Millionen-Projekt nach Jahren auf Zielgeraden

Baustart für Bahnstation „Hochschule“ in Stendal

Eine Fläche für einen der zwei Bahnsteige nahe der Hochschule in Stendal ist gerodet.
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Ein Teil der gerodeten Fläche entlang der Bahnlinie, die über die Osterburger Straße führt. Ein Bahnsteig entsteht dort, ein zweiter gegenüber. Reisende in Stendal werden unter der Brücke hindurch von einer Seite zur anderen kommen.
  • Marco Hertzfeld
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Erste Ideen für eine Bahnstation im Norden hat es bereits in den 1990er-Jahren gegeben. Nun bekommt die Hochschule tatsächlich einen Haltepunkt vor der Haustür. Der Baustart in Stendal ist für Anfang Juli 2021 vorgesehen. Ein Millionen-Projekt geht auf die Zielgerade.

Stendal – Alle Signale stehen auf Grün. Die Bahnstation „Stendal Hochschule“ wird gebaut. Nun gibt es sogar ein konkretes Datum: Der Baubeginn ist für den 9. Juli vorgesehen. Vor Kurzem hat die Deutsche Bahn Gestrüpp entfernen lassen. „Die Rodungsarbeiten stehen im direkten Zusammenhang mit der geplanten Station“, bestätigt Jörg Bönisch. Es entstehen nicht zuletzt zwei Außenbahnsteige. Die Gesamtkosten des Projektes nahe Osterburger Straße und Mannsstraße beziffert der Bahnsprecher in Leipzig aktuell mit 5,8 Millionen Euro. Seit Jahren, ja Jahrzehnten, warten Hochschule und Umfeld auf den Haltepunkt.

Projekt lange geplant, Fläche nun gerodet

In Abstimmung mit der Naturschutzbehörde sei seit Längerem nachgewachsenes Buschwerk entfernt worden. Bäume fielen demnach bereits 2016. Die aktuellen Rodungen mussten rechtzeitig vor der beginnenden Brutzeit der Vögel abgeschlossen sein. Weitere Vorbereitungen stehen laut Bönisch für den April im Kalender. So schaffen Arbeiter nicht zuletzt das Fundament für einen Oberleitungsmast. Baustraßen werden angelegt. Und natürlich: Die Baustelle selbst wird eingerichtet, sie geht noch einmal über die gerodete Fläche hinaus. Die Bahnsteige links und rechts der Bahnlinie sind jeweils 155 Meter lang.

Die Brücke Osterburger Straße, rechts geht es zur Hochschule. Die Stadt Stendal will am neuen Bahnhaltepunkt unter anderem einige Parkplätze schaffen.

„Die Ausführung erfolgt als Modulbahnsteig“, weiß der Konzernsprecher auf Nachfrage der AZ weiter. „Dazu gehören Bahnsteigausstattung, Beleuchtung, Informations- und Wegeleitsystem, Bahnsteigzugänge mit Treppen und Rampen als Ingenieurbauwerke mit Betonstützen und -platten.“ Die Bahnsteighöhe liegt 55 Zentimeter über der Schienenoberkante. Für die zusätzliche Station müssen Leit- und Sicherungstechnik angepasst werden, auch der Bahnübergang ganz in der Nähe soll entsprechend gerüstet sein. Die Reisenden gelangen einmal unter der Brücke entlang der Osterburger Straße jeweils zum andern Bahnsteig.

Anlage kostet fast sechs Millionen Euro

Für den schmalen Groschen ist ein solches Projekt nicht zu haben. Im Februar 2019 war die Rede von dreieinhalb Millionen Euro, gut eine Million Euro mehr als einige Monate zuvor. Aktuell geht die Bahn von den besagten 5,8 Millionen Euro aus. Weil fast überall die allgemeinen Baupreise angezogen haben, könnte ein Grund darin liegen. Zur Erinnerung: Schon 2016 schienen die Zeichen für Stendal auf Grün, und das auch nicht zum ersten Mal. Im Spätsommer 2017 sollten die Arbeiten starten. Doch offenkundig vor allem das Planrechtsverfahren über die zuständige Bundesbehörde schien einfach nicht enden zu wollen.

Erste Ideen für einen Haltepunkt im Norden und nahe den akademischen Einrichtungen hatte es schon in den 1990er-Jahren gegeben. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist es so weit. Profitieren sollen nicht allein Mitarbeiter der Lehranstalt und Studenten, auch Anwohner könnten durch das Angebot verstärkt auf die Schiene umsteigen. Das Projekt setzen Bahn und Land Sachsen-Anhalt gemeinsam um. Apropos Land: Im Juli 2022 findet bekanntlich der Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal statt, mindestens eine Viertelmillion Menschen wird erwartet. Die Bahnstation könnte fertig sein, wenn die Gäste kommen.

Der Kernort der Einheitsgemeinde verfügt momentan im Wesentlichen über zwei Haltepunkte, den Stopp Stadtsee und den Hauptbahnhof. Zweitgenannten lässt die Bahn seit Mai 2019 weiter modernisieren. Bahnsteige werden erneuert, Aufzüge geschaffen, Tunnelbereiche angeschlossen. Die Kosten bewegen sich bei mindestens 23 Millionen Euro. Abgeschlossen sein sollen die Arbeiten dort Ende des Jahres. Auf dem weiteren Zettel bis zum Jahr 2025 haben Bahn und Bund das historische Bahnhofsgebäude in Stendal. Wann genau die Arbeiten am Objekt beginnen, ist noch offen (die AZ berichtete).

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