Bäume und Nester weg: Stadt verweist auf Erlaubnis / Saatkrähen brüten Steinwurf weiter

Alle ohne Ausnahme Schreihälse

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Weil die südliche Wendstraße und vieles drumherum erneuert werden soll, hat die Stadt den Baumbestand beseitigen lassen. Einige der Platanen scheinen zudem krank oder zumindest angeschlagen gewesen zu sein. Die Saatkrähen haben so oder so ihre Nester verloren und scheinen zum großen Teil einen Steinwurf weiter gezogen zu sein.
  • Marco Hertzfeld
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Stendal. Sägekraft hat Stendals Wendstraße verändert. Zwischen Nordwall und der Straße Altes Dorf sind zwei Winterlinden und elf zum Teil mächtige Platanen gefallen, streng geschützte Saatkrähen haben ihre Kolonie verloren.

„Die Belange des Naturschutzes wurden vollumfänglich berücksichtigt“, versichert Stadtsprecher Klaus Ortmann. Natürlich sei ein Baumgutachten erstellt worden und natürlich gebe es die nötige Genehmigung des Landkreises zur Fällung. „Zur unvermeidlichen Entfernung der Nester liegt eine Ausnahmegenehmigung des Landesverwaltungsamts vor. “ Die Vögel scheinen einige Meter weiter zu ihren Verwandten an die nördliche Wendstraße gezogen zu sein. Am und nahe dem Krankenhaus könnten die nicht gerade leisen schwarzen Gesellen für noch mehr Trubel und Unrat sorgen.

„Alle anderen Bäume stehen nicht in Zusammenhang mit dem Ausbau des Abschnitts der Wendstraße. Für die Platanen vor dem Johanniter-Krankenhaus wird in diesem Jahr ein Gutachten erstellt, dessen Ergebnis für die Zukunft dieser Bäume entscheidend ist“, erklärt der Stadtsprecher gegenüber der AZ. Saatkrähen sind, wie Ornithologen bestätigen, immer noch und eigentlich recht selten. Da diese Vögel in der Regel in großen Gruppen brüten und dafür besonders große Baumarten wie die Platane bevorzugen, sind sie oftmals alles andere als willkommen. In der Kreisstadt hat die Saatkrähe vor dem Winckelmann-Gymnasium einen weiteren angestammten Platz.

Die Fräsarbeiten zwischen Nordwall und Altem Dorf sollen möglichst heute abgeschlossen werden. Da laut Ortmann Versorgungsleitungen der Stadtwerke im Umfeld der Baumstümpfe und Wurzeln liegen, mussten diese durch Handschachtung gesucht werden, damit sie nach Möglichkeit nicht beschädigt werden. „Diese Suchschachtungen waren wegen des Frostbodens in der letzten Zeit nicht möglich.“ Die Arbeiten der vergangenen Tage haben im wahrsten Sinne des Wortes auch eine Kleingartenanlage getroffen. „Ein Totholzast ist bei den Fällarbeiten abgebrochen und auf den Zaun gefallen. Das kann schon einmal vorkommen. Für den Schaden kommt das beauftragte Unternehmen auf.“

Die Stadtwerke werden voraussichtlich Ende März, Anfang April mit der Erneuerung des Nieder- und Mittelspannungsnetzes beginnen. Die eigentlichen Arbeiten an der südlichen Wendstraße könnten frühestens Ende Mai starten. Im November sollen sie abgeschlossen sein. Fahrbahn, Gehwege, Straßenbeleuchtung und Regenwasserkanal werden erneuert. Kostenpunkt dafür: 650 000 Euro. „Straßenbegleitend werden 13 Stück Feldahorn gepflanzt. Weitere 13 Stieleichen werden entlang der Wallanlagen gepflanzt“, informiert Ortmann. Eine Platane, der Lieblingsbaum der Saatkrähe, taucht in der Liste nicht auf. Inwieweit große Kolonien für Krankenhäuser, Arztpraxen und ähnliche Einrichtungen ein hygienisches Problem werden können, scheint ein Stück weit Ansichtssache und vom geduldig-bereitwilligen Einsatz des Besens abzuhängen. Die Saatkrähe hält es zudem das Jahr über massenhaft nicht an einem Ort (die AZ berichtete).

Von Marco Hertzfeld

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