61 Prozent der Lehrstellen im Raum Stendal unbesetzt

Azubis in Stendal verzweifelt gesucht

Im Baugewerbe ist das Angebot an Lehrstellen höher als die Nachfrage.
+
Im Baugewerbe ist das Angebot an Lehrstellen höher als die Nachfrage.

Stendal – Bauboom trifft auf Nachwuchs-Mangel: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen im Landkreis Stendal vergeblich auf der Suche nach Lehrlingen.

Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin.

Danach blieben im Monat Juli 61 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 44 ausgeschriebenen Plätzen im gesamten Landkreis waren noch 27 zu vergeben. Bereits im vergangenen Jahr waren zum selben Zeitpunkt 59 Prozent aller Ausbildungsplätze im Bauhauptgewerbe unbesetzt.

Elke Bobles von der IG BAU Altmark-Börde-Harz spricht von einem „Alarmsignal“. Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. „Aber nur, wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen“, ist die Gewerkschafterin überzeugt.

In der laufenden Tarifrunde fordert die IG BAU deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrt zur und von der Baustelle als Arbeitszeit bezahlt werden. „Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten“, so Bobles.

Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote unter den Azubis wider. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende. (pm)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare