Bosse kritisiert Einsatz von Getreide als Brennstoff / A 14 soll Auszubildende in Ostaltmark führen

Beim Stendaler Landbäcker gärt es

Die Topfgucker Tiemo Schönwald (v.l.), Nico Schulz, Vize-Landrat Carsten Wulfänger, Heinz Riemann und Monika Lagemann. Der Ausschuss für Wirtschaftsförderung, Landwirtschaft und Tourismus würdigt mit seinem Besuch die Ausbildungspolitik des Unternehmens.

Stendal. „Nur Mut, trauen Sie sich!“ Die Kreispolitiker lassen sich nicht lange bitten und halten ihre Nase über den Behälter. Der Sauerteig riecht, wie ein Sauerteig riechen muss: angenehm säuerlich.

Andreas Bosse, Geschäftsführer und Inhaber der Stendaler Landbäckerei, zieht die Tür des Reiferaums ins Schloss. Die enthaltenen Mikroorganismen sind empfindlich. Passen die Teigmacher auf, kann so ein Bakterienstamm wie in diesem Fall fünf Jahre und noch älter werden. Das Unternehmen stellt das Treibmittel selbst her und setzt es ein. Keine Selbstverständlichkeit auf dem hart umkämpften Brotmarkt. Bei dieser Gelegenheit schreibt der gebürtige Bördeländer seinen Gästen, den Mitgliedern des Landwirtschaftsausschusses, am Mittwochabend gleich den moralischen Grundsatz „Teller vor Tank“ ins Merkheft. Gerade Weizen gehöre „bei all den vielen Hungernden in der Welt“ nun wirklich nicht in Energieverbrennungsanlagen. Subventionen für derartige Projekte sollten deshalb gänzlich gestrichen werden. Entschieden wird so etwas aber auf höherer politischer Ebene.

Das mittelständische Unternehmen mit momentan 129 Filialen und 784 Mitarbeitern denkt und handelt über die Region Altmark hinaus. Dass die Rolandstädter längst ihre Ware nach Magdeburg und noch weiter südlich liefern, aber sich von dort nur selten junge Leute um Ausbildung und Arbeit bei ihnen bewerben, wertet Bosse als Zeichen für die „unbedingte Notwendigkeit der A 14“. Aber auch so werde es immer schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu bekommen. Vor einigen Jahren kamen noch zwischen 400 und 500 Bewerber auf die 15 bis 20 Stellen. In diesem Jahr sind es nur 82 Interessenten. Und nicht immer seien alle vom Kopf her für eine Ausbildung auch wirklich geeignet. In der Vergangenheit gehörten in der Regel ständig gut 80 Azubis zur Firma, perspektivisch werde sich die Zahl wohl so bei 60 einpendeln müssen. Dabei wünschen sich Bosse und Ehefrau Roswitha durchaus weitere jüngere Mitarbeiter. Das Durchschnittsalter liegt derzeit bei 49 Jahren. Für ihre Ausbildungspolitik ist das Unternehmen im vergangenen Jahr mit dem Wirtschaftspreis Altmark ausgezeichnet worden.

Von Marco Hertzfeld

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