Bereits 70 Urnen gefunden / Spätbronzezeitliches Gräberfeld

Archäologische Grabung bei Insel: 200 bis 250 Gräber vermutet

Gebietsreferent Martin Planert sucht einige der zerbrochenen Fundstücke zusammen.
+
Gebietsreferent Martin Planert sucht einige der zerbrochenen Fundstücke zusammen.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
    schließen

Dass etwas gefunden wird, war schon bei der Voruntersuchung klar. Mittlerweile sind bei archäologischen Untersuchungen schon 70 Urnen aus der späten Bronzezeit bei Insel gefunden worden.

Insel – An mehreren Stellen im Landkreis wird gegraben. Nicht nur für den Bau der A 14 direkt, sondern auch in Vorbereitung darauf auf der Suche nach Schätzen, die im Boden verborgen sind. Eine dieser Stellen liegt zwischen Insel und Möringen, an der bisher rund 70 spätbronzezeitliche Urnen gefunden wurden. Es werden jedoch insgesamt 200 bis 250 Urnen in dem Bereich vermutet.

1,2 Hektar ist das Gebiet groß, das seit dem 22. Juni untersucht wird. Dass das Team fündig werden würde, habe schon vorher festgestanden, erklärt Martin Planert, Gebietsreferent des Landesamts für Denkmalpflege und Archäologie. Das hätte eine Voruntersuchung Ende 2020 schon gezeigt. Jetzt will der Anlieger, ein Bauunternehmer für den Autobahnbau, kiesigen Sand an der Stelle fördern – eine archäologiesche Untersuchung ist also Pflicht.

3000 Jahre alt aber fast unbeschädigt: Während viele Grabstellen von Wasser und Pflügen zerstört wurden, sind manche nach Jahrtausenden noch gut erhalten.

Viele der Fundstücke sind in einem schlechten Zustand. Die Grabstellen liegen nicht sonderlich tief – häufig haben Pflüge bereits den oberen Teil der Gefäße zerstört, sodass nur noch deren Boden im Erdreich zu finden ist. Andere sind jedoch tiefer vergraben gewesen, besser erhalten oder sogar nahezu völlig intakt. In diesen findet sich auch noch der vor rund 3000 Jahren eingefüllte Leichenbrand. Grabbeigaben seien für diese Zeit eher ungewöhnlich, aber nicht ausgeschlossen. So ist außer einer bronzenen Pinzette bisher nichts gefunden worden, was für den Laien „Bronzezeit“ schreit. Alles in allem passen die bisherigen Puzzlestücke jedoch zur sogenannten „Lausitzer Kultur“, die zu dieser Zeit in der Region vorherrschend war.

Grabungsleiter Nikita Sirman präsentiert einen fast unbeschädigten Topf und eine bronzene Pinzette.

Eine der am besten erhaltenen Grabstellen scheint vom Lauf der Jahrtausende fast unberührt: „Da schlug mir das Herz höher“, sagt Grabungsleiter Niktia Sirman. Neben der Urne selbst sind noch mehrere kleine Krüge und ein Becher daneben erhalten – allesamt fast unbeschädigt. Eine vermutlich bereits vor der Bestattung zerbrochene Schale dient als Abdeckung. Ebenfalls noch gut zu erkennen sind die Steine, die quasi wie ein rudimentäres Fundament als Einfassung und zur Stabilisierung für die Grabstelle dienten. Verwendet wurden nach der Feuerbestattung keine eigens gefertigten Töpfe, sondern die, die bereits vorhanden waren, erklärt Planert. Jedoch seien dabei häufig fein gearbeitete Stücke verwendet worden, wie sich an einer anderen Stelle des Untersuchungsgebiets besonders deutlich zeigt. Unmittelbar neben der heutigen Straße sind die Archäologen auf einige Abfallgruben gestoßen, die zwischen dem Gräberfeld und einer weiter westlich vermuteten ehemaligen Siedlung lagen. In diesen liegen unter anderem Knochen von Nutztieren, überwiegend Schwein und Rind, aber auch von gejagtem Wild und sonstigen Abfällen, die in einer spätbronzezeitlichen Siedlung anfallen. Unter anderem auch große Mengen Tonscherben unterschiedlichster Qualität. Während andere Fundstücke für den besseren und sicheren Transport eingegipst werden, ist die Vorgehensweise mit diesen etwas einfacher: Sie werden in beschrifteten Plastikbeuteln bis zur weiteren Untersuchung aufbewahrt. Diese findet im Lager in Möhringen statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare