Landkreis gibt sich gewappnet / Virus kommt näher

Schweinepest: Altmark kein zweites Sardinien

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Ein erlegtes Wildschwein im Norden der Republik wird gewogen. In vielen Regionen legen Jäger wegen der drohenden Pest verstärkt auf Schwarzkittel an.

Stendal – „Auf Sardinien gibt es sie bereits seit 40 Jahren.“ Sebastian Stoll will die Afrikanische Schweinepest, auch kurz ASP genannt, damit in keiner Weise verharmlosen. Sie träfe die Altmark hart.

„Es ist davon auszugehen, dass die exportorientierte deutsche Wirtschaft nicht mit einem solchen Ausbruch längerfristig leben könnte“, ist der Vize-Landrat überzeugt. Die Krankheit scheint immer näher zu kommen, zuletzt wurde der Virus bei einem verendeten Wildschwein in Westpolen, knapp 40 Kilometer vor der deutschen Grenze entfernt, nachgewiesen. Der Landkreis Stendal will sich wappnen, so gut es geht.

Laut dem Friedrich-Loeffler-Institut (FLI), dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ist die Gefahr einer Einschleppung der ASP nach wie vor hoch. Darauf weist Stoll ausdrücklich hin. „Es gab auch in jüngster Vergangenheit Beratungen und hausinterne Arbeitsaufträge, um ein wenig vorbereitet zu sein.“ Seit geraumer Zeit lasse das Land die Mülleimer an Landes- und Bundesstraßen in kürzeren Abständen entleeren und mehr denn je sollen sie fest im Boden verankert sein. Behälter an Transitstrecken mit möglichen kontaminierten Speiseresten mögen von Schwarzkitteln nicht so einfach zu plündern sein.

Prävention scheint das A und O. Letztendlich geht es um Nahrungsmittel, Geld, Arbeitsplätze und Existenzen im ländlichen Raum, wenn der Virus das Hausschwein erreicht. Im Landkreis Stendal liegt der Schweinebestand aktuell bei etwa 65 000 Tieren. Die Zahl bewege sich damit in der Größenordnung vergleichbarer Landkreise. „Inwieweit die Landwirtschaft noch betroffen sein würde, kann nicht vorhergesagt werden. Ein Ausbruch an mehreren Standorten im Landkreis würde eventuell große Teile des Wirtschaftsverkehrs lahmlegen“, schätzt Stoll auf Nachfrage der AZ ein.

Der Landkreis und seine Veterinäre wollen und müssen vorbereitet sein. „Bislang wurde Geld in Schutzausrüstung investiert, welche im Falle eines Ausbruchs an Helfer verteilt würde.“ Eine Summe nennt der Zweite Beigeordnete nicht. Schon seit Jahren würden Kreismitarbeiter an Dienstberatungen des Landes teilnehmen, zudem nutzten sie Material des Landesverwaltungsamtes und beachteten selbstredend die Informationen des FLI. „Die Bürger müssen aufmerksam sein. Insbesondere sollten Küchenabfälle mit Wildursprung nicht achtlos entsorgt werden.“ Für den Menschen selbst sei der Virus ungefährlich.

Eine nicht unerhebliche Rolle komme den Jägern zu. Ein überschaubarer Bestand an Wildschweinen soll die Seuchengefahr mindern helfen. „Der Landkreis hat bereits im zweiten Jagdjahr die Kosten für die Trichinenuntersuchung für Jäger übernommen, um die Abschüsse zu unterstützen. Weiterhin werden in der unteren Jagdbehörde Saufänge genehmigt, um den Bestand zu reduzieren.“ Trichinen sind winzige Fadenwürmer, die auf den Menschen übertragen werden können. Bevor das Fleisch verwertet werden darf, muss es untersucht werden. Ein Saufang ist eine größere Tierfalle, bei der Lockfutter eingesetzt wird.

VON MARCO HERTZFELD  

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