Schwitzen mit dem Baby vorm Bauch: Junge Altmärkerinnen trainieren trendgerecht

Ausfallschritt nach Kopf-Kuss-Regel

Stärken in der Gruppe: Ganz spezielle Muskelschichten im Beckenboden, der durch Schwangerschaft und Geburt strapaziert ist, spannen die frischgebackenen Mütter auf Kommando an.

Ziegenhagen. „Beweg die müden Glieder“, verlangt der Kinderchor im Rolf-Zuckowski-Hit, als Martina Moll an diesem Mittwochvormittag im Spiegelsaal der Ziegenhagener Trimmdich-Zone zehn junge Altmärkerinnen für das ziemlich trendige Mutter-Kind-Turnen „Kanga-Training“ begeistert.

Die 27-Jährige aus Petersmark bietet damit eine Premiere, die sie nach eigenen Angaben als einzige in der Altmark anbietet.

Doch müde Glieder täuschen die frischgebackenen Mütter aus Stendal und Osterburg nun wirklich nicht vor. Und sie haben auch kein Ohr für den Kinderhit, dessen zentrale Botschaft sich klar an Väter richtet. „Papi, wach auf“, dröhnt es also aus dem Ghettoblaster, was ein leicht schiefes Bild gibt, denn hier tobt das pralle Leben.

Wo nämlich Kleinstkinder aus dicken Thermooveralls gepellt werden, um sie in Tücher und Tragegestelle zu schnallen, da krakeelt und brüllt es wie am Spieß. Denn Mutters Sport-Idee bringt die Jüngsten erstmal heftig aus der Ruhe, aber davon haben Jakob, elf  Wochen, und seine Altersgenossen dann gleich doch noch genug. „Fünf, sechs, sieben, acht“, drückt die Kanga-Trainerin wie beim Aerobic aufs Tempo und den Sound dazu liefern nun flott die Vengaboys mit „We’re going to Ibiza“. In Dreierreihen und mit ihrem ganzen Stolz vor dem Bauch absolvieren die Jungmütter konzentriert die von Moll vorgeturnten Schrittfolgen. Da wippt die Zukunft in Tüchern und Tragen, da lächeln die Jüngsten, während ihre Mütter nach Luft schnappen. „So, das Ganze nochmal von vorn“, fordert die Trainerin nach der Trinkpause. Aber: Es herrscht friedliche Babyschlummerruhe.

Bevor die Petersmarkerin ihre Kurs-Mütter auf den Trainingsboden schickt, legt sie ihnen als Erstes die Kopf-Kuss-Regel ans Herz. Ihre Töchter und Söhne darf sich die Rückbildungsgymnastik-Gemeinde auf keinen Fall irgendwie vor den Bauch binden. Anhock-Spreizhaltung lautet die Devise, Babys Nacken muss gestützt sein und seine Kilos wirken wie Fitnesshanteln, weshalb bei diesem Mutter-Kind-Sport beide Seiten profitieren.

„Das ist wirklich super, ich komme auf jeden Fall wieder“, erklärt Jennifer Braun der AZ am Rande ihrer Trainingsmatte. Die 33-Jährige aus Osterburg will unbedingt weitermachen und mit Söhnchen Jakob nach der Schnupperstunde den Acht-Wochen-Kurs bei Martina Moll buchen. Die rund zehn Kilometer Anfahrt nimmt Braun dabei genauso in Kauf, wie die rund 15 Kilometer lange Strecke, die Stendaler Teilnehmerinnen für den Kurs zurücklegen.

Mit Schweißperlen im Gesicht gruppieren sich die jungen Mütter als Letztes in Reih und Glied. Ihre Trainerin hat das Kommando an ein quietschgrünes Plüschmonster abgegeben. Es gilt, in sehr plastischer Form etwas Stärkendes für den durch Schwangerschaft und Geburt strapazierten Beckenboden zu tun. Und immer wenn das Plüschtier seinen Schlund aufreißt, spannen Molls Mädels spezielle Muskelschichten an und lassen kollektiv locker. „Herzlichen Glückwunsch, geschafft“, ruft die Trainerin. Aber der nächste Ausfallschritt ruft auch – nächste Woche schon.

Von Antje Mahrhold

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