Sanierungspläne für Stendal

Stendal: Bahnstation Stadtsee vor Umbruch

Gehwegplatten zur Bahnstation Stadtsee in Stendal haben sie gelöst und stehen hoch.
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Der Weg zum Bahnsteig kann holprig sein. Ob die Stolperfalle noch direkt zum Bahngelände Stendal-Stadtsee gehört, lässt sich auf die Schnelle nicht ergründen.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Schmuddelbahnhof ade: Es dauert noch eine Weile, doch die Bahn will die Station Stendal-Stadtsee größer sanieren. Die Arbeiten sollen nach 2024 beginnen. Wie viel Geld in was genau investiert wird, muss sich zeigen.

Stendal – Es ist eine Mischung aus realsozialistischer Einfachheit, vielleicht auch Tristesse, und reiner Funktionalität der Jahre danach, die Reisende empfängt. Der Stadtseebahnhof scheint irgendwie vergessen, und er ist es dennoch nicht. „Die Verkehrsstation ist in einem guten baulichen Zustand“, attestiert Bahnsprecher Jörg Bönisch. Und doch hat der Konzern die Anlage im DDR-Plattenbaugebiet auf dem Zettel. „Wir haben für die Mittelfristplanung eine Aufgabenstellung zur grundhaften Sanierung auf den Weg gebracht.“ Eine Umsetzung erfolge voraussichtlich nach 2024. Wie viel Geld aufgewendet wird und inwieweit alles womöglich ein Stück weit attraktiver werden kann, wird sich zeigen.

Sprayer haben sich besonders im Tunnel der Stendaler Bahnstation ausgetobt. Nachwendefarbe findet sich auf mutmaßlicher DDR-Fliese.

Als die AZ die Station am Rande des DDR-Plattenbaugebietes besucht, wartet eine Handvoll Menschen auf den Zug. Vor allem die Regionalbahn zwischen Wittenberge und Magdeburg hält regelmäßig dort. „Die Station hat im Schnitt 500 Ein- und Aussteiger täglich.“ Der Haltepunkt sei also durchaus bedeutsam und außerdem sei er schlichtweg vom Aufgabenträger, der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH, kurz Nasa, bestellt. Im Klartext: Irgendwelche Schließungsabsichten scheint es momentan nicht zu geben. „Wir werden in diesem Jahr die Personenunterführung von Graffiti befreien und die Beleuchtung auf Bahnsteig 2 erneuern“, teilt Bönisch auf AZ-Nachfrage mit.

Investitionssumme noch unklar

Graffiti-Sprayer haben sich im Tunnel ausprobiert, auch Wände oben sind beschmiert. Auf einem der beiden Bahnsteige fehlt in einer metallenen Sitzreihe ein Element. Da und dort liegt Unrat, an mindestens einer Stelle riecht es nach Urin. Eine Leserin hatte die AZ auf den Zustand hingewiesen. „Vermutlich durch den hohen Schüleranteil an der Verkehrsstation haben wir tatsächlich viel Müll und vor allem Graffiti“, redet der Bahnsprecher in Leipzig erst gar nicht um den heißen Brei herum. „Die Zerstörungen halten sich in Grenzen, das Problem sind Graffiti.“ Egal, wer genau für Unrat und Schmierereien verantwortlich ist, dem Unternehmen scheint die Situation bewusst.

Reisende empfängt derzeit ein Stück DDR

Erbaut wurde die Station 1977 im Zusammenhang mit der Erschießung des Neubaugebietes. Über die Jahre dürfte sie eher an Gewicht verloren haben, die Bevölkerungszahl in ganz Stendal ist zurückgegangen, in Stadtsee sind einige Blöcke abgerissen worden. Der Komplex liegt an der Körnerstraße und abseits von größeren Wohneinheiten. Der Bus hält gleich vorn, es gibt auch Parkplätze für Pkw. Die Kernstadt der Einheitsgemeinde verfügt im Wesentlichen über zwei Haltepunkte. Das ist zum einen der besagte Stadtsee-Stopp und zum anderen ist es der Hauptbahnhof, das erklärte Aushängeschild der Stadt. Zudem entsteht ab Juli nahe der Hochschule für 5,8 Millionen Euro eine Station gänzlich neu (die AZ berichtete).

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