„Kroki“-Team zeigt der Nuckelflasche und „allzu bequemen Eltern“ die Zähne

Ärztin schlägt Karies-Alarm: Bereits Kleinkinder leiden

Amtszahnärztin Ilona Rothe bringt „Kroki“, das Krokodil mit den blitzblanken Beißern, regelmäßig mit zu den Kindern. Angst vor einem Zahnarztbesuch soll erst gar nicht aufkommen.
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Amtszahnärztin Ilona Rothe bringt „Kroki“, das Krokodil mit den blitzblanken Beißern, regelmäßig mit zu den Kindern. Angst vor einem Zahnarztbesuch soll erst gar nicht aufkommen.

Stendal. Ilona Rothe sorgt sich um die Zähne der jüngsten Altmärker. Die frühkindliche Karies ist deutschlandweit weiter auf dem Vormarsch.

„Wir dürfen in unseren Anstrengungen einfach nicht nachlassen“, warnt die Leiterin des jugendzahnärztlichen Dienstes im Landkreis Stendal. „Wer schon im Alter von 18 bis 24 Monaten kariöse Milchzähne hat, kann später auch kein gesundes Milchgebiss besitzen. “ Bundesweit sind bis zu 15 Prozent der Kleinkinder betroffen. Ob östliche Altmark und Elbe-Havel-Winkel vielleicht sogar noch darüber liegen, soll sich möglichst bald zeigen. Für die Fünf- bis Sechsjährigen läuft die Datenerhebung in Sachsen-Anhalt erst seit diesem Schuljahr. Die erfahrene Diplom-Stomatologin möchte die noch Jüngeren am liebsten mit einbezogen sehen.

Die Hauptursache der Karieszunahme liegt für Amtsärztin Dr. Iris Schubert auf der Hand: „In der Regel wird sie durch das häufige und exzessive Trinken aus der Nuckelflasche verursacht. Die Zähne werden permanent umspült. Das hält der gesündeste Zahn nicht lange aus.“ Dass „allzu bequeme Eltern“ ihren Nachwuchs mit der Flasche oftmals auch „nur ruhigstellen wollen“, mache das Ganze auch nicht besser. Der Landkreis ist in die Offensive gegangen. So verteilen Rothe und Kollegen in den Tagesstätten Plastikbecher an die Kinder mit folgender Botschaft an die Eltern: „Tasse statt Flasche ist Klasse.“

Das vierköpfige Team ist ständig auf Achse. Zahnärztin, Schwester und zwei Prophylaxe-Helferinnen haben allein im vergangenen Schuljahr 5620 von 6110 Jungen und Mädchen untersucht, in den Kindertagesstätten waren es weitere 3534. Anders als in der DDR kann nicht mehr vor Ort in den Einrichtungen behandelt werden. Rothe, die aus dem Raum Halle stammt und seit 1983 in Stendal arbeitet, kann sich gut an ihre Schulambulanz im Wohngebiet „Stadtsee“ erinnern. Kinder bekommen heutzutage Zettel mit nach Hause, auf denen die „Baustellen“ für die Zahnarztpraxis beschrieben sind. Stellt Rothe bei einem nächsten Besuch keine Veränderung zum Guten fest, kann auch schon einmal ob einer möglichen Kindeswohlgefährdung das Jugendamt eingeschaltet werden.

Die Zähne von Zwölfjährigen sind für Fachleute noch einmal besonders interessant, bildet deren Zustand doch eine Art internationalen Richtwert. Für diese Altersgruppe sieht Stendals Amtsleiterin Dr. Schubert eine durchaus positive Entwicklung: „Während vor zehn Jahren jeder Zwölfjährige im Landkreis durchschnittlich noch 1,5 kariöse bleibende Zähne hatte, liegt die Zahl aktuell bei 0,76.“

Der Gesundheitsbericht 2015 des Kreises wird übrigens die Zähne als großes Thema haben.

Von Marco Hertzfeld

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