„Es ist kein TÜV-Siegel“

Berufsschulzentrum Stendal will sich gegen Rassismus engagieren

Schülersprecher Kenny-Lee Richter hat sich um regionale Paten für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage bemüht. Mathilde Grauer-Nottrot war für „Kinderstärken“ dabei.
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Schülersprecher Kenny-Lee Richter hat sich um regionale Paten für das Projekt „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage bemüht. Mathilde Grauer-Nottrot war für „Kinderstärken“ dabei.

Stendal – Das Berufsschulzentrum Stendal will den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ erhalten. Auf einem guten Weg ist sie, aber ein wenig wird es noch dauern.

Das entsprechende Okay hat sie bereits erhalten, aber die Titelverleihung wird voraussichtlich nach den Sommerferien erfolgen. Voran geht es trotzdem schon.

So hat Schülersprecher Kenny-Lee Richter auch einen besonderen Paten aktivieren können: Landrat Patrick Puhlmann (SPD). Andere Schulen hätten sich zwar höhere Ziele gesteckt und als Paten Herbert Grönemeyer oder Bundespräsident Frank Walter Steinmeier ausgewählt. Diese seien zwar prestigeträchtig, aber selten vor Ort und könnten so nur schwierig mitwirken. Ebenfalls mit im Boot ist der örtliche Verein „Kinderstärken“, der von Mathilde Grauer-Nottrot vertreten wurde.

„Natürlich haben wir kein akutes Problem mit Rassismus“, erklärt Richter bei einem Pressetermin zur Vorstellung des Projektes. Katrin Hermann, Lehrerin für Ethik, lässt jedoch keine Zweifel aufkommen, dass Vorurteile durchaus vorkommen. Gerade ein so großer Schulkomplex mit 2200 Schülern stelle natürlich auch einen Querschnitt durch die Gesellschaft dar, die nicht frei von Rassismus ist.

Ein Beispiel, das Richter anführt, besteht in den Wechselwirkungen, zwischen den verschiedenen Berufen, die im Berufsschulzentrum untergebracht sind. Die eine Gruppe halte die andere für abgehoben, die wiederum von der zweiten für dumm gehalten werde. Ziel des Projektes sei es auch, solche Vorurteile abzubauen. „Es ist eine Zielstellung“, erläutert Hermann weiter. Dazu gehöre auch die Weiterführung und Bekanntmachung der bisher schon laufenden Projekte. So würden unter anderem mit dem Theater der Altmark regelmäßige Workshops zu den Themen Rassismus und Ausgrenzung gemacht.

Ein wichtiger Aspekt der Titelverleihung ist es, dass das Projekt von einem Großteil der Schüler und Lehrer getragen wird. Eine Grundbedingung ist, dass sich 70 Prozent von ihnen dazu per Unterschrift dazu verpflichten, sich aktiv gegen Diskriminierung an ihrer Schule einzusetzen. „Es ist kein TÜV-Siegel“, erklärt Puhlmann. Es drücke eine Haltung aus. In vielen heiß diskutierten Fragen reklamiere jede Gruppe für sich die schweigende Mehrheit. Mit der schriftlichen Verpflichtung gegen Rassismus sei zumindest bei Diskussionen zu diesem Thema die Frage geklärt.

VON STEFAN HARTMANN

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