Schiffe mit Namen aus der Region sind auf Meeren und Flüssen unterwegs

Die „Altmark“ schrieb ein Stück Weltgeschichte

Am 14. Juni 1958 vom Stapel gelaufen: Das Motorschiff „Altmark“ war 1959 noch als „Inge Toft“ nach Kopenhagen geliefert worden, bis es fünf Jahre später an den VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR) verkauft und in „Altmark“ umbenannt wurde.
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Am 14. Juni 1958 vom Stapel gelaufen: Das Motorschiff „Altmark“ war 1959 noch als „Inge Toft“ nach Kopenhagen geliefert worden, bis es fünf Jahre später an den VEB Deutsche Seereederei Rostock (DSR) verkauft und in „Altmark“ umbenannt wurde.

Altmark. In Norwegen kennt jeder die „Altmark“. Sie ist sogar Thema im Schulunterricht. Allerdings nicht im Fach Geografie. Ein Schiff mit dem Namen spielt in der Geschichte des skandinavischen Landes eine bedeutende Rolle. Mit ihm kam der Krieg.

Ivar Dyb Kraglund, vom Nationalen Widerstandsmuseums der norwegischen Armee berichtet: „Das Schiff ´Altmark‘ ging am 16. Februar 1940 in die Geschichte Norwegens ein. Als Hilfsschiff des Schlachtschiffs ´Admiral Graf Spee‘, transportierte es englische Seeleute als Kriegsgefangene. Die ´Altmark‘ machte während ihrer Rückfahrt nach Deutschland in norwegischen Gewässern Station. Dort wurde sie vom englischen Zerstörer ,HMS Cossack‘ im Jøssingfjord aufgebracht“. Ein Spezialkommando enterte die ,Altmark’ und befreite die 303 britischen Seeleute. Sieben Deutsche starben.

Die „Altmark-Affäre“ schlug hohe Wellen und beeinflusste den weiteren Kriegsverlauf. „Diese Operation war eine große Neutralitätsverletzung Norwegens und verschärfte die politische Situation erheblich“, so Ivar Dyb Kraglund. Großbritannien feierte den Triumph der Royal Navy. Die Deutschen intensivierten jedoch daraufhin ihre Invasionsvorbereitungen. Sie fürchteten, die Briten kämen ihnen zuvor. Unter der Tarnbezeichnung „Weser-Übung“ startete in einer Luft- und Seeoperation am 8./9. April 1940 ohne Kriegserklärung der deutsche Überfall auf Norwegen. Die Nazis verbrämten die Toten der „Altmark“ zu Märtyrern. Ein während der deutschen Besatzung am Jøssingfjord errichtetes Denkmal wurde später entfernt.

Noch immer dient die „Altmark-Affäre“ als Stoff für Mythen. In zweifelhaften Gazetten werden Kapitän Heinrich Dau und seine Mannschaft zu Helden und Opfer eines heimtückischen Überfalls stilisiert. Tatsächliche Opfer, die norwegische Bevölkerung. Sie litt bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 unter der deutschen Besatzung. In dieser Zeit starben rund 10 000 Norweger, darunter knapp 750 deportierte Juden.

Quellen: Norwegian Armed Forces Norway’s Resistance Museum, Clemens Külberg (www.ms-altmark-dsr.com), diverse Hefte und das Internet

Von Christian Wohlt

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