Bahntrasse zum Industriepark Arneburg bald elektrisch

Gleisbesitz für Großprojekt gefragt

Oberleitung über dem Gleisbett
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Bahntrasse zum Industriepark bei Arneburg soll elektrifiziert werden
  • Antje Mahrhold
    vonAntje Mahrhold
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Arneburg – „Hier geht es um 13 Millionen Euro“, betont das Oberhaupt des Elbeorts im jüngsten Stadtrat die Dimension eines Mammutbauvorhabens zu Gleise.

„Wenn wir nicht elektrifizieren, will uns die Bahn die Strecke nicht verkaufen“, verweist Lothar Riedinger (CDU) an dem Abend auf das Spezialwissen des Arneburger Eigenbetriebschefs.

So hänge die Genehmigung von Fördergeld aus dem Programm „Elektrische Güterbahn“ für die Strecke, die zum Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA), der ehemaligen DDR-Kernkraftwerksbaustelle führt, maßgeblich von der künftigen Entwicklung der Eigentumsverhältnisse ab, berichtet Kay Lindemann.

Bahnhof Zielitz

ist Vorbild

Damit der Güterverkehr auf der Trasse „Stendal-Niedergörne“ künftig nicht mehr auf Diesellokomotiven angewiesen sei, gebe es inzwischen Kontakt zu Kollegen des Bahnhofs Zielitz. Dort sei man bei der Modernisierung des Gleisverkehrs ähnlich vorgegangen, wie dies jetzt in Arneburg geplant sei. Der Bahnhof Zielitz befindet sich am Kaliwerk, das zu den größten seiner Art weltweit zählt. Um einen parallelen Betrieb der S-Bahn Wittenberge–Bad Salzelmen mit dem Güterverkehr zu gewährleisten, ist das zur Verbandsgemeinde Elbe-Heide zählende Areal viergleisig ausgebaut worden.

„Wir wollen die

Kollegen besuchen“

„Es ist geplant, die Kollegen in Wolmirstedt zu besuchen“, will Arneburgs Stadtoberhaupt von den Verantwortlichen in der Börde lernen. Schließlich beinhaltet das Großvorhaben in der Ostaltmark auch eine Modernisierung des Bahnhofs, der sich am IGPA befindet (AZ berichtete). Die Kosten für die Erweiterung der Infrastruktur dort liegen bei weiteren rund neun Millionen Euro. Sie würden aber auf die Nutzer des Areals umgelegt, hat Lindemann eine entsprechende Anfrage von Ratsmitglied Ronny Hertel (CDU) beantwortet.

Die Modernisierung des Industrie-Bahnhofs hatte die Stadt Arneburg schon einmal Jahr 2016 beschlossen. Nach derzeitigem Stand sollen insgesamt 80 Prozent der Kosten – also rund 7,3 Millionen Euro – von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt finanziert werden. Geplant ist der Einbau von zwei weiteren Gleisen. Damit soll die Attraktivität des Standorts erhöht werden. Auch sollen Unternehmen dazu motiviert werden, sich vor den Toren der Elbestadt niederzulassen.

80 Prozent

von Investitionsbank

Neben der von einer Essener Projektentwicklungsgesellschaft im September angekündigten 350-Millionen-Euro-Investition hoffen die Stadtväter derzeit „auf eine weitere Ansiedlung“ in Gestalt eines Sägewerks, teilte der Bürgermeister mit.

„Hoffen auf

ein Sägewerk“

„Wir haben das damals wegen dem Steinkohlekraftwerk so gemacht“, verweist Riedinger auf die Historie des Gütergleises. Der Energiekonzern RWE hatte seit dem Jahr 2008 versucht, Planungsrecht für eine 1600-Megawatt-Fabrik auf dem Arneburger Industriegelände zu schaffen. Nach Protest der Bürgerinitiative „Gegen das Steinkohlekraftwerk Arneburg“ wurde das Projekt Anfang 2013 aufgegeben. Dass sich der Konzern mit seinen Projektplänen aus der Region zurückgezogen hat, lag nach Expertenmeinung seinerzeit auch daran, dass sich Steinkohlekraftwerke wegen der Einspeisung erneuerbarer Energien nicht mehr gerechnet hätten.

Der Stadtrat hat sich mit beiden Großvorhaben – Infrastruktur (neun Millionen Euro) und Elektrifizierung (zwölf Millionen Euro) – jeweils einstimmig einverstanden erklärt. Baubeginn könne frühestens in zwei, drei Jahren sein, erklärt der Bürgermeister auf AZ-Anfrage.

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