AZ-Interview mit Nobody Knows zum zweiten Lyrik-Album

„Klassiker wie Erlkönig sind wieder mit dabei“

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Stilecht in Anzug und Krawatte bereiten sich die Musiker von Nobody Knows auf ihre Lyrik-Konzerte vor.

Stendal. Nobody Knows veröffentlichen am 20. April ihr zweites Lyrik-Album. Die AZ hat im Vorfeld mit Max Heckel und Maxx Heinrichs über die Produktion von „Lyrik im Anzug“ gesprochen.

AZ: Was unterscheidet das erste Lyrik-Programm vom zweiten, jetzt aktuellen?

Max: Es ist ja nicht das erste und zweite Programm, sondern mittlerweile das sechste. Und wie sich die erste von der zweiten CD unterscheidet, ist relativ klar ausmachbar. Die erste CD ist einfach eine Arbeit von eineinhalb Wochen, die zweite ist über Monate entstanden. Das erste Programm hieß „Im Anzug“ und das zweite heißt jetzt „Lyrik im Anzug“. Das ganze gibt es jetzt als Doppel-CD. Ein Unterschied zwischen den Programmen ist aber nicht ausmachbar, einfach weil man aus jedem Programm etwas mitnimmt. Tandararei ist immer mit dabei, so wie Heidenröslein und Erlkönig. Außerdem ist der strenge chronologische Ablauf der Stücke durchbrochen, wir springen munter zwischen den Epochen hin und her.

AZ: Wie lange habt ihr an dem Album gearbeitet?

Maxx: Zwei Jahre. Mit Unterbrechungen natürlich, in Form von Festivals. Dann kam ja zwischendurch die Live-DVD raus.

AZ: Wie wählt ihr die Stücke aus, die dann letztendlich vertont werden?

Max: Jeder sagt, was er gern mag und vertonen möchte. Maxx: Eigentlich hat jeder Vorschläge machen können. Es ist immer eine schöne Zusammenarbeit zwischen uns beiden. Mir fehlt es meist an der Starter-Idee, der Melodie. Die kommt oft von Max. Und dann probiere ich das dann noch zu verändern, zu orchestrieren. Da entsteht eine Mischung unserer Ideen.

AZ: Wie lange habt ihr im Endeffekt aufgenommen?

Maxx: es waren drei Stöße à vier Wochen. Also drei Monate effektive Aufnahmezeit, auf zwei Jahre verteilt. Und dann kam das Mischen. Da kann man dann auch sagen: Wir sind mit dem Album gewachsen, von der Kompetenz, mit Sachen umzugehen, vom Können und vom Wissen. Als wir mit dem Album anfangen haben, hab ich eine Aufnahme-Software gekauft. Innerhalb der zwei Jahre ist der Umgang mit der Technik viel professioneller geworden. Wir haben alles selber gemacht. Bei mir zu Hause. Max: Wir haben mehrere tausend Euro in Technik investiert. Aber es ist immer noch billiger als in einem Studio.

AZ: Welche Vorteile hatte die eigene Aufnahme?

Maxx: Wenn man ein Studio-Album macht, dann hat man keine Zeit zum experimentieren. Aber wenn man das zu Hause macht, dann kann man es erstmal zur Seite legen und irgendwann kommt eine neue Idee. Dadurch entstehen viel komplexere, als unter Zeitdruck. Und das war eben das schöne an diesem Album. Max: Es ist aber auch so, dass der Arbeitsaufwand sehr einseitig war. Die Hauptlast an Aufnahmen hat Maxx gemacht, das Mischen, die Orchestrierung als Extra-Aufgabe und die Cover-Gestaltung. Und das finde ich gerade erwähnenswert.

AZ: Was können die Hörer auf „Lyrik im Anzug“ an Neuem entdecken?

Maxx: Ich habe in der letzten Zeit meine Liebe zu Schlager entdeckt. Aber nicht die neuartigen, sondern eher Marlene Dietrich und Alexandra. Zum Beispiel ist der Zigeunerjunge mit drauf. Die Klassiker wie Tandaradei, Heidenröslein und Erlkönig sind wieder mit drauf. Mit Absicht aber komplett anders mit Orchestrierung, damit sich das abhebt von den anderen.

AZ: Es gibt davon also jeweils zwei Versionen zu hören?

Maxx: Genau. Max: Aber: das, was auf der neuen CD zu hören ist, werden wir live nie abliefern. Das kannst du nur machen, wenn du ein 20-köpfiges Team hinter dir hast. Es kann sein, dass das die Leute stören wird.

AZ: Das Booklet ist dicker als sonst. 20 Seiten ungefähr. Warum?

Max: Wir haben bei Cover und Booklet wieder viel Wert auf Details gelegt. Maxx hat die Bilder bearbeitet. Da hat Michaela Herbst als Osterburger Künstlerin Bilder beigesteuert. Die Lieder sind sozusagen bildlich dargestellt. Und weil die Bilder fürs Booklet beschnitten werden mussten, kommt zur CD ein Postkartenset raus, wo sie komplett zu sehen sind.

AZ: Wie ist es zur Zusammenarbeit mit CAT-Stairs gekommen, die euch bei den beiden Auftritten am 20. und 22. April in Stendal unterstützen?

Max: Wir kennen die schon seit Jahren. Das war unsere erste Anschrift, die uns regelmäßig gebucht hat, vor sieben Jahren zum ersten Mal. Und jetzt kommen sie zu uns nach Stendal auf die Bühne. Mal sehen, wie es zusammen hinhaut.

AZ: Was ist euer persönliches Lieblings-Lied auf dem neuen Album?

Maxx: Tränen des Vaterlandes. Das ist ein Gedicht zum 30-jährigen Krieg. Das ist das erste Stück, was entstanden ist. Das hat mich gepackt. Max: Tandaradei. Das ist nämlich ein richtiger Sommerhit geworden, mit Trompete und Posaunen.

AZ: Was plant ihr für die Zukunft?

Maxx: Was ich mir wünsche ist, dass man das Lyrik-Programm irgendwann strukturierter aufzieht. Jetzt ist es so, wir haben das Folk-Programm und dann gibt es diese zwei Monate Lyrik-Programm. Ich würde gern mal ein Jahr machen, wo man mehr Lyrik macht. Dass man mal zwei drei Monate auf Lyrik-Tour geht. Max: Aber das Interesse an Lyrik muss eben noch wachsen. Auf diese Weise erreichen wir aber mittlerweile auch viele junge Leute. Wir zeigen, dass Lyrik was anderes ist, als die Interpretation in der Schule. Es gibt tausend langweilige Versionen von den Schlesischen Webern und dem Erlkönig, die deprimierend sind. Und es ist einfach Zeit, zu sagen, man kann auch eine neue Version machen, die freundlicher ist.

AZ: Vielen Dank!

(Interview: Bianca Lange)

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