Seuche rückt näher: Stendals Amtsärztin gibt sich gewappnet

Seuche rückt näher: Stendals Amtsärztin gibt sich gewappnet

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Forscher in einem chinesischen Labor testen Proben von Krankenhäusern auf das Coronavirus. In dem asiatischen Land grassiert die Lungenkrankheit weiter.

Stendal – Der neuartige Coronavirus hat Deutschland erreicht, in Bayern und Hessen gibt es mindestens ein Dutzend Infizierte. Im Landkreis Stendal stehen die Behörden längst Gewehr bei Fuß. Das Gesundheitsamt muss die Entwicklung genau im Blick haben.

Mögliche Verdachtsfälle der rätselhaften Lungenkrankheit müssen erkannt, abgeklärt und isoliert werden. So fordert es schon allein das Infektionsschutzgesetz. Auch wenn sich die Meldungen aus China und anderen Teilen der Welt mitunter zu überschlagen scheinen, bittet Amtsleiterin Dr. Iris Schubert die Menschen auch um eines: „Bitte keine Panik!“.

Dr. Iris Schubert, Amtsärztin

Stendals Amtsärztin will mit Zahlen überzeugen und lässt über die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage der AZ mitteilen: „Nach bisherigem Kenntnisstand ist die Zahl der Erkrankungsfälle und die Letalitätsrate bei der Influenza deutlich höher als beim neuen Coronavirus.“ Influenza wird auch echte Grippe oder Virusgrippe genannt. Im Landkreis Stendal sind in der neuen Saison mit Stand 3. Februar bislang 24 Influenza-Fälle aufgetreten, 18-mal Influenza A und sechsmal Influenza B. Und noch kurz erklärt: Letalität meint hier das Verhältnis der Zahl von Verstorbenen zur Anzahl neuer Fälle.

In Sachsen-Anhalt und dort vor allem im Süden des Landes gab es laut Medienberichten bisher eine Handvoll Verdachtsfälle, kein einziger hat sich bestätigt. Die Unterscheidung zu einer normalen Grippe ist nicht einfach. Das Stendaler Gesundheitsamt erhält vom Landesamt für Verbraucherschutz täglich einen Bericht aus dem Robert-Koch-Institut. Und natürlich stehe ihre Behörde in Kontakt mit den Krankenhäusern im Landkreis und den jeweiligen Hygieneverantwortlichen dort, betont Dr. Schubert gegenüber AZ. Alarm- und Einsatzpläne mussten überprüft und notwendige Vorkehrungen getroffen werden.

Offenbar klingeln dieser Tage die Telefone an der Wendstraße häufiger als sonst. Eine Zahl nennt die Behördenchefin nicht. Mitarbeiter beantworten Fragen besorgter Bürger und ja, sie wollen ihnen selbstredend auch Ängste nehmen. Sollte der Virus die östliche Altmark und den Elbe-Havel-Winkel erreichen, setze ein Automatismus ein: Isolierbereiche und -stationen werden eingerichtet. Gegebenenfalls kommen die Menschen zur Betreuung und Behandlung in das spezialisierte Klinikum St. Georg in Leipzig. Bereits bei einem Krankheitsverdacht geht eine Meldung an die oberen Landesbehörden raus.

Dr. Schubert rät den Bürgern generell zur Einhaltung einfachster Hygieneregeln und sieht hierin momentan „die wichtigste Maßnahme eines jeden Bürgers“. Schon Händewaschen sowie eine gewisse Husten- und Nies-Etikette, wie es die Amtsärztin nennt, helfe im Kampf gegen Infektionen der oberen und unteren Atemwege. Gerade immungeschwächte Bürger sollten schon wegen der Influenza große Menschenmengen meiden. Und: Personen, die den begründeten Verdacht haben, sich mit dem Coronavirus angesteckt zu haben, sollten sich vor Besuch des Arztes oder Krankenhauses dort zuvor telefonisch anmelden.

Ein Verdacht gründe sich nicht zuletzt auf: Krankheitssymptomen und einem Aufenthalt im betroffenen Ausland und Kontakt zu Erkrankten. Auf welchen Wegen genau sich der Virus verbreiten kann und wie effektiv er dabei ist, scheint immer noch nicht vollständig geklärt. In China sollen sich mittlerweile mehr als 20000 Menschen angesteckt haben und mehr als 400 gestorben sein. Diese Zahlen dürfte auch Stendals Amtsärztin kennen. Chinesische Fachleute erwarten den Höhepunkt der Epidemie Medienberichten zufolge für Mitte Februar. Außerhalb Chinas soll es mindestens knapp 150 Krankheitsfälle geben.

VON MARCO HERTZFELD  

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