Bejubelte Musical-Inszenierung

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Susanne Kreckel und Ico Benayga als Hodel und Chava in der Premierenaufführung von „Anatevka“.

hh Stendal. Es war sicher ein Kraftakt für Regisseur Dirk Löschner, unterstützt durch Choreograf Adrian G. Turner, aus einem Konglomerat von Gästen, Laiendarstellern und -chor sowie Schauspielern des TdA ein Team zu formen, diese Ensembleleistung wie zur Premiere am Samstagabend von „Anatevka“ zu erarbeiten.

In einem Bühnenbild, das wie im Setzkastenprinzip das „Stättl“ Anatevka zeigt (Ausstattung: Christopher Melching), entwickelt sich die spannende Geschichte um Milchmann Tevje, seine Familie und die Dorfgemeinschaft. Nicht weniger Anteil daran hatte auch Gero Wiest, der aus der Partitur heraus ein Klezmerarrangement schuf. Die fünf Musiker wurden so eine zur Szene gehörige Gruppe, die im Geschehen wie selbstverständlich handelte. Mit Manfred Ohnoutka stand ein Tevje auf der Bühne, der miterleben musste, wie in Anatevka, das – siehe Eingangs-chor – der Tradition bewusst aufgeschlossen und verpflichtet war, sich immer weiter die Gegenwart mit ihren Widersprüchen durchsetzt. Seine zunächst geübte Philosophie „einerseits – andererseits“ bei den beiden älteren Töchtern und ihren Heiratsabsichten gegenüber Zettel (Anne Noack), die ihren Schneider Mottel (Michel Haebler) erhält, statt mit dem dicken Fleischermeister verheiratet zu werden; und Hodel (Ico Benayga), die dem revolutionären Denker (Jan Kittmann) in die Verbannung folgt, zerbricht an der Dritten im Bunde Chava (Susanne Kreckel), die schließlich einen Russen in dessen Kirche heiratet. Ehefrau Golde (Tabea Scholz) führt zwar strenges Hausregiment, kann sich aber den neuen Tatsachen gegenüber auch nicht durchsetzen.

Diese in sich schon dramatische Geschichte, mitunter auch aufheiternd wie im Solo des Milchmanns im Gespräch mit seinem Gott oder in der inszenierten Traumszene, die dieser seiner Frau vorführt, um der Erstgeborenen zu ihrem geliebten Mann zu verhelfen, ist eingebettet in das Geschehen im Dorf, das mit der Zarenduma auf Ausweisung innerhalb von drei Tagen endet.

Hier zeigten Tänzer und Chor in unterschiedlichen Typen, wie diese Dorfgemeinschaft mit all ihren Eigenproblemen durch die Geschichte getrieben wird. In ihr brillierte Alexa Wilzek als Heiratsvermittlerin Mendel, standen die Schwiegersöhne, Michel Haebler und Jan Kittmann aber auch Wachtmeister André Vetters als Solisten ihren Mann.

Diese Ensembleleistung erbrachte den höchst verdienten Erfolg.

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