Geplanter Verkauf von Scheune sorgt in Beelitz für „Zank und Streit“

„Als blöde Dorfweiber beschimpft“

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Die Sirene am Giebel und das Feuerwehr-Logo am rotgestrichenen Tor signalisieren die Nutzung der Gemeindescheune. Sie dient bislang aber auch als Unterstellmöglichkeit für den Beelitzer Toilettenwagen.

Beelitz/Arneburg – Wegen des vor einigen Wochen vom Stadtrat beschlossenen Verkaufs der Gemeindescheune in Beelitz herrsche „Zank und Streit“ im Ort, haben Anwohner am Dienstagabend bei der Auswärtssitzung des Gremiums um Bürgermeister Lothar Riedinger beklagt.

Die Runde tagte wie zufällig im Beelitzer Dorfgemeinschaftshaus nur ein paar Meter Luftlinie vom Stein des Anstoßes entfernt. „Wir werden als blöde Dorfweiber beschimpft“, bekommt die gewählte Lokalpolitik zu hören.

Verwunderung herrsche im Ortsteil Arneburgs besonders, weil beim Abschluss des Gebietsänderungsvertrages, der den Beitritt zur Elbestadt regelt, schon im November 2008 durch die Beelitzer Bürgerschaft ausdrücklich darauf Wert gelegt worden sei, den Verkauf der Scheune kategorisch zu verbieten. Der Vertrag der seinerzeit mit 69 Einwohnern kleinsten Gemeinde im Landkreis gilt seit Juli 2009, doch der „Scheunen-Paragraf“ sei schon vor elf Jahren von der Kommunalaufsicht als „nicht relevant“ eingestuft worden, betont der Bürgermeister. Das Gebäude sei auch „noch nicht verkauft“, erklärt Riedinger. Einen Termin beim Notar habe er „ausgesetzt“.

Es sei „schade“, dass mit den Anwohnern im Vorfeld nicht gesprochen worden sei, nimmt der Rat zur Kenntnis. Und hört, dass der Ort nicht generell gegen den Verkauf sei, sondern geklärt haben wolle, dass es für den Beelitzer Toilettenwagen auch weiterhin eine Unterstellmöglichkeit gebe. Das aus Zeiten der Kernkraftwerk-Baustelle stammende rollende, stille Örtchen nutzt der Ort etwa für sein alljährliches Kinderfest, das wieder im Juni gefeiert werde. Um das Notdurftmobil werde Beelitz von anderen Gemeinden beneidet.

Dem Stadtrat hätten bei seinem Verkaufsbeschluss „Informationen gefehlt“, erklärt Andreas Damisch (CDU). Auch sei es „schlecht“ gewesen, dass Ratsmitglied Dirk Muszczak, der aus Beelitz stammt, bei zwei Ratsterminen nicht dabei war, in denen der Verkauf Thema war. Dass die am Ortsrand befindliche, erst vor einigen Jahren laut Anwohnern für etwa 50 000 Euro auch mit einem neuen Dach sanierte Scheune von der Feuerwehr genutzt werde, sei zweitrangig gewesen. „Dafür ist die Verbandsgemeinde zuständig“, sagt Riedinger. Vor dem Beschluss habe er einem Verantwortlichen der Beelitzer Wehr gefragt, ob das Objekt noch benötigt werde. Dies sei verneint worden – obwohl am Giebel eine Sirene montiert ist und am signalrot lackierten (Feuerwehr-)Tor das Beelitzer Logo mit Helm, Hacke und Beil prangt – von 1897.

VON ANTJE MAHRHOLD

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