Einwohnerzahl sinkt

Talfahrt in Stendal setzt sich fort

Die Rolandfigur steht vor dem Rathaus in Stendal und nahe der Marienkirche.
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Stendals Roland am Rathaus. Die Entwicklung der Bevölkerung befindet sich seit Jahren und Jahrzehnten in Schieflage. Stendal verliert weiterhin Einwohner.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Bevölkerung schrumpft: Die Zahl der Einwohner in Stendal geht weiter zurück und bleibt unter der 40.000er-Marke. Seit der politischen Wende in Ostdeutschland hat die Hansestadt an die 10.000 Menschen verloren.

  • Aderlass nach Ende der DDR
  • Arbeitsplätze gehen verloren
  • Kernkraftwerksbau bei Arneburg beendet

Stendal – Die demografische Talfahrt geht weiter, wenn auch längst nicht mehr so rasant oder wie anfangs von einigen Bevölkerungsexperten prognostiziert. 39.625 Menschen leben in der Einheitsgemeinde Stendal. Das geht aus der Statistik des Einwohnermeldeamtes für 2020 hervor. Unterm Strich hat die Hansestadt Stendal im Vergleich zum Vorjahr damit 352 Bürger verloren. Wer es nicht weiß: Kurz nach der politischen Wende zählte Stendal noch fast 51.000 Einwohner, und das ohne die noch selbstständigen Gemeinden Bindfelde, Jarchau und Staffelde. 2012 waren noch immerhin etwa 41.000 Menschen mit Hauptwohnsitz in Stendal registriert, jene in den 13 eingemeindeten Ortsteilen mitgezählt.

Schwarzmaler gewinnen nicht auf ganzer Linie

Grob geschätzt dürfte die wohl bedeutendste Stadt der Altmark seitdem an die 10.000 Bürger verloren haben. Symbolhaft für diese Entwicklung steht nicht zuletzt der Stadtteil Süd. Einst aus dem Boden gestampft und bei DDR-Bürgern durchaus beliebt, sind nach Leerstand und einem Rückbau in Größenordnung nur noch wenige Blöcke übrig geblieben. Hauptgrund des Aderlasses war das Bauende nahe Arneburg, zahlreiche Menschen waren zu sozialistischen Zeiten wegen des Kernkraftwerks erst in die Region gezogen. Und natürlich: Hinzu kamen der Abbau von Arbeitsplätzen in größeren Unternehmen und die allgemeine Bevölkerungsentwicklung in Ostdeutschland.

10.000 Bürger nach Politwende im Osten weniger

Quartiere aus sozialistischer Zeit haben zunehmend verloren, jene aus älteren Epochen, in der DDR oft vernachlässigt, gewonnen. Das historische Zentrum ist aufwendig saniert worden, die offenen Baustellen werden weniger. In der Kernstadt der Einheitsgemeinde haben 30.778 Menschen ihr Zuhause, das sind 289 weniger als im Jahr zuvor. Die Einheitsgemeinde umfasst 18 Ortschaften plus die Kernstadt. Das Einwohnermeldeamt differenziert stärker und listet 30 Ortsteile und die Hansestadt Stendal (Kernstadt) auf. Die ganz großen Ausreißer nach oben oder unten gibt es nicht, vieles ist ähnlich verlaufen. Uchtspringe hat mit 30 die meisten Zugänge, Wahrburg mit 20 die meisten Abgänge.

Altstadt saniert, Plattenbauten in Süd im Umbruch

Wahrburg bleibt in dieser Einteilung der größte Ortsteil, 1101 Menschen leben dort. Es folgen auf den nächsten Rängen Uenglingen (826), Uchtspringe (679), Möringen (552), Heeren (535), Borstel (522) und Jarchau (470). Fünf Ortsteile bewegen sich unter der 100er-Marke. Klein Möringen mit 94 Einwohnern führt das Feld an. Dahinter kommen Peulingen (91), Welle (75), Dahrenstedt (70) und Vollenschier (51). Weil Zahlen nicht alles sind und Größe sowieso nicht, dürften Bürger unterschiedlich und je nach Gusto auf die Zahlen blicken. Die Einheitsgemeinde ist eine Mischung aus vielem. Dazu gehört auch: Das zweite große DDR-Neubaugebiet, Stadtsee, hat seinen Platz im Nachwende-Stendal gefunden. Und: Das eigentlich aufgegebene Süd könnte durch Eigenheime neu belebt werden (die AZ berichtete).

Gewinner und Verlierer: Stendaler Ortsteile auf einen Blick

Aktuelle Größen im Vergleich zu 2019: Hansestadt Stendal 30.778 (-289), Arnim 135 (+1), Bindfelde 227 (+3), Borstel 522 (-14), Buchholz 256 (-11), Börgitz 414 (-7), Dahlen 248 (+3), Dahrenstedt 70 (-1), Döbbelin 109 (-1), Gohre 150 (-2), Groß Schwechten 302 (-10), Heeren 535 (-1), Insel 423 (-13), Jarchau 470 (-7), Klein Möringen 94 (-1), Möringen 552 (-3), Nahrstedt 264 (-5), Neuendorf am Speck 100 (+1), Peulingen 91 (-6), Staats 227 (+11), Staffelde 162 (+3), Tornau 122 (-2), Uchtspringe 679 (+30), Uenglingen 826 (-3), Vinzelberg 228 (+2), Volgfelde 145 (-2), Vollenschier 51 (-3), Wahrburg 1101 (-20), Welle 75 (-1), Wilhelmshof 115 (-4), Wittenmoor 154 (0) Quelle: Einwohnermeldeamt

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