Bundestagsmitglied bleibt Vorsitzender der Liberalen

Afghanistan: Stendals FDP-Kreischef Faber kritisiert Bundesregierung

Ralf Berlin wirft beim FDP-Parteitag einen Stimmzettel in die Box, neben ihm sitzen Marcus Faber und Sören Kohse.
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Bundestagsmitglied Dr. Marcus Faber (r.) bleibt für weitere zwei Jahre Kreisvorsitzender. Astrid Bleißner reicht hier auch Sören Kohse (l.) und Ralf Berlin die Wahlzettelbox.
  • Marco Hertzfeld
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Die Liberalen aus dem Landkreis Stendal schießen sich für die Bundestagswahl warm. Dr. Marcus Faber, der alte und neue Kreisvorsitzende, will sein Berliner Mandat am 26. September verteidigen. Ein Thema beim Parteitag: Afghanistan, Taliban und die deutsche Misere.

Stendal – Die Situation in Afghanistan nach der Rückkehr der Taliban sei „katastrophal“, die deutsche Reaktion „Ausdruck kompletten Regierungsversagens“. Seine Partei habe schon vor Monaten auf einen Notplan für Ortskräfte gedrängt. Und Deutsche dürften momentan noch 300 in dem vom Terror zerrissenen Land sein. Dass die zuständigen Minister, für Auswärtiges Heiko Maas (SPD) und für Verteidigung Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), „persönliche Konsequenzen ziehen“ und ihr Amt nicht mehr bekleiden sollten, verstehe sich schon fast von selbst. Dr. Marcus Faber geht als alter und neuer Kreisvorsitzender der Liberalen in den weiteren Wahlkampf. Der Stendaler sitzt in Berlin im Verteidigungsausschuss und will am 26. September erneut in den Bundestag einziehen.

Sohn eines AfD-Ratsmitglieds im Vorstand

Tim Schulz ist vor Kurzem in die FDP eingetreten und schafft es auf Anhieb in den Kreisvorstand. Sein Vater Dirk sitzt für die AfD im Tangermünder Stadtrat.

Der 37-jährige Dauerkreischef sieht die Freien Demokraten nach einer für die Partei dieses Mal erfolgreichen Landtagswahl auch in Ostaltmark und Elb-Havel-Winkel auf dem richtigen Weg. Niedergeschlagen hat sich das in der Mitgliederzahl noch nicht wirklich. Ende 2019 waren es 43, aktuell sind es 44. Tim Schulz, ein Student aus Tangermünde, ist ein neues Gesicht und hat es beim Parteitag am Sonnabend gleich zum Beisitzer im Vorstand gebracht, und das einstimmig. Pikant: Der Vater des 24-Jährigen arbeitet als AfD-Mitglied im Tangermünder Stadtrat. Der Sohn zur AZ schmunzelnd: „Zwischen uns laufen engagierte Gespräche, das gehört nun einmal dazu.“ An der FDP überzeugt hätten ihn nicht zuletzt deren Rentenkonzept und die propagierte digitale Offensive.

In Wahlkampfkasse bislang 6800 Euro

Faber braucht sich bei der Vorstandswahl der Gelben im Hotel Schwarzer Adler nicht vorzustellen. Seit fast 20 Jahren ist er politisch aktiv, davon 16 Jahre im Ehrenamt etwa als Ratsmann, er ist an diesem Vormittag bei einer Enthaltung an der Parteispitze bestätigt worden. An die 15 Jahre ist er bereits Kreisvorsitzender. Altbekannt in der Kreis-FDP sind auch Mathias Fritze und Matthias Siegmanski. Beide bekommen 16 von 16 Stimmen, der Erstgenannte bleibt Vizevorsitzender, der andere Schatzmeister. Mit Jim Christiansen-Weniger holen sich die Liberalen noch einen Studenten in den Vorstand, machen ihn gar zu einem weiteren stellvertretenden Kreisvorsitzenden, der 20-Jährige kann 15-mal Ja und eine Enthaltung für sich notieren. Damit fährt er dasselbe Ergebnis ein wie Faber, vielleicht ja sogar irgendein Fingerzeig.

Jugend in der Partei gewinnt an Einfluss

Neben Schulz sind weitere Beisitzer gewählt worden: Arnold Bausemer, Carola Thomsen und Astrid Bleißner. Allesamt haben sie es einstimmig geschafft. Ralf Berlin gehört laut dem Bekunden auch zur Führungstruppe, als Vorsitzender der Kreistagsfraktion sei er quasi gesetzt. Die Liberalen wollen für den Urnengang auf Bundesebene im September nun verstärkt in den Angriffsmodus gehen. Für den Wahlkampf steht laut Schatzmeister Siegmanski bislang ein Budget in Höhe von 6800 Euro zur Verfügung. Plakate seien alle so gut wie verteilt, Stände soll es die nächsten Wochen vor allem im Zentrum von Stendal geben.

Als Spitzenkandidat seiner Partei in Sachsen-Anhalt und altmärkischer Direktkandidat sowieso lege er dieser Tage zig Kilometer zurück, berichtet Faber. 2017 hatte er es über die Landesliste nach Berlin geschafft. Mit Forderungen wie diesen will der promovierte Politikwissenschaftler bei den Menschen in der Region und darüber hinaus 2021 punkten: schnelles Internet für jede Schule, A 14 und B 190 zügig fertigstellen, 24-Stunden-Rettungshubschrauber für die Altmark, Wolf endlich bejagen, Bundeswehr vernünftig ausstatten. Dass die FDP sehr wahrscheinlich Teil einer neuen Landesregierung wird, begreift der Vizelandesvorsitzende auch als Rückenwind für seine Ambitionen auf Bundesebene. Am 13. September könnte übrigens der mögliche Koalitionsvertrag für Magdeburg unterzeichnet werden, lässt Stendaler Faber die Parteifreunde am großen Ganzen teilhaben.

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