Simulation im Klassenzimmer: Diesterweg-Schüler üben das Ankreuzen

Bald-Erstwähler trainieren ihr demokratisches Recht

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Fabian Nöldner hat gut lachen: Weil der Bundestag erst ab 18 gewählt werden darf, hat der Stendaler Diesterweg-Schüler bei Juniorwahl mitgemacht. Mit der Aktion will ein Berliner gemeinnütziger Verein junge Leute zum Wählen motivieren. 

Stendal. Obwohl gar nicht Sonntag ist und noch nicht mal „echte“ Wahl, wirft Fabian Nöldner sein schönstes Sonntagsstrahlelächeln über die rechte Schulter.

Neunt- und Zehntklässler der Stendaler Diesterweg-Sekundarschule durften am Freitag vor dem Datum, das in die Geschichte der Republik eingeht, Demokratie in ihrer praktischsten Form trainieren.

Und obwohl die Truppe noch ein bisschen zu jung ist, für den Gang erst ab 18 erlaubten Gang an die Wahlurnen für Deutschlands höchstes Parlament, ist der Schüler der 10 c wie seine Mitstreiter ganz bei der Sache. Auch waren die jungen Altmärker Teil einer bundesweiten Idee, die der in Berlin-Weissensee ansässige gemeinnützige Verein „Kumulus“ „Juniorwahl 2017“ genannt hat. Ziel ist es, „die Schüler zum Wählen zu motivieren“, teilt ein Sprecher des Vereins mit. Der Verantwortliche hat das Abstimmungsverhalten im Klassenzimmer der Kreisstadt analysiert. „Mit einer Wahlbeteiligung von 93 Prozent liegen die Schüler über den Bundesdurchschnitt“, fässt das Juniorwahl-Team zusammen. Ihm stand mit Christiane Feudel eine verantwortliche Lehrerin der Stendaler Bildungsstätte zur Seite. Die Aktion wird von den Kumulus-Akteuren seit 1999 in den Schulen der Republik veranstaltet. Mehr als 1,8 Millionen Jugendliche haben sich bislang beteiligt, womit die Juniorwahl „zum erfolgreichsten Lernort Demokratie für Schulen, Lehrer, Schüler und Politiker“ gemacht worden sei.

Sieg bei den Zweistimmen für die CDU, dicht gefolgt von der SPD. Die Neunt- und Zehntklässler hätten aber auch AfD und NPD in den Bundestag gewählt.

„Am Ende konnte die CDU mit 27 Prozent der Zweitstimmen das Rennen für sich entscheiden, dicht gefolgt von SPD und Grünen, die jeweils auf 19,5 Prozent gekommen sind“, heißt es weiter in der Wahlanalyse über das Abstimmungsverhalten der Neunt- und Zehntklässler. „Aber auch die AfD (13 %) und NPD (7 %) wären nach dem Ergebnis der Stendaler Schule in den Bundestag eingezogen.

Bevor die Urne unterm Dach der Bildungsstätte im Backsteinbau an der Ecke Bismarckstraße/Arneburger Straße aufgestellt wurde und Wahlhelfer für ihr Amt gebrieft wurden, hatten sich die Schüler ausgiebig auf ihre Juniorwahl vorbereitet. So erarbeiteten sie auch die Broschüre „Warum wählen wichtig ist?“. Außerdem befassten sie sich in Comics und Videos mit dem Prinzip Erst- und Zweitstimme. Zur Entscheidungsfindung wurde auch das Internet in Gestalt des „Wahl-O-Mat“ genutzt, den die Bundeszentrale für politische Bildung betreibt.

Von Antje Mahrhold

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