Zusendung von anonymen Kollegen

Antisemitismus-Hinweise: Vorwürfe gegen Stendals Polizei-Chef

  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Stendal – Die Vorwürfe gegen Andreas Krautwald, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Stendal, sind schwerwiegend: Mutmaßliche Polizisten haben sich anonym an die Medien, den Ministerpräsidenten, den Innenminister, den Zentralrat der Juden und verschiedene Landtagsabgeordnete gewandt.

Nicht nur soll Krautwald, der zur betreffenden Zeit Hundertschaftsführer war, von antisemitischen Beleidigungen gegenüber dem ehemaligen Kantinenbetreiber der Landesbereitschaftspolizei gewusst haben (AZ berichtete) – er soll sich auch selbst abfällig geäußert haben.

„Ich werde Aufklärung verlangen“, kündigte Rüdiger Erben (SPD), Mitglied des Landtags. im AZ-Gespräch an. Als die Antisemitismus-Vorwürfe von Beamten der Landespolizei im Oktober bekannt wurden, habe es einen Untersuchungsausschuss gegeben. Dort seien die Vorwürfe bestätigt worden, die höheren Vorgesetzten hätten davon jedoch nichts gewusst. „Das wurde auch so im Innenausschuss vorgetragen“, berichtet SPD-Politiker Erben.

Die anonymen Zusender berichten allerdings davon, dass die antisemitischen Äußerungen bereits in der Zeit von 2001 bis 2003 geläufig gewesen seien und Krautwald gemeldet worden seien.

„Wenn das Innenministerium das aufklären will, kann man jetzt gezielt auf Personen zugehen“, so Erben. Interessant seien auch die Vorwürfe der Zusender, dass aufgrund von Umbesetzungen trotz des antisemitischen Anschlags in Halle im Zuge eines 2019 beginnenden Personalentwicklungskonzeptes der Bereich des Polizeilichen Staatsschutzes in Stendal fachlich geschwächt worden sei. Davon habe er, Erben, noch nicht gehört. Dieser Aspekt sei jedoch ebenso interessant wie die Frage, wer wann von den antisemitischen Äußerungen wusste.

Die Stendaler PI hat für eine Stellungnahme auf das Ministerium für Inneres des Landes Sachsen-Anhalt verwiesen. Dessen Antwort erfolgte heute am späten Nachmittag: Die Vorwürfe gegen den Leiter der PI seien dem Ministerium bekannt geworden. Der Beamte sei heute zu den Vorwürfen gehört und aufgefordert worden, kurfristig Stellung zu nehmen. Die Leiterin der Sonderkommission Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit habe Kenntnis. Eine Bewertung des Schreibens solle erfolgen, sobald sich der betroffene Beamte geäußert hat. Der Zentralrat der Juden in Deutschland bestätigte, das Schreiben ebenfalls erhalten zu haben. Allerdings wolle er sich nicht öffentlich äußern, wie eine Sprecherin aus Berlin auf AZ-Anfrage erklärte.

Rubriklistenbild: © Archivfoto: Benecke

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