5000 Jahre alte Grabstelle / Ehemaliger Pfahlbau der Kugelamphorenkultur

Archäologische Grabung bei Insel: A14 bringt Erstaunliches zutage

Eine in einem steinzeitlichen Grab gefunden Kugelamphore.
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Mehrere der namensgebenden Kugelamphoren liegen noch in der Grabstelle.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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An der B 188 zwischen Insel und Döbbelin haben Archäologen bei den Voruntersuchungen zum A 14 Bau „eine kleine Sensation“ gefunden. Die Bauarbeiten soll diese jedoch nicht verzögern, heißt es vor Ort. 

Insel – „Eine kleine Sensation“ nennt es Dr. Susanne Friederich, Abteilungsleiterin Bodendenkmalpflege des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, was 60 Mitarbeiter zwischen Insel und Döbbelin entdeckt haben. Nur wenige Meter vom Feldweg entfernt, befinden sich mehrere Grabstellen, die von den Fachleuten der sogenannten Kugelamphorenkultur zugeordnet werden. Eine davon befindet sich innerhalb dessen, was früher mal ein Pfahlhaus gewesen sein muss. Ob es sich um eine Art Totenhaus handelte, könne nur gemutmaßt werden.

Abteilungsleiterin Dr. Susanne Friederich und Grabungsleiterin Mariola Raczkowska-Jones feiern einen kleinen Sensationsfund zwischen Insel und Döbbelin.

Das sei insofern erstaunlich, da es bisher nur wenige Hinweise auf feste Siedlungen gegeben habe. Einige Brunnen, auch kurzfristige Bauten seien gefunden worden. Aber handfeste Beweise für eine Sesshaftigkeit dieser Kultur, die sich vor rund 5000 Jahren aus dem heutigen Polen ausbreitete und unter anderem in der Altmark auf die von Norden kommende Trichterbecherkultur traf, gab es bisher kaum. Fest stehe, dass die Steinzeitkultur Rinder und Schweine gehalten hat und sich entlang von Flüssen bewegt hat. Außerdem hat sie ihre Gräber immer erhöht angelegt. Beides trifft auf den Fundort an der B 188 nur eingeschränkt zu. „Die Uchte ist ziemlich weit weg“, gibt Friederich zu bedenken.

Im Mergelboden ist ein Schädel eines der Beerdigten erhalten geblieben.

Aber auch aus anderen Gründen ist der Fund bemerkenswert. In dem Grab, das sich innerhalb des Gebäudes befand, findet sich auch etwas, was für die Region sonst ungewöhnlich sei. Neben mehreren Amphoren und Vasen sind auch ein Unterschenkelknochen und ein Schädel zu erkennen. In der Region gebe es viele Funde in kalkhaltigem Sandboden, Knochen blieben da nach tausenden von Jahren selten zurück. Insofern sei der sogenannte Mergelboden ein Glücksfall. Weitere Leichenteile gebe es nicht. Möglicherweise seien sie zu kultischen Zwecken entnommen worden. Aber auch Grabraub sei möglich.

Die Menge der gefundenen Kugelamphoren weist darauf hin, dass mehr als eine Person bestattet wurde. Für gewöhnlich gebe es für jeden Verstorbenen eine Amphore, erklärt Grabungsleiterin Mariola Raczkowska-Jones. In der Grabstelle befinden sich vier Amphoren, aber nur ein Schädel. Nach dem Ersteindruck könnte es sich um den eines jungen Mannes gehandelt haben.

Rätselhaftes Steinbeil: Die Einkerbung könnte Absicht oder ein Fehlversuch gewesen sein.

Dafür spreche auch, dass mehrere Steinbeile entdeckt wurden. Eines davon lässt verschiedene Interpretationen zu, wie Dr. Friederich erklärt. Im Gegensatz zu den sonst recht graden Beilen hat es eine runde Kerbe an der Seite. Teile des Teams vermuten, das es sich um einen Fehlversuch handeln könnte. Andere wiederum halten es für möglich, dass es Absicht war und versucht wurde, eine weitere Griffmöglichkeit zu schaffen.

Eine Verzögerung für den Autobahnbau bedeuteten die Arbeiten nicht. Diese sollten bis die Fahrzeuge anrollen, beendet sein.

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