jeweils sieben Fragen und Antworten zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft an Oberbürgermeister Klaus Schmotz.

Im dritten und letzten Teil des AZ-Interviews äußert sich der Christdemokrat unter anderem zu seinen Plänen als Hobbymusiker. Auch Fußball, die Ehefrau und Gastgeschenke spielen eine Rolle. Am 27. März wird der Posten des Stendaler Rathauschefs neu vergeben. Schmotz tritt aus Altersgründen nicht mehr an.

AZ: Die erste Frage drängt sich praktisch auf. Wo zieht es Sie als Polit-Pensionär hin?

Schmotz: Ich bleibe hier. Meine Frau Gabriele und ich sind in der Altmark verwurzelt. Wir haben ein kleines Häuschen, wir haben hier einen Freundeskreis. Gut, den haben wir andernorts auch, aber ich glaube nicht, dass uns die Altmark noch mal verabschieden muss. Als ich 1974 in die Altmark kam, wollte ich eigentlich gar nicht her, weil ich aus dem Gebirge komme, und jetzt will ich nicht mehr weg.

Schon fast legendär ist Ihr Auftritt mit einer Bürgermeister-Band vor Jahren beim Dorffest in Jarchau. Auch sind Sie begeisterter Musikschüler. Welche Rolle spielen künftig Kunst und Kultur?

Ich spiele Gitarre und bin so ein Autodidakt aus den 1960er-Jahren. Beat-Bewegung, da kommt das her. Ich habe einmal angefangen, Akkordeon zu spielen, weil mein Vater mir das nahegelegt hat. Das habe ich dann relativ schnell wieder weggelegt und das Saiteninstrument gewählt. Ich bin ein ganz passabler Lagerfeuer-Gitarrist. Für höhere Weihen muss ich noch Nachhilfe an der Musik- und Kunstschule nehmen, das mache ich auch. Ansonsten spiele ich mit einer Band mit Jungs in etwa in meinem Alter. Die Band heißt „Old Young Boys“. Die alten Kerle, die immer ihre Jugend bewahren. Unser Repertoire haben wir auf die Zeit der 1960er, 1970er-Jahre fokussiert. Wir machen im Jahr, bei Corona jetzt nicht so, eine Handvoll Muggen und wir trainieren nun langsam wieder. Das will ich auch verstärkt machen, dieses Musizieren begleitet mich ja fast ein ganzes Leben.

Auf welcher politischen Bühne werden die Bürger Klaus Schmotz erleben?

Ich habe ein Kreistagsmandat, das habe ich als Bürger dieser Stadt und nicht als Oberbürgermeister. Ich werde dieses weiterhin wahrnehmen. Auch ein Stück weit intensiver, weil ich dann mehr Zeit habe für manches Thema. Da ist aus Berufsgründen natürlich das Thema Haushalt- und Haushaltskonsolidierung meins. Es ist die Bühne, auf der ich noch ein bisschen mitspiele.

Und ehrlich: Was haben Sie Ihrer Frau und der Familie für die nächsten Jahre alles versprochen?

Also, versprochen habe ich in dem Sinne nichts. Nur, dass wir einfach die Zeit, die wir haben, gemeinsam verbringen. Wobei es bei uns auch Konsens ist, dass jeder individuellen Interessen nachgeht. Und dann haben wir Gemeinsames. Was meine Frau und mich interessiert, sind immer Kunst und Kultur. Wir besuchen regelmäßig Ausstellungen, die letzten waren im Bauhaus-Museum in Dessau und die Feininger-Ausstellung in Quedlinburg. Wir haben dann auch mehr Zeit für unser Theater in Stendal. Das ist eine Top-Einrichtung. Die Jütting-Konzerte, die Domkonzerte, die Musiktage in Meßdorf, der Kunsthof Dahrenstedt und das Winckelmann-Museum sind nur einige Beispiele für besondere Angebote in Stendal und Umgebung.

Lok Stendal hat momentan erhebliche Schwierigkeiten. Wie viel Zeit bleibt nun mehr, auf der Fußballtribüne im Hölzchen die Daumen zu drücken?

Da habe ich mir vorgenommen, hin und wieder mal hinzugehen. Die machen dort eine gute Arbeit und man muss nicht traurig sein, wenn der Tabellenplatz nicht der ist, den man sich so erwünscht. Man muss das Mögliche in Betracht ziehen und manchmal ist es vielleicht gar nicht so verkehrt, in einer niedrigen Liga oben zu spielen, als in einer oberen unten. Lok Stendal ist und bleibt ein sportliches Aushängeschild.

In mehr als zwei Jahrzehnten haben sich doch bestimmt Hunderte Gastgeschenke angesammelt. Was dürfen und wollen Sie mitnehmen?

Privat nehme ich nichts mit. Das Einzige, was ich mitnehme, ist eine größere dunkelblaue Tasse, die habe ich nicht als Oberbürgermeister, sondern als Kuratoriumsvorsitzender der Jütting-Stiftung bekommen. Einige Gastgeschenke gelangen möglicherweise mal ins Stadtarchiv oder es wird eine Vitrine mit wichtigen Dingen ausgestattet. Ich habe auch schon sortiert und besitze Karnevalsorden aus den Sessionen von 2001 bis jetzt. Vielleicht gibt es ja einen Sammler, bei dem diese gut aufgehoben sind.

Wegbegleiter wollen erkennen, dass Ihnen der Abschied schwerfällt. Was sagen Sie Ihnen?

Das stimmt. Ich habe diese Aufgabe gerne erfüllt, ich bin auch dankbar dafür, dass ich das überhaupt machen durfte. Das ist ja nicht selbstverständlich, dass man sagt, ich kandidiere, und dann wird das was. Ich bin auch nicht von mir aus hingegangen, man hat mich gefragt damals. Weil ich mir das selber nicht so vorstellen konnte. Ich war Kämmerer und Finanzmensch, ich war eigentlich nicht ganz unzufrieden. Doch so eine Frage bekommt man nur einmal im Leben gestellt. Ich scheide also mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Einmal weinend, weil mir die Aufgabe heute immer noch Spaß macht, wobei natürlich nicht jeder Tag spaßig ist. Und mit einem lachenden Auge mit Blick auf viele sanierte Gebäude und neu entstandene Orte in der Stadt. Wir haben nicht alles allein gemacht, logisch, aber wir haben begleitet, unterstützt, gefördert. Insofern bin ich mit der Entwicklung dieser Stadt sehr zufrieden, die auch nie zu Ende geht. Das Lachen meint, dass ich für bestimmte Dinge nun mehr Zeit haben werde. Ich weiß nicht, wie lange der liebe Gott mich leben lässt, ich gehe mal noch von 30 Jahren aus. (schmunzelt)

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