Trotz Gesetzesverschärfung: Unerwünschte Werbeanrufe nerven weiterhin

Altmärker sagt Telefonterror Kampf an

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Alles begann mit einem Anruf im Oktober. Fred Redlich bekommt werktags, jeden Tag um genau 15.30 Uhr einen Anruf. Es gehe um seinen Stromvertrag, behauptet ein Mann am anderen Ende der Leitung.

Altmark. Jeden Werktag, gegen 15. 30 Uhr klingelt bei Fred Redlich (Name geändert) das Telefon. Sonnabends schellt es, kurz vor Mittag. Nur sonntags bleibt es still. Für den Altmärker ist das offenbar große Interesse an seiner Person kein Grund zur Freude.

Im Gegenteil, denn er weiß, wer dahinter steckt.

Alles begann mit einem Anruf im Oktober. Ein schlecht deutsch sprechender Mann stellte sich freundlich mit Namen vor. „Sie sind Fred Redlich und haben einen Stromvertrag mit Eon“, verblüffte er den Altmärker mit Wissen über seine Person. Dem schwante gleich Ungutes und so machte er dem Anrufer unmissverständlich klar, dass er weder persönliche Auskünfte geben, noch über Stromverträge reden möchte. Mit einem genervten „Auf Wiederhören!“, beendete er das Gespräch. Das war vielleicht ein Fehler, denn seitdem klingelt es jeden Tag. Das Display zeigt jedes Mal dieselbe Nummer an. Die gehört, wie Redlich über das Internet herausfand, einer Berliner Firma, die Stromverträge für verschiedene Anbieter vermittelt.

Seit 2009 gilt das Gesetz zur Bekämpfung unerlaubter Telefonwerbung. „Verbessert hat sich dadurch wenig. Der Strom unerwünschter Anrufe unseriöser Firmen, die am Telefon Geldanlagen, Versicherungen, Haushaltsgeräte oder Stromverträge anbieten, reißt nicht ab“, weiß Gabriele Emmrich, Leiterin des Referates Recht der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt.

Darum führen die Verbraucherzentralen auch eine bundesweite Umfrageaktion durch. Betroffene können ihre Erfahrungen mit unerbetenen Anrufen schildern und Beschwerden über Verstöße gegen das Verbot belästigender Telefonwerbung melden (www.vzsa.de/umfrage-unerlaubte-werbeanrufe). „Ruft ein Ihnen unbekanntes Unternehmen zu Werbezwecken an, ist der Telefonanruf unzulässig. Sie können ihn sich verbitten“, so die Verbraucherschützerin.

Leicht gesagt: Genau das hat Fred Redlich getan. Seitdem nimmt er den Hörer nicht mehr ab, wenn die besagte Nummer angezeigt wird. Doch der Anrufer ist hartnäckig und versucht es immer wieder. „Um wirkungsvoll gegen die Gesetzesverstöße vorzugehen, ist es auch notwendig die Missbrauchsfälle an die Bundesnetzagentur zu melden“, erklärt Gabriele Emmrich (Formular auf www.bundesnetzagentur.de).

Möglich wäre eine Abmahnung auf Unterlassung durch einen Anwalt oder die Verbraucherzentrale. Dazu sei aber eine gute Dokumentation erforderlich: Was ist wann passiert, Anrufer hatte keine Einwilligung in solche Werbeanrufe, und so weiter. Das ist aufwendig, doch Fred Redlich ist zum Kampf bereit. „Diese Telefonterroristen wollen mich ja unbedingt kennenlernen. Das können sie haben!“, sagt er trotzig.

Von Christian Wohlt

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