Nach Farbattacke verstärkt Kontrollen

Afrikaforscher bleibt blutrot allein: Stadt Stendal lehnt Kamera und Zaun ab

Das Denkmal für den altmärkischen Afrikaforscher zu Beginn dieser Woche. Reste der Farbattacke sind auf dem Sandstein noch deutlich sichtbar.
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Das Denkmal für den altmärkischen Afrikaforscher zu Beginn dieser Woche. Reste der Farbattacke sind auf dem Sandstein noch deutlich sichtbar.

Stendal – Nach der Farbattacke auf das Nachtigal-Denkmal in Stendal kontrolliert der städtische Ordnungsdienst den Bereich künftig verstärkt. Eine Bewachung rund um die Uhr könne das Personal allerdings nicht leisten.

„Vandalen werden immer Momente finden, in denen sie sich unbeobachtet fühlen“, glaubt Armin Fischbach.

Ein Absperrzaun sei zumindest momentan keine Option, zumal der Platz manchen Bürger gern einmal länger verweilen lasse. Irgendwelche Gitter würden die Aufenthaltsqualität, wie es der Rathaussprecher nennt, beeinträchtigen. An eine Videoüberwachung denke die Verwaltung schon gar nicht, die rechtlichen Hürden dafür wären auch vor einem öffentlich zugänglichen Kulturgut hoch, die Verhältnismäßigkeit bei der Wahl der Mittel müsse nun einmal gewahrt bleiben.

Das Denkmal im Juli, ringsherum ist Farbe.

Das Denkmal des Afrikaforschers ist Ende Juli mit roter Farbe begossen worden. Nachtigal, 1834 in Eichstedt geboren, gilt gemeinhin nicht als ausgesprochener Kolonialherr und dennoch wird vornehmlich außerhalb der altmärkischen Heimat über seine Rolle von damals diskutiert. Gänzlich und für alle Seiten befriedigend erörtert erscheint Nachtigals Wirken in den Kolonien des deutschen Kaiserreichs vielleicht tatsächlich nicht. Inwieweit und wie sehr der Stendaler Vorfall in die fast weltweite Debatte um Rassismus und Kolonialismus passt, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. „An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen“, ist vom Stendaler Stadtsprecher zu hören. „Eine politisch motivierte Tat erscheint genauso möglich wie ein Dummejungenstreich.“

Die Tage werden wieder kürzer, die Nächte länger, die Dunkelheit könnte erneut anstiften. Im Rathaus dürfte man sich dessen bewusst sein. Menschliche Kontrolle reiche in solchen Fällen aber eben nicht aus. Schon vor der Farbattacke hatte sich die Stadt in der AZ für einen Diskurs über Nachtigal und all die Um- und Aufbrüche in der Geschichte offen gezeigt. Die Spuren des Anschlags vom Sommer sind derweil noch nicht ganz beseitigt. Ein Steinmetz hatte sich, wie berichtet, das Nachtigal-Denkmal umgehend angeschaut. „Der Bausubstanz wurde an sich ein gutes Zeugnis ausgestellt, auch wenn die rote Farbe und andere Kritzeleien natürlich das Gesamterscheinungsbild beeinträchtigten“, fasst Fischbach zusammen. Anschließend wurden verschiedene Reinigungsmittel getestet.

Mehrfach konnte Farbe entfernt werden, doch immer wieder kam neue zum Vorschein, die tiefer in den Sandstein eingezogen ist. Der Einsatz eines Heißwasser-Hochdruckreinigers, oft auch nur Kärcher genannt, sei nach Auskunft des Fachmanns sicher. Der kommunale Bauhof bearbeite das Denkmal derzeit regelmäßig, um eine weitere Schicht Farbe abzuwaschen. „Dies werden wir wiederholen, bis hoffentlich in absehbarer Zeit keine Restfarbe mehr austritt. Sollte dies keinen abschließenden Erfolg bringen, werden wir uns eine neue Herangehensweise überlegen.“ Und natürlich: Die Hansestadt habe bei der Polizei Strafanzeige gestellt. Neue Erkenntnisse zu Täter oder Täterkreis seien nicht bekannt. Für Gustav Nachtigal und das Denkmal scheint nicht mehr alles wie früher zu sein. VON MARCO HERTZFELD 

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