Turnerinnen-Relief durch Sanierung womöglich in Gefahr / Hingucker soll nicht wie Zielasko-Gedenkstein verschwinden

Anwohner um Akrobatinnen besorgt

Spagat, Flickflack und Pirouette: Mitte der Achtziger Jahre ist das Kunstwerk an der Lindenstraße entstanden. Nun wird die Sporthalle modernisiert, das Relief könnte verschwinden.
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Spagat, Flickflack und Pirouette: Mitte der Achtziger Jahre ist das Kunstwerk an der Lindenstraße entstanden. Nun wird die Sporthalle modernisiert, das Relief könnte verschwinden.
  • Antje Mahrhold
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Iden. . „Hoffentlich geht das Kunstwerk durch die Sanierung nicht verloren“, sorgt sich Burkhard Moser um die Zukunft einer Idener Besonderheit.

Denn das äußerst gelenkige, aber trotzdem so gar nicht flachbrüstige Turnerinnen-Quartett an der Seitenfront der Sporthalle ist für den Wischedorf-Bewohner wie für viele seiner Nachbarn noch immer eine echte Augenweide. Dass die üppige Ausgestaltung des Brustbereichs aller vier dargestellten Akrobatinnen schon bei der Herstellung Mitte der Achtziger Jahre ein großes Thema war im Ort, lässt Moser auch Jahrzehnte danach noch schmunzeln.

Denn schließlich sei den Initiatoren, zu denen auch Mosers Ehefrau gezählt habe, die Lehrerin in der zur Turnhalle zählenden Polytechnischen Oberschule (POS) war, sehr bewusst gewesen, dass Sportlerinnen, die derart diszipliniert mit Spagat, Flickflack und Standpirouette glänzen, erfahrungsgemäß eher selten über so weiblich geformte Oberkörper verfügen. Dennoch seien die Macher in einer Schlosserei im Wischeort seinerzeit aber nicht davon abzubringen gewesen sein, für ansprechende Rundungen sorgen, indem der verzinkte Stahl entsprechend geformt wurde. „Das ist doch ein schöner Anblick“, blickt Moser erfreut nach oben.

Doch die Sorge um dieses Stück Idener Wand-Kunst durch den Mitstreiter im Oldtimerstammtisch Calberwisch und somit erklärten Kämpfer für den Erhalt von Historie erscheint nicht unbegründet. Schließlich ist im Umfeld der gelenkigen Vier in der jüngeren Vergangenheit so einiges von der Bildfläche verschwunden. Zuletzt war gleich nebenan im September 2015 ein Abrissbagger angerückt, um die bereits 2004 geschlossene Sekundarschule dem Erdboden gleich zu machen. Diese Lehrstätte trug bis 1989/1990 den Namen des Widerstandskämpfers Franz Zielasko, der 1896 im Idener Ortsteil Busch geboren wurde. An das bewegte Leben des im westfälischen Gladbeck 1943 ermordeten Kommunisten erinnert noch immer eine Tafel am Geburtshaus. Ebenso gibt es im Pflaster vor Zielaskos letztem Wohnhaus in Gladbeck einen Stolperstein, der an das Wirken der „Gruppe Zielasko“ erinnert, der von der Gestapo als „sowjetrussischer Fallschirm-Agent“ bezeichnet wurde. Erst ein Jahr vor der politischen Wende hatten die Idener neben ihrer Sporthalle einen Gedenkstein für Zielasko enthüllt. Er ist kurze Zeit später aber wieder verschwunden, erinnert Moser. Und hofft, dass Idens Sportlerinnen-Quartett ein solches Schicksal erspart bleibt. „Schade wäre es.“

Von Antje Mahrhold

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