Früherer Schwellentränke kommt auf die Verkaufsliste

Stadt Stendal will Altlasten abschütteln

Durch ein Loch im Zaun ist die einstige Schwellentränke eines Werkes in Stendal zu sehen.
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Das Areal an der Gardelegener Straße in Stendal ist von Zäunen umgeben, die Tore sind verschlossen. Was auf dem recht weitläufigen früheren Werksgelände in durchaus attraktiver Lage einmal entstehen kann, scheint völlig offen
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Die Stadt Stendal allein schafft es offenbar nicht, die frühere Schwellentränke an der Gardelegener Straße zu sanieren. Das mit Schadstoffen belastete Gelände soll veräußert werden. Die geschätzten Sanierungskosten liegen bei bis zu siebeneinhalb Millionen Euro.

Stendal – Die Stadt will das verseuchte Gebiet der früheren Rütgers-Werke loswerden. Aktuell wird die Ausschreibung für den Verkauf vorbereitet. „Die Bedingungen werden noch zu klären sein und sind dem zuständigen Ausschuss vorbehalten“, teilt Rathaussprecher Armin Fischbach in dieser Woche auf Nachfrage der AZ mit. Die einstige Schwellentränke an der Gardelegener Straße hat sich längst zu einer zähen Angelegenheit für die Hansestadt Stendal entwickelt. Schätzungsweise bis zu siebeneinhalb Millionen Euro würde eine Sanierung des Areals kosten. Mehrere Anläufe liefen ins Leere. Zuletzt sollte ein Investor gefunden werden, um über das Landesamt für Altlastenfreistellung an Fördermittel zu gelangen.

Politik und Verwaltung könnten nun die Reißleine ziehen. Ganz unattraktiv liegt das Gelände im Stadtteil Röxe nicht. Wohnhäuser herrschen vor, ein großer Einkaufsladen liegt ganz in der Nähe und selbst eine Kirche ist nicht fern. Auch so scheint sich einiges in dem Gebiet zu bewegen, die Lebenshilfe, ein gemeinnütziger Verein für Menschen mit Behinderung, will ganz offensichtlich eine Wäscherei und Näherei errichten. Sorgen bereitet eben das frühere Werksgelände, die Schwellentränke. Fischbach bringt es auf den Punkt: „Die Kosten für eine Sanierung sind durch die Stadt schlicht nicht finanzierbar. Ein Investor hat sich bisher ebenfalls nicht gefunden. Die nächste Option ist also die Veräußerung.“

Grundstück recht attraktiv gelegen

Das Grundstück misst insgesamt an die 35 000 Quadratmeter, was fast fünf Fußballfeldern entspricht. Etwa ein Drittel der Fläche soll nachweislich mit Schadstoffen belastet sein. Ein Großteil ist versiegelt, also mit Asphalt und Beton bedeckt. Am Rande der Stadt wurde früher eine Schwellentränke zum Behandeln von Holz für Eisenbahngleise betrieben, die übrigens im Zweiten Weltkrieg von Bomben schwer getroffen wurde. Die Stadtverwaltung will die Hände keineswegs in den Schoß legen und in irgendeiner Weise doch noch vorankommen. Eine Gefahr für Mensch und Umwelt wird nach wie vor nicht gesehen. Ein Ingenieurbüro überwacht laut Fischbach das Gelände, der Landkreis Stendal hat die Aufsicht.

Sprecher: Einiges dort schon möglich

Im Erdreich wurden, wie berichtet, Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nachgewiesen, ein Erbe der Schwellentränke. Die Stoffgruppe gilt bei Experten als besorgniserregend, PAK können durchaus krebserregend sein und werden in der Umwelt eher schlecht abgebaut. Und dennoch könnte das Gelände einen Reiz entwickeln, die Stadt sieht für andere durchaus Chancen. Bereits derzeit wäre eine gewisse Nutzung möglich, solange die betreffenden Erdschichten nicht verändert würden, meint der Rathaussprecher. Und wenn mehr gewollt ist: „Das hängt ganz davon ab, was der künftige Eigentümer mit dem Gelände vorhaben würde. Es gibt verschiedene Sanierungsvarianten. Die Sanierungsart würde also vom Nutzungszweck bestimmt. Die ehrliche Antwort lautet also: Kommt drauf an.“

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