Spektakel lässt Vergangenheit auferstehen: Werben feiert Kostümfest in großem Stil und lockt erneut viel Publikum

Biedermeier bis unter den Reifrock heiß

Nicht nur zur Zierde, sondern auch zum Schutz vor der Hitze hielt sich Ortrud Doll (l.) einen stilechten Sonnenschirm über den Kopf. Die Lüneburgerin trug ja auch keinen Haubenhut, wie ihn sich Ute Siedenhans aus Berlin aufgesetzt hatte.
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Nicht nur zur Zierde, sondern auch zum Schutz vor der Hitze hielt sich Ortrud Doll (l.) einen stilechten Sonnenschirm über den Kopf. Die Lüneburgerin trug ja auch keinen Haubenhut, wie ihn sich Ute Siedenhans aus Berlin aufgesetzt hatte.

Werben. Dichter Schatten einer stattlichen Linde am Kirchplatz/Ecke Fabianstraße lässt Werner Eifrig am Eröffnungstag des neunten Biedermeier-Sommers nicht ins Schwitzen kommen.

Der Chef des Arbeitskreises Werbener Altstadt (AWA), der das zweitägige Großspektakel am Nordzipfel des Landkreises in Kooperation mit der Hansestadt ausrichtet, registriert wegen der Turbotemperatur ein wenig Besucherschwund. „Wir leider heute unter der Hitze“, sagt Eifrig der AZ.

Derweil schwärmen auf der gegenüberliegenden Seite des Vorplatzes an Werbens riesiger Johanniskirche fast alle Gäste immer wieder über die üppigste Hortensien-Pracht neben dem Biedermeier-Café. Über das Areal weht ein Duftcocktail aus gegen den Hunger entzündeten Flammen für Spießschwein und Bratwurst und den lodernden Feuern tatkräftiger Traditionsproduzenten.

Einen Schmiedehammer gekonnt rhythmisch auf den Amboss schlägt etwa Lars Dittmer. Der Kunstschmiedmeister und Restaurator aus Barum im Landkreis Uelzen formt lächelnd ein glühendes Eisenstück zu einem filigranen S-Haken. Der Niedersachse hat sich erst vor Kurzem in einem Fachwerkensemble niedergelassen. Das Rüstzeug für sein Metier holte sich Dittmer unter anderem in Venedig.

„Eine Spende für die Werbener Altstadt“, wird Werner Eifrig nicht müde, das strömende Besuchervolk um Unterstützung zu bitten. Derweil schallt fröhlicher Akkordeonklang herüber. Musicus Werner Jose hat sich an der Alten Schule postiert und lässt sein Instrument nicht ruhen. Natürlich zeigt sich der Leiter des Gemischten Chors der Hansestadt nicht ohne Zylinder – auch wenn es ihm damit ähnlich heiß wird, wie Werbens Biedermeier-Damen unter ihren stoffreichen Reifröcken. Sehr aufregend gestaltete sich auch die Premiere des neuen Stücks „Der Revisor“ der Dilletantengesellschaft „Altmärkisches Treibgut“.

Von Antje Mahrhold

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