„Bekennen uns zu diesem Standort“

Poltes Großkompost-Betreiber stellt sich der Kritik und geht in die Offensive

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Sie bilden die Spitze des Unternehmens: Thüringer Dominik Bröschke (l.) und Sachsen-Anhalter Michael Wiese. Im Hintergrund sind Kompostmieten zu sehen.

Stendal – Es riecht süß-säuerlich, ganz normal für eine Kompostierungsanlage. Arbeiter schichten mit Radladern das Material um. Ein Fahrzeug kommt just in dem Moment auf der weitläufigen Anlage in Polte bei Tangerhütte an und kippt die Fuhre ab.

„Wir bekennen uns zu diesem Standort und sind ein grundsolides Unternehmen“, sagt Michael Wiese.

In den vergangenen Wochen war immer wieder einmal Kritik laut geworden. „Das hat uns schon ein Stück weit nachdenklich gestimmt, doch wir wissen natürlich auch, was wir können“, macht der Inhaber des Unternehmens gegenüber der AZ aus seinem Herzen keine Mördergrube.

Der Zaun ist repariert. Inwieweit die Wildschweine ihn heile lassen, bleibt abzuwarten. Mitarbeiter haben in der Umgebung bis etliche Meter hinein in den Wald Folie eingesammelt, die der Wind dort hingetragen hatte. Ein Fangzaun, insgesamt vielleicht gut 80 Meter lang und an die acht Meter hoch, soll in absehbarer Zeit an einer besonders sensiblen Stelle errichtet werden. Seit Mitte der 1990er-Jahre betreibt Wiese die Anlage. „Sie ist genehmigt und liefert einen ordentlichen Kompost, den gerade der altmärkische Boden gut gebrauchen kann.“ Landesverwaltungsamt und Landkreis würden sehr wohl regelmäßig kontrollieren.

Kompost kommt am Ende der Arbeit raus.

Der gesamte Bioabfall aus dem Landkreis Stendal landet in dem früheren Güllelager. Die Verrottung finde mehr oder weniger in drei Stufen statt, erläutert Dominik Bröschke, wie Wiese Geschäftsführer einer Firma, die ihren Hauptsitz im thüringischen Berga hat und vor allem mit der Entsorgung von Klärschlamm ihr Geld verdient. Kompost, der auch schon einmal als „Gold des Gärtners“ bezeichnet wird, sei für ihre Firma aber ein durchaus wichtiger Nebenzweig. Die Kompostierstelle, die an eine große Wanne erinnert, dürfe maximal 29 900 Tonnen Durchsatz pro Jahr aufnehmen. „Um einen möglichst guten  Kompost zu erreichen, werden bis zu 22 000 Tonnen aufgenommen.“

Viel zu oft landen Plastik und weitere Stoffe in der Biotonne, die dort einfach nicht hineingehören. „Es ist und bleibt ein Problem“, redet Bröschke im Gespräch mit der AZ erst gar nicht um den heißen Brei herum. Die landkreisliche ALS-Dienstleistungsgesellschaft, Auftraggeber der Thüringer, könne noch so viel Aufklärungsarbeit leisten. „Irgendwer hört immer weg oder liest nicht gründlich genug.“ Der sogenannte Störstoffanteil dürfe zwischen circa fünf und zehn Prozent liegen, so sei es auch vertraglich geregelt. Was aufwendig abgesiebt werden muss, wird unter anderem im Müllheizkraftwerk Magdeburg-Rothensee verbrannt.

Dass sich die lästigen Stoffe momentan kaum minder imposant wie die Kompostmieten auftürmen, habe einen jahreszeitlichen Grund. „Dieses Material ist nun einmal nicht immer gleich stark gefragt, ab November steigt der Bedarf der Müllheizkraftwerke wieder.“ Auch das könne und müsse jeder wissen. Was in der Kompostierungsanlage in Polte eigentlich alles so genau passiert, will Wiese interessierten Bürgern auch bei einem ersten Tag der offenen Tür im Frühjahr 2020 erklären lassen. „Es ist eine kostengünstige Art der Entsorgung, sie ist umweltschonend und hält sich im Stoffkreislauf, denn wir verbrauchen ja nichts groß.“

Im Großen und Ganzen bewältigen zwei Arbeiter die Aufgaben in Polte, insgesamt hat die ostdeutsche Firma etwa 40 Mitarbeiter. Für den Komplex bei Tangerhütte wurde laut Bröschke erst vor Kurzem neue Technik angeschafft, Büro und der Sozialraum sind aufgewertet. „Eine neue Siebanlage soll in naher Zukunft auch noch dazukommen“, ergänzt Wiese und blickt von einem Plateau hinunter ins Becken. Aus der Nähe seien natürlich da und dort Risse zu sehen. „Sie sind oberflächlich und gehen nicht tief. Der Beton ist mindestens einen halben Meter dick. In der DDR wurde für die Ewigkeit gebaut“, meint der Firmeninhaber.

VON MARCO HERTZFELD

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