Fachamt favorisiert neues Angebot auf städtischem Friedhof

Baumgrab in Stendal treibt erste zarte Wurzel

Eine Gebetskette hängt an einem Baum in einem Ruheforst in Süddeutschland.
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Eine Gebetskette, ein sogenannter Rosenkranz, hängt an einem Baum in einem Ruheforst in Süddeutschland. Was an Baumbestattungen zukünftig in der Einheitsgemeinde Stendal möglich sein wird, scheint noch recht offen.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Waldbestattungen können eine Alternative zu klassischen Beerdigungen sein. Was künftig in Stendal möglich sein kann, dazu hat die Diskussion erst begonnen.

Stendal – „Aus Sicht der Verwaltung spricht vieles für Baumgräber auf unseren Friedhöfen.“ Dies ist vielleicht die Kernaussage eines 25-seitigen Konzeptes, das von Silke Pidun, Leiterin des Amtes für Technische Dienste, im Ausschuss für Stadtentwicklung vorgelegt worden ist. Entschieden ist damit nichts. Inwieweit und durch wen wo Baumbestattungsgräber im Stendaler Gebiet möglich gemacht werden, damit können sich die Fraktionen befassen. Der Stadtrat bekommt das Papier am 19. Juli auf den Tisch. Das Thema gewinnt offenbar republikweit an Kraft, Menschen suchen und wünschen Alternativen. In diesem Fall wird die Urne in den Bereich einer Baumwurzel gesetzt. Oftmals geht es dafür raus in einen Wald.

Unternehmen zeigt auf Wald

Zu den bekanntesten kommerziellen Anbietern zählen die Friedwald GmbH und die Ruhefost GmbH. Allein das zweitgenannte Unternehmen habe näheres Interesse gezeigt. Es betreibt seit April einen Ruheforst in einem Privatwald in Krumke (Osterburg). Eine Konkurrenzsituation zu einem möglichen Angebot in Stendal sehe die Firma nicht. Piduns ergebnisoffene Prüfung, wie sie es selbst nennt, zeigt vier mögliche Standorte im kommunalen Stendaler Forst auf, am Hölzchen, am Arnimer Damm, am Waldsee und am Forsthaus. Das Unternehmen präferiere den Arnimer Damm. Da diese Fläche in einem Naturschutzgebiet liege, gäbe es dort noch das eine oder andere Fragezeichen mehr.

Für und Wider auf 25 Seiten

Ein gewerblicher Anbieter, der an der Stelle nicht benannt ist, sei schon einmal ins Detail gegangen und rechne mit circa 140 Bestattungen im Wald pro Jahr. Pidun und Kollegen halten das für zu hochgegriffen und kommen maximal auf 35 Bestattungen. Natürlich könne die Stadt einen Bestattungswald auch in Eigenregie betreiben, für die Herstellung wären vorsichtig geschätzt etwas mehr als 30 000 Euro anzunehmen, die Unterhaltungskosten lägen bei knapp 13 000 Euro. Käme ein Privater zum Zuge, könnte die Stadt an den Gewinnen beteiligt sein. Die Ruheforst GmbH spreche davon, dank einer überregionalen Werbestrategie mehr Grabnutzungsrechte verkaufen zu können als eine Kommune.

Gebühren und Entgelte fielen bei dem privaten Anbieter, der gewinnorientiert arbeite, naturgemäß zum großen Teil deutlich höher aus. Und wie schon vornweg geschrieben: Die Stadt fürchtet durchaus um ihren klassischen Friedhof. Derzeit seien im Bereich eins 67 Prozent der Grabstellen unbelegt, im Bereich zwei sogar 79 Prozent. Setze sich die Tendenz der Waldbestattung fort, müsse perspektivisch über Schließung von Flächen oder Gebührenerhöhungen nachgedacht werden. Baumgräber auf den eigenen Friedhöfen könnten hingegen neue Chancen eröffnen und böten eh klare Vorteile, die der bereits vorhandenen Infrastruktur beispielsweise. Auch könnte Blumenschmuck problemlos abgelegt werden.

Nach Prüfauftrag Stadtrat nun gefragt

Dennoch gebe es auch Argumente für eine Bestattung im Wald, heißt es im Papier aus dem Fachamt. „Die Flächen sind offen, weiträumig und sehr naturnah. Wer sich für eine solche Bestattung entscheidet, möchte vermutlich gerade nicht auf einem umfriedeten, gepflegten Friedhof, sondern in der freien Natur seine letzte Ruhestätte finden.“ Mit all dem und mehr können sich nun die Fraktionen beschäftigen. Die Sache angestoßen hat die Fraktion SPD/FDP/Ortsteile. Der Stadtrat stimmte im Mai vergangenen Jahres mehrheitlich für den Prüfauftrag.

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