Ärger mit Lärm in Stendal

Anlieger eines künftigen Baugebiets suchen Antworten: „Fühlen uns im Stich gelassen“

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„Die Stadt will still und heimlich Tatsachen schaffen“, glauben die Anlieger Petra Ebner und Lutz Telge.

Stendal – Wo sich einst Gärten in sattem Grün aneinanderreihten, stehen Anwohner heute vor einer kahlen, mit Sandhaufen aufgeschütteten Fläche. Ein Stendaler Bauunternehmer will hier, in Stendals Norden, ein Neubaugebiet errichten.

Unter dem Namen „Zum Sonnenblick“ sollen auf einer Fläche von 1,38 Hektar etwa 15 Eigenheime aus dem Boden schießen.

Doch Anwohner wie Lutz Telge aus der Thüringer Straße und Petra Ebner, die seit vielen Jahren in der Langobardenstraße lebt, sind über die Umstände alles andere als glücklich.

„Wir haben nichts gegen den Standort des Eigenheimkomplexes“, macht Telge gleich zu Beginn des AZ-Gesprächs klar. Vielmehr gehe es ihm und vielen anderen Anwohnern darum, dass die Erschließung des Baugebietes über die beiden, ohnehin schon maroden Straßen erfolgt, in denen sie zu Hause sind.

„Die Thüringer Straße wurde damals als Sackgasse gebaut“, führt Telge aus – übrigens auf Kosten der Anlieger. „Die Lärmbelastung ist jetzt schon enorm“, klagt Isolde Seidel, Bewohnerin der Langobardenstraße. Ehemann Helmut fügt hinzu: „Als neulich die Sand-Transporter anrückten, konnte man bei uns die Tassen tanzen sehen.“

Über die Langobarden- und die Thüringer Straße ist das künftige Neubaugebiet derzeit zu erreichen.

Von den Verantwortlichen der Stadt fühlen sich die Anlieger alleingelassen. „Im Vorfeld hat uns niemand über das geplante Neubaugebiet informiert. Durch Zufall haben wir davon Wind bekommen“, berichtet Gabriela Rauschenbach, ebenfalls wohnhaft in der Thüringer Straße. Und es gibt noch viele offene Fragen: Warum wurde etwa die Fläche von der Stadt als Bauland verkauft, obwohl es sich dabei vorher um eine Grünfläche handelte und entstehen durch die Erschließung des Baugebiets Kosten für die Menschen in der Thüringer Straße und der Langobardenstraße?

Telge berichtet, dass er gemeinsam mit anderen Anwohnern das Gespräch mit der Stadtverwaltung und dem Stadtratsvorsitzenden Thomas Weise gesucht habe. „Aber wir sind noch immer kein Stück schlauer“, ärgert sich Telge. Termine seien abgesagt worden, Briefe nicht beantwortet. „Wir haben das Gefühl, dass die Stadt hier still und heimlich Tatsachen schaffen möchte“, vermutet Telge.

Auf AZ-Anfrage hat die Stadt nun zu einigen Punkten Stellung bezogen. Dass bei der Realisierung des Neubaugebiets die Bestandsstraßen Thüringer Straße und Langobardenstraße einbezogen werden, sei gängige Praxis, heißt es aus dem Büro des Oberbürgermeisters. Über eine Erschließungsstraße sollen beide Straßen im Baugebiet miteinander verbunden werden. „Die Straßenausbauplanung und deren Realisierung werden von den neuen Anwohnern über den zu entrichtenden Grundstückspreis finanziert“, erklärt Pressesprecher Philipp Krüger.

Der Bauträger habe sich um eben dieses Grundstück beworben, das neben vielen weiteren Grundstücken im Baukataster der Hansestadt Stendal als Baulücke dargestellt ist, so Krüger. Rechtlich sei die Fläche als Bauerwartungsland eingestuft, das heißt, dass eine Bebauung möglich ist, wenn das entsprechende Baurecht geschaffen werde. Und genau das hat der Stadtrat mit seinem Beschluss vom 3. September 2018 getan.

Über Lärm- und Straßenbelastungen durch anrollende Baufahrzeuge müssen sich die Anwohner – zumindest aus Sicht der Verwaltung – künftig keine Gedanken mehr machen: Denn während der Bauphase soll die Erschließung des Gebietes über eine eigene Baustraße am anliegenden Bahngelände erfolgen, erklärt der Sprecher.

VON CHARLOTTA SPÖRING

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