Magdeburg kämpft für die Altmark gegen Baumfresser – mit Kahlschlag

Angriff des Asien-Käfers: Noch hält die Quarantäne

+
Befall und Motorsäge: Der eingeschleppte Laubholzbockkäfer ist vor Magdeburg bereits vor allem in Bornheim, Nordrhein-Westfalen, und im Landkreis Ebersberg bei München aufgetreten.

Stendal . Er misst auffällige dreieinhalb Zentimeter und mehr, die Fühler sind mindestens noch einmal so lang, und sein Zuhause ist eigentlich Asien. Der Laubholzbockkäfer bringt derzeit 1300 Bäume in Magdeburg zum Fallen und könnte auch altmärkische Bestände bedrohen.

Um ein weiteres Ausbreiten des eingeschleppten Schädlings zu verhindern, muss in der Landeshauptstadt nämlich die Motorsäge heulen. „Wir haben bislang keinen Hinweis auf einen Befall außerhalb der Quarantänezone“, sagt Dr. Ursel Sperling, Mitarbeiterin der Landesanstalt für Landwirtschaft und Gartenbau in Bernburg. 2014 hat es in Magdeburg den ersten Befall gegeben. Die Dezernatsleiterin für Pflanzenschutz gegenüber der AZ vorsichtig optimistisch: „Wir sind derzeit guter Hoffnung, dass er gestoppt werden kann. “ Dass die Altmark damit ganz außer Gefahr ist, möchte sie allerdings auch nicht unterschreiben müssen.

In den Wäldern der Altmark dominieren die Kiefer und andere Nadelbäume, Laubbäume sind seltener zu finden. Dennoch sind die zuständigen Stellen im Landkreis Stendal sensibilisiert, wie Nachfragen bei Stadt und Landkreis Stendal ergeben. Der Laubholzbockkäfer könnte nicht zuletzt die Stadtbäume bedrohen. Der Käfer befällt gesunde Bäume und kann diese bei starkem Auftreten zum Absterben bringen. „Die Larve ist eine Raupe Nimmersatt“, weiß Dr. Sperling. Im Allgemeinen gilt der Käfer als eher träge. Starten „Pionierkäfer“ zum nächsten Baum, können schon einmal eineinhalb Kilometer zurückgelegt werden. Von Magdeburg in die Altmark sind es ungefähr 40 Kilometer. Der Eindringling labt sich gern an Ahorn, Rosskastanie, Pappel, Birke, Weide, Platane, Buche, Esche und Erle.

Der Käfer muss nicht fliegen, er könnte auch als Larve quasi huckepack im Holz ins nördliche Sachsen-Anhalt gelangen. „In Magdeburg ist die Art vermutlich durch puren Zufall gelandet. Wahrscheinlich steckte sie in Verpackungsholz aus Taiwan und China und kam mit Steinlieferungen in den Hafen“, so Dr. Sperling. Der Käfer darf in Deutschland nicht mit Insektenschutzmitteln bekämpft werden und hat einen recht überschaubaren Kreis natürlicher Feinde, Specht und Schlupfwespe etwa. Larven, Ausbohrlöcher, Eiablagen: Es gilt eine Allgemeinverfügung zur Bekämpfung. Das aktuelle Quarantänegebiet umfasst nicht allein den Hafen Rothensee und Umgebung, sondern auch Flächen auf ostelbischer Seite, darunter wertvolle Bestände in den Auen. Kleine Teile des Jerichower Landes und des Landkreises Börde sind ebenfalls betroffen. Die Holzfällungen können noch zwei, drei Wochen andauern. Es kann zu Sperrungen des Elberadweges kommen. Die beliebte Piste für Radwanderer führt nach Norden in die Ostaltmark.

Von Marco Hertzfeld

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare