Oberbürgermeister kommentiert im AZ-Interview den Wahlausgang und spricht über seine Visionen

AZ-Interview: Was kommt jetzt, Herr Schmotz?

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Wenn Stendal im Jahr 2022 tausend Jahre alt wird, will Oberbürgermeister Klaus Schmotz das Jubiläum mit dem Sachsen-Anhalt-Tag gekoppelt sehen und dafür demnächst eine Beschlussvorlage in den Stadtrat einbringen, sagte er gestern im AZ-Interview mit Redaktionsleiterin Ulrike Meineke.

Stendal. Er sei ein Arbeitstier, sagt Klaus Schmotz (CDU) über sich selbst. Nach seiner dritten Amtszeit, die er am 31. Juli antritt, sieht der alte und neue Oberbürgermeister Stendal als Stadt mit genügend existenzsichernden Arbeitsplätzen und tausenden Touristen jährlich.

Der Stadtumbau sei dann abgeschlossen, glaubt der 63-Jährige, und „wir haben die A 14“. Eine seiner Visionen ist die naturnahe Gestaltung des Bürgerparks. Und im Jahr 2022, zur 1000-Jahr-Feier, will Schmotz den Sachsen-Anhalt-Tag in die Rolandstadt holen.

Zwei Wochen nach seiner Wiederwahl sprach die AZ mit dem Oberbürgermeister über den Wahlausgang, seine Ziele und Visionen.

AZ-Interview

AZ: Zwei Wochen sind seit Ihrer Wiederwahl vergangen. Wie fühlen Sie sich?

Klaus Schmotz: Gut. Ich bin relativ schnell in den normalen Rhythmus zurück gekommen und kann mich um die Dinge kümmern, die umgesetzt werden müssen. Das sind ambitionierte Bauvorhaben, die die Innenstadt-Sanierung weiter voranbringen werden. Aber es gibt auch Vorhaben im privaten Bereich, die von der Stadt begleitet, unterstützt oder auch gefördert werden. An der Innenstadt-Gestaltung muss man nach wie vor konsequent arbeiten, das Ziel ist und bleibt, die Stadt attraktiv zu halten und attraktiver zu machen.

Sie haben im ersten Wahlgang 50,2 Prozent der Stimmen geholt und damit, wenn auch knapp, gewonnen. Die CDU bleibt stärkste Kraft im Stadtrat, auch wenn sie zwei Sitze eingebüßt hat. Glauben Sie, dass der Stendaler Wahlskandal von 2014, der ja offenbar zum Großteil auf das Konto eines Ihrer ehemaligen Parteifreunde geht, der CDU geschadet hat?

In gewisser Weise schon, weil die CDU durch die politischen Mitbewerber ein Jahr lang unter Generalverdacht gestellt wurde. Da ist bei manchem sicherlich etwas hängen geblieben. Eine ganze Partei unter einen Generalverdacht zu stellen, das finde ich auch heute nicht in Ordnung.

Stendal will offenbar keine Veränderung. Warum, glauben Sie, sind 68,5 Prozent der Wahlberechtigten nicht wählen gegangen?

Weil vielleicht 68,5 Prozent gesagt haben: Wir sind zufrieden und wollen keine Veränderung, die Stadt hat sich gut entwickelt.

Sie hatten mit dem Zugpferd der Linken, Katrin Kunert, und Reiner Instenberg (SPD) starke Konkurrenten. Wie sicher waren Sie, dass Sie das Rennen machen?

Sicher ist man vor einer Wahl nie. Ich kann nur auf das verweisen, was ich geleistet habe. Jeder hat Hoffnungen darauf, dass man die Wahl gewinnt, vielleicht auch in der Stichwahl. Es war klar, dass mit Katrin Kunert die hochkarätigste Mitbewerberin aufgestellt wird.

„Man hat das Recht auf die absolute Wahrheit nicht gepachtet“

Nach 14 Jahren treten Sie nun Ihre dritte Amtszeit an. Wird man nach so vielen Jahren nicht betriebsblind?

Manchmal schon. Da hilft aber ein Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern, vor allem auch mit jüngeren Leuten, ohne die Senioren zu vergessen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, auch durch die Verwaltung zu gehen und mit den Kollegen zu reden, da kriegt man viele Impulse. Man muss sich auch Kritik gefallen lassen, das verstehe ich unter kollegialem Führungsstil. Man hat das Recht auf die absolute Wahrheit nicht gepachtet und muss sich einmal am Tag hinterfragen oder hinterfragen lassen.

Die CDU hat besonders viele Sympathisanten in den Dörfern, in Buchholz holten die christdemokratischen Stadtratsbewerber 78 Prozent. Wie erklären Sie das?

Die Bevölkerung auf dem Land ist typischerweise eher konservativ. Die Landbevölkerung ist von der Bodenständigkeit und der eigenen Geschichte sowie durch die Folgen der deutschen Einheit an vielen Stellen betroffen und hat erkannt, dass es für die Bürger besser geworden ist. Dies ist in den Städten vielleicht anders, weil die Arbeitsbiografien durch den wirtschaftlichen Strukturwandel anders geprägt sind und es für manchen dort schwerer ist, Fuß zu fassen.

Sie sagten vor der Wahl gegenüber AZ, dass Sie als neuer Oberbürgermeister zunächst wichtige Bauvorhaben in der Stadt und den Ortsteilen anschieben wollen. Was sind für Sie diese „wichtigen Bauvorhaben“?

Wir müssen zum Beispiel das Feuerwehrgerätehaus in Borstel ertüchtigen, weil es nicht mehr leistungsfähig genug ist. Wir werden Sanierungsarbeiten in der Kita in Uenglingen beginnen. Sie ist schick, aber erneuerungsbedürftig – genauso wie die Grundschule in Börgitz. Ich nenne die Ortsteile bewusst zuerst, sie haben Stendal bereichert. In Stendal ist die Innenstadt wichtig: Der Kornmarkt jetzt, der Marktplatz danach, die Mühlenstraße 2016 und die Rohrstraße perspektivisch.

Sie sagten auch, dass das touristische Angebot einer Neuorientierung bedarf. Was meinen Sie damit?

Es gibt ja das Städte-Dreieck Arneburg-Stendal-Tangermünde. Auf fast allen Arbeitsebenen hat es eine lose vertragliche Grundlage gegeben, da haben wir klar das Augenmerk auf den Tourismus gelegt. Natürlich ist Tangermünde das Highlight, aber wir wollen durch diese Kooperation auch den Tourismus in Stendal mit dem Slogan Europäische Route der Backsteingotik, mit Winckelmann und in diesem Jahr auch mit Bismarck nach vorn bringen. Das greift schon jetzt, täglich halten ein bis zwei Busse mit Touristen auf dem Marktplatz. Dazu gehört auch, dass wir uns ein neues Tourismuskonzept stricken und weitere Potenziale erschließen.

Welche Potenziale sehen Sie da? 

Zum Beispiel den Bürgerpark. Er wurde der Stadt Stendal um das Jahr 1905 geschenkt und ist heute ein sich selbst überlassenes Waldstück. Mir schwebt vor, mittelfristig eine naturnahe Planung für dieses Areal am Stadtrand zwischen Stendal und Uenglingen aufzulegen.

Der Bürgerpark als Erholungsgebiet für Touristen?

Ja. Naturnah heißt: keine gepflasterten Wege und nicht unbedingt Springbrunnen oder Ähnliches. Wir wollen uns darauf konzentrieren, was die Natur uns bietet. Auch für Jogger und Spaziergänger und damit für die Stendaler.

„Ich halte an der Vision einer eigenständigen Hochschule fest“

Wo sehen Sie Stendal in sieben Jahren, zum Ende Ihrer dritten Amtszeit?

Da sehe ich Stendal als gut entwickeltes Mittelzentrum und nach wie vor als größte Stadt im Norden Sachsen-Anhalts. Ich sehe den Stadtumbau-Prozess abgeschlossen und wir haben eine A 14, einen Bahn-Haltepunkt an der Hochschule. Die Hochschule ist Kern der Bildungslandschaft und ich halte noch ein bisschen an der Vision einer eigenständigen Hochschule fest. Die Einwohnerzahl ist konstant, es gibt ausreichend existenzsichernde Arbeitsplätze. Und Stendal ist von vielen tausend Touristen jährlich besucht und begeht die 1000-Jahr-Feier mit dem Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Sachsen-Anhalt-Tages.

Dann wird es nach 1997 den zweiten Sachsen-Anhalt-Tag in Stendal im Jahr 2022 geben? 

Wenn sich der neue Stadtrat konstituiert hat und die Ausschüsse arbeitsfähig sind, werde ich dem Stadtrat eine Beschlussvorlage vorlegen, die die Bewerbung um den Sachsen-Anhalt-Tag im Jahr 2022 vorsieht – mit inhaltlichen Vorstellungen und Finanzierungsideen. Wir sollten ab 2016 jedes Jahr 20 000 bis 30 000 Euro für den Sachsen-Anhalt-Tag zurücklegen.

Noch eine abschließende Frage: Wie motivieren Sie sich eigentlich, jeden Morgen ins Büro zu gehen?

Ich bin ein Arbeitstier und freue mich auf jede neue Woche. Heute zum Beispiel bekomme ich noch Besuch von Schülern aus dem Winckelmann-Gymnasium. Es ist gut, auch für junge Menschen etwas zu tun. Bei meiner Arbeit begegnen mir ständig neue Dinge – schöne und weniger schöne.

Von Ulrike Meineke

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