Landkreis Stendal rüstet sich und bildet Experten aus

ASP-Ernstfall geprobt

Für die Übung ist der Ernstfall eingetreten: Ein verendetes Wildschwein wurde gefunden. Für den Kadavertransport werden Maisstärkebeutel benutzt.
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Für die Übung ist der Ernstfall eingetreten: Ein verendetes Wildschwein wurde gefunden. Für den Kadavertransport werden Maisstärkebeutel benutzt.

Stendal – Vorbereitend auf einen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) hat der Landkreis Stendal in seiner Zuständigkeit für die Tierseuchenbekämpfung am Mittwoch eine Feldübung organisiert.

Mit einem Tupfer wird die Blutprobe entnommen.

48 Mitarbeiter aus mehreren Ämtern probten in einem Übungsszenario den Ablauf der Bergung und Probenentnahme bei einem Fund eines möglicherweise durch Seuche verendetet Stückes Schwarzwild. Veterinäramt, Gesundheitsamt, Katastrophenschutz, Untere Jagdbehörde und Kreisstraßenmeisterei arbeiten im Fall einer Seuche zusammen und werden durch Sebastian Stoll (Dezernat 2) koordiniert. Tritt der Fall ein, seien nach heutigem Stand aus Erkenntnissen der Übung innerhalb von elf Stunden alle Strukturen im Landkreis aktiviert, heißt es in einer Pressemitteilung.

Beim Anziehen und Ausziehen der Schutzkleidung sind Vorgaben zu beachten.

Federführend leitete das Veterinäramt den fiktiven Einsatz. Das Szenario: Ein totes Wildschwein wird in einem Wald bei Brunkau aufgefunden. Die Kreisstraßenmeisterei nahm vollzählig mit 32 Personen an der Übung teil. Aufgabe der Kreisstraßenmeisterei im Ernstfall sei es, definierte Restriktionszonen großräumig mit Zäunen abzusperren, totes Wild zu bergen und nach der Probenentnahmen die Kadaver in die Entsorgung zu bringen. Kerstin Brune und Rainer Irsig, Tiermediziner des Veterinäramtes, stellten die Arbeitsmittel vor und demonstrierten die Anwendung. Schritt für Schritt erlernten die Teilnehmer, dem Tierkörper eine Tupferprobe zu entnehmen und das Material fachgerecht sicherzustellen.

Wesentlicher Bestandteil der Übung sei es gewesen, die Arbeiten so auszuführen, dass keine Erreger verschleppt werden. Hygienische Maßnahmen hätten oberste Priorität. Schutzbekleidung, Labormaterialien, Bergungsmittel und Bewegungsabläufe testeten die Mitarbeiter während der vierstündigen Übung. Trainiert wurde mit Material verschiedener Hersteller. Nach diesem Testlauf entscheidet das zuständige Dezernat 2 über die zu beschaffenen Arbeitsmittel.

Ziel nach einem Fund sei es zudem, die verendeten Tiere so schnell wie möglich aus dem Gebiet zu entfernen, um eine Weiterverbreitung des Erregers zu verhindern. Hierfür würden Sammelstellen eingerichtet, in denen die Tiere für die Entsorgung in Containern verbracht werden. Die Laboruntersuchungen könnten im Friedrich-Löffler-Institut auf der Insel Riems oder im Landesamt für Verbraucherschutz in Stendal vorgenommen werden. Zudem würden die Georeferenzdaten des Fundortes erhoben und in eine nationale Datenbank übertragen. Alle relevanten Informationen zu der Seuche fließen in das Tierseuchennachrichten-System (TSN). Im Seuchenfall aktualisiert das Veterinäramt fortlaufend die Daten und berichtet an das Landesverwaltungsamt. Grundlegend arbeitet der Landkreis nach den rechtlichen Vorgaben der EU und Deutschlands sowie nach dem Tilgungsplan zur Bekämpfung der ASP des Landes Sachsen-Anhalt.

Gemäß der aktuellen Risikoeinschätzung des Friedrich-Löffler-Institutes wird das Risiko des Eintrages der ASP nach Deutschland durch menschliches Handeln als hoch eingeschätzt. Ein solcher Eintrag kann neben der illegalen Verbringung auch durch Erzeugnisse aus Schweinefleisch von infizierten Tieren erfolgen, etwa entlang des Fernstraßennetzes durch Fahrzeuge oder Personen. Durch das Auftreten der Tierseuche im Westen Polens ist mittlerweile aber auch das Risiko der Einschleppung durch infizierte Wildschweine deutlich gestiegen.

Der Landkreis plant zeitnah Gesprächsangebote. Weitere Beteiligte, die bei einem ASP-Ausbruch einbezogen werden müssen, erhalten dazu Informationen.  pm

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