Sprachkurs bleibt großgeschrieben

Analphabeten unter den Migranten lernen in Stendaler Kreisvolkshochschule

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Integrationskurse für Migranten werden bundesweit angeboten.

Stendal – Diese Bildungsstätte bietet sowohl Kurse für Kalligrafie, für schönes Schreiben, als auch Integrationskurse an. Zwischen beiden liegen Welten.

Wer einen Integrationskurs für Migranten bei der Kreisvolkshochschule (KVHS) Stendal besucht, will und soll erst einmal schreiben und lesen lernen.

Hinzu kommt: Die Teilnehmer können das noch nicht einmal richtig in ihrer eigenen Muttersprache. Integrationskurse bei der KVHS dienen der Alphabetisierung. Im Klartext heißt das: Viele dieser Frauen und Männer sind mehr oder weniger Analphabeten, aus unterschiedlichen Gründen. Dass es dieses Angebot erst einmal weiter geben wird, davon geht Leiterin Sabine Krüger fest aus. „Der Bedarf ist einfach da und wir helfen.“

Sie könne sich sehr gut in ihre Schützlinge hineinversetzen, die nicht zuletzt aus Syrien, Afghanistan und anderen Krisenherden dieser Welt stammen. Ab 2015 kamen besonders viele Menschen nach Deutschland, Tausende suchten im Landkreis Stendal Sicherheit und Auskommen. „In einem fremden Land will man früher oder später auch verstanden werden. Ganz simple Dinge werden wichtig, wenn es zum Beispiel darum geht, beim Einkaufen statt der normalen Milch lieber die Sojamilch in den Korb zu packen.“ Auch beim Arzt, bei den Behörden und in vielen wichtigen Lebenslagen, komme es schnell auf die Sprache an. So mancher Flüchtling werde für länger in der Altmark bleiben, die Erwachsenenbildung umfasst eine zusätzliche Herausforderung.

„Natürlich hoffen diese Menschen auch auf eine Ausbildung und Arbeit, ohne richtiges Schreiben und Lesen geht da nicht viel“, sagt die KVHS-Chefin im Gespräch mit der AZ. Mindestens 200 Leute saßen und sitzen mit der Flüchtlingskrise 2015 an einer Schulbank der KVHS. Für Flüchtlinge, die mindestens in ihrer Muttersprache fit sind, gebe es andere Anbieter und Kurse. Aktuell laufen drei Alphabetisierungslehrgänge, ein vierter beginnt im November. „Wer sich in seiner Muttersprache wenig bis gar nicht ausdrücken kann, ist bei uns richtig.“ Eine festangestellte Kollegin und ein gutes halbes Dutzend freie Dozenten kümmern sich um alle Schüler.

Der Landkreis ist verantwortlich nicht zuletzt für die Unterbringung und Betreuung von Asylbewerbern. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge übernimmt laut KVHS-Leiterin die Kosten für die Sprachkurse ganz oder anteilig, je nachdem ob der Teilnehmer ein Einkommen hat oder nicht.

VON MARCO HERTZFELD

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