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Altmärkische Unternehmer zeigen sich skeptisch gegenüber Intel-Plänen

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Von: Stefan Hartmann

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Staatssekretär Dr. Jürgen Ude (m.) ist auf Einladung von UNA-Vorstand Thomas Barniske (l.) in Stendal zu Gast, um mit Unternehmern über Großinvestitionen in Sachsen-Anhalt zu sprechen.
Staatssekretär Dr. Jürgen Ude (m.) ist auf Einladung von UNA-Vorstand Thomas Barniske (l.) in Stendal zu Gast, um mit Unternehmern über Großinvestitionen in Sachsen-Anhalt zu sprechen. © Hartmann, Stefan

Eine Großinvestition wie die Neuansiedlung von Intel bei Magdeburg kann Schwung in den Arbeitsmarkt bringen. Altmärkische Unternehmer sorgen sich um ihre Fachkräfte.

Stendal – Die geplante Großinvestition des Chipherstellers Intel in Sachsen-Anhalt sorgt nicht bei allen für Begeisterung. Ebenfalls skeptisch sind altmärkische Unternehmer, die bereits jetzt die Wirkungen des Konzerns zu spüren kriegen – obwohl der seine Ankunft noch einmal ein Jahr nach hinten geschoben hat.

„Intel ist ein Staubsauger für Fachkräfte“, formuliert es Hagen Woecht, Geschäftsführer von Innocon Systems aus Tangermünde, zugespitzt. Fachkräfte zu finden, sei noch nie einfach gewesen. Nun sauge der Chipriese zusätzlich Personal vom Land. Insbesondere Studienabgänger, die sich in ihrer Hochschul- oder Unizeit in Magdeburg eingerichtet haben, finden nun in der Nähe einen weiteren Grund, dort zu bleiben – und die Altmark geht potenziell leer aus. Um über diese und andere Sorgen, aber auch Hoffnungen zu sprechen, hatte das Unternehmensnetzwerk Altmark (UNA) Dr. Jürgen Ude (parteilos), Staatssekretär für Strukturwandel im mitteldeutschen Revier und für industrielle Großprojekte in Sachsen-Anhalt, eingeladen. Er sieht die Altmark nicht nur als einen der potenziellen Profiteure von Großansiedlungen, sondern als möglichen Standort. Neben weiteren Punkten wie der Verfügbarkeit von Fachkräften habe sich Intel auch aus einem anderen Punkt für Magdeburg entschieden, so Ude: Dort gebe es den Platz für eine so umfassende Ansiedlung. Bei einer solchen werde mit 120 Kilometer Umkreis als Ausstrahlungsgebiet gerechnet. Davon würde auch die Altmark profitieren. Nicht nur damit, dass etwaiges Personal in ihr wohnen kann. Eine solche Großansiedlung ziehe auch immer weitere Interessenten an. Schon jetzt gebe es zahlreiche Anfragen von anderen Investoren, die sich ansiedeln wollen, sagt Ude.

Zahlreiche Unternehmer, Geschäftstreibende aber auch Politiker waren der UNA-Einladung gefolgt. Unter ihnen auch Thomas Weise (CDU), Unternehmer und Politiker in Stadt- und Landkreis Stendal. Er griff die Frage des Platzes gerne auf und betonte dabei die Verantwortung, die das Land Sachsen-Anhalt gegenüber der Altmark hat. Denn Platz gebe es auch auf der „Grünen Wiese“ genug. Nicht umsonst wollen die Stadt Stendal und die Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte gemeinsam prüfen lassen, ob ein neues Industriegebiet in Buchholz möglich ist. Dafür müsse sich das Land jedoch bewegen. Eigentlich sei neben dem Industrie- und Gewerbepark Altmark (IGPA) bei Arneburg kein weiteres Industriegebiet im Norden Sachsen-Anhalts vorgesehen. Auf AZ-Nachfrage zeigte sich Weise erfreut, dass er das Thema anbringen konnte. „Wichtig ist, das Problem zu benennen“, erklärt er. Es gebe immer ein wenig die Angst, dass bei der ganzen zu recht entstandenen Euphorie die Probleme des nördlichen Sachsen-Anhalt übersehen werden. Aber, dass Ude das Problem nicht unbekannt schien, sei schon ein gutes Zeichen gewesen. Annegret Schwarz (CDU), Kreispolitikerin und Bürgermeisterin der Einheitsgemeinde Bismark, schlug in eine ähnliche Kerbe. Spätestens wenn die A 14 fertig ist, wäre der tägliche Pendelverkehr nach Magdeburg keine große Hürde mehr. Damit der große Zuzug in die Altmark kommen soll, muss auch Wohnraum angeboten werden können. Dafür müssten die rechtlichen Vorgaben erleichtert werden. In jedem Fall bringe die Ansiedlung für die kleinen und mittleren Unternehmen der Region einen Vorteil. „Ich hoffe, dass meine Bauprojekte dann alle durch sind“, prophezeit Schwarz eine hohe Auslastung der lokalen Bauunternehmen, wenn die Errichtung des Chipwerkes so richtig losgeht.

Hans-Jürgen Kaschade, Stendaler Ehrenbürger, sorgt sich um die Zugbewegungen, die die Ansiedlung mit sich bringt. Die guten Löhne könnten auch Fachkräfte aus altmärkischen Firmen abwerben. „Die Sorge haben alle“, gibt Ude dem Ehrenbürger recht. Aber er widerspricht auch: „Es werden nicht alle zu Intel gehen.“ Insgesamt werde es wohl einen Personalzuzug geben. Für die ersten 3000 Mitarbeiter werde mit der zehnfachen Menge an Bewerbungen gerechnet. Nicht alle davon passen zu Intel und wie André Listemann, Geschäftsführer des Mercer Zellstoffwerkes, erinnert, hängen an den Zuziehenden auch Familien, die in anderen Bereichen arbeiten.

Genau für diese werde eine Art Welcome-Center benötigt, regt Andreas Brohm (parteilos), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte, an. Es müsse einen Informationsfluss aus Magdeburg geben, der helfe, die Menschen in die Altmark zu bekommen. Logistisch könnten Fachkräfte mit ihren Familien nicht nur in Magdeburg wohnen. Dafür müsste die Stadt Tausende neue Lehrer innerhalb weniger Jahre finden. In der Altmark hingegen sei oft noch Platz in den Klassen.

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