Bundestag 2021: Partei startet landesweit Wahlkampf

AfD-Spitze sucht in Stendal die Antifa

Teilnehmer an der AfD-Kundgebung in Stendal applaudieren einem Redner auf der Bühne.
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Mitglieder und Anhänger der AfD starten in Stendal landesweit in den Wahlkampf. Die Polizei zählt auf dem mit Gittern eingegrenzten Markt etwa 200 Teilnehmer.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Die Alternative für Deutschland, kurz AfD, ist am 13. August 2021 im altmärkischen Stendal landesweit in den Wahlkampf zur Bundestagswahl gestartet. Über Gegenprotest musste sich der Bundeschef dort nicht großartig ärgern.

Stendal – „Hier ist keine Antifa.“ Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender und Spitzenkandidat, schien sich auf der großen Bühne schon fast ein wenig darüber zu wundern. Vielleicht hatte die AfD aber auch gerade deshalb Stendal für ihren landesweiten Wahlkampfauftakt zum Urnengang am 26. September auserkoren. Eine Szene aus Linksradikalen und Autonomen, wenn die AfD vornehmlich sie unter Antifa verstehen sollte, ist bestenfalls für das westaltmärkische Salzwedel bekannt. So konnte die Partei vor gut 200 Menschen recht ungestört für ihre Ziele werben. Wie viel dabei zur selbst angekündigten „Großkundgebung“ unter dem Motto „Deutschland. Aber normal“ fehlte, dürften die Organisatoren des Abends nun kritisch auswerten müssen. Polizei und Ordnungsamt hatten jedenfalls selbst dann keine tieferen Sorgenfalten, als es um Abstände und andere Coronaspielregeln auf dem Marktplatz ging.

Bundeschef Tino Chrupalla nach seiner Rede in Stendal. Kurz darauf betritt Arno Bausemer (r.) die Bühne.

Redner teilen in Stendal kräftig aus

Die AfD ist in Stadtrat und Kreistag durchaus eine Größe. Dass die Umfragewerte bundesweit momentan bestenfalls eher stagnieren und sich der Verfassungsschutz unverändert gerade für extreme Positionen interessiert, dürfte so manchen in der Partei umtreiben. Tangermünder Ulrich Siegmund, Mitglied des Landtages, sprach von einer „grünen Ökodiktatur“ und „rechtsfreien Räume in Multi-Kulti-Großstädten“. AfD-Landesvorsitzender Martin Reichardt forderte mit Blick auf Migration, dass die Grenzen „mit modernen und wirksamen Mitteln gesichert werden“ und wollte besonders bei den Bündnisgrünen „Deutschfeindlichkeit“ erkannt haben. Bundeschef Chrupalla attestierte Bundeskanzlerin Angela Merkel, die CDU „immer weiter nach links gerückt“ zu haben.

Die AfD am Boden? Gegner könnten das so sehen. Ein umsichtiger Veranstalter vermeidet solche Bilder.

Politischer Gegner in der Minderheit

Übermäßig wortgewaltig gab sich an diesem Freitagabend auch Arno Bausemer nicht. Das Mitglied von Stadtrat und Kreistag will das altmärkische Direktmandat holen und ohne Umwege erstmals in den Bundestag einziehen. Er lieferte einen kurzen Rundumschlag, die politische Konkurrenz bekam ihr Fett weg. Er erinnerte auch an den Stendaler CDU-Wahlskandal von 2014. Die Klimaaktivisten und Waldbesetzer bei Losse sind für ihn „Linksradikale“. Und nach dem Angriff mutmaßlicher AfD-Gegner auf Siegmund und zwei weitere Parteikollegen im Landtagswahlkampf im April warte man immer noch auf die Anklage. Annähernd sechs Wochen vor der Bundestagswahl gab es immer wieder Applaus der Anhänger. Schilder etwa mit „Nie wieder Lockdown“ waren zu sehen, dazu einige Deutschlandfahnen.

Kurz vor der Kundgebung am 13. August 2021. Natürlich sind in der Zeit auch Spaziergänger und Schaulustige unterwegs.

Polizei vermeldet: Keine Zwischenfälle

Derartige Devotionalien gab es einen Steinwurf weiter auf dem Winckelmannplatz nicht. Das eher bürgerliche Bündnis „Herz statt Hetze“ und Mitstreiter zeigten dort Flagge. Ihre Botschaft: „Standhaft gegen die AfD – Standhaft gegen Rechtsextremismus.“ Aus Lautsprechern dröhnte vornehmlich Rapmusik. Plakate führten vor Augen, was die Teilnehmer an der Gegenveranstaltung von der AfD halten. Redebeiträge standen auf dem Programm. Ein Junge, vielleicht 12 Jahre alt, trat nur kurz ans Mikrofon und rief: „Alerta, Alerta, Antifascista!“ Auch dieser Antifa-Schlachtruf brachte die Polizei nicht aus der Ruhe. Im Nachgang nennt Polizeisprecher Dirk Marscheider für die AfD-Veranstaltung eine Teilnehmerzahl von etwa 200 und eine am Gegenprotest von circa 75 in der Spitze. Und: „Beide Aktionen verliefen ohne Störungen und Zwischenfälle. Sie wurden begleitet durch Polizeibeamte der Polizeiinspektion Stendal und der Landesbereitschaftspolizei aus Magdeburg.“

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