Mausgraue Pkw-Stellräume an Hochschule bleiben erhalten

Neue Bahnstation: Altgaragen in Stendal nicht ausrangiert

Garagen nahe der künftigen Bahnstation Hochschule in Stendal sind alt und beschmiert.
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Mausgrau und beschmiert: Eine Garage muss nicht unbedingt schön sein. Bahnreisende in Stendal werden auf diese und weitere Einstellflächen für Pkw schauen. Der Garagenkomplex ist insgesamt mindestens doppelt so lang.
  • Marco Hertzfeld
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Wer an der modernen Bahnstation „Stendal Hochschule“ aussteigen wird, muss auf alte Pkw-Garagen schauen. Dafür ist der Umbruch an anderer Stelle ausgemachte Sache, die Stadt schafft Flächen für Park and Ride.

Stendal – Auf einer schicken Bildmontage für eine öffentliche Präsentation sind die neuen Bahnsteige schon einmal zu sehen gewesen. Wer dachte, die zahlreichen Garage an der Mannsstraße müssen der modernen Bahnstation „Stendal Hochschule“ weichen, der irrt. „Die Garagen sollen erhalten bleiben“, bekräftigt Rathaussprecher Armin Fischbach in dieser Woche auf Nachfrage der AZ. „Das hohe Alter der Garagen ist ihnen anzusehen, jedoch sind sie in einem ordnungsgemäßen Zustand. Teilweise sind es auch private Garagen mit sogenannten Altverträgen. Hier sind Mieter für Schönheitsreparaturen selbst verantwortlich.“

Zug um Zug: Bis Mitte 2022 entsteht für rund sechs Millionen Euro an Mannsstraße und Osterburger Straße in Stendal ein gänzlich neuer Bahnhaltepunkt. Vorn links und nicht mehr im Bild befindet sich der Garagenkomplex.

Von einigen Pkw-Einstellräumen blättert Farbe ab, andere haben zu viel davon, weil Graffitisprayer am Werk waren. Garagen dürften zunächst funktional sein müssen und mehr nicht. Das fragliche Areal befindet sich im städtischen Eigentum. Die Frage, inwieweit die Garagen in irgendeiner Weise aufgehübscht werden sollten, stellt sich für die Stadtverwaltung und Fischbach nicht weiter. Er verweist auf das, was bereits geäußert wurde. Und überhaupt: Platz scheint für den südlichen Bahnsteig an Mannsstraße und Osterburger Straße ausreichend vorhanden. Bahnreisende werden auf Garagen blicken.

Auch in anderer Hinsicht werden Stellflächen und Pkw eine sichtbare Rolle spielen. Die Hansestadt wird das Millionen-Projekt von Deutscher Bahn und Land Sachsen-Anhalt wie geplant durch eigene Baumaßnahmen bereichern. Park and Ride (Parken und Reisen) heißt die Formel. „Es sollen zwei Parkplätze entstehen, jeweils einer auf der Nord- und der Südseite. In Summe sind auf beiden zusammen 38 Pkw-Stellplätze und circa 50 Abstellplätze für Fahrräder vorgesehen“, fasst der Rathaussprecher für die AZ zusammen. Die aktuellste Kostenschätzung gehe von annähernd 510.000 Euro für Planung und Bau aus.

Die Bahnstation entsteht nur einen Steinwurf vom Campus entfernt. Der Bereich könnte sich zu einer dynamischen Schnittstelle aus öffentlichem Nahverkehr und Individualverkehr entwickeln. Die Rede ist auch von Elektroladestellen und weiteren Angeboten zur E-Mobilität (die AZ berichtete). Nicht zu vergessen sind auch die Buslinien, Haltestellen befinden sich ganz in der Nähe. Die neuen Stellplätze für Pkw und Fahrräder sollen insbesondere Pendler und Anwohner ansprechen, beschrieb Fischbach schon einmal vor gut einem halben Jahr. Weiter zum Arbeitsplatz etwa gehe es dann mit der Bahn.

Für die Studenten und die Hochschule Magdeburg-Stendal stelle die Bahnstation selbst vermutlich den wichtigeren Pluspunkt dar. Doch sollen die beiden Parkplätze auch auswärtige Studenten ansprechen. Dass zudem der eine oder andere Tourist mehr auf die Schiene wechsele, auch das erhofft man sich im Rathaus. Unterm Strich könnte die Innenstadt vom Straßenverkehr entlastet werden. Der symbolträchtige erste Spatenstich für den zusätzlichen Bahnhalt wird am 22. Juli gesetzt. Größere vorbereitende Arbeiten haben bereits begonnen. Die Signale stehen nach einigem Hin und Her auf Grün.

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