Hafenfreunde sagen Spektakel ab

Ärger um neuen Vertrag für Buhnenhaken: „Wir sind sehr traurig“

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Mit Schwimmauto und Speedboot starteten Werbens Hafenfeste 2013. Gaudi & Fischerstechen kamen dazu.

Werben – Buchstäblich ins Wasser fällt das Werbener Hafenfest in diesem Jahr. Die für den 27.

Juli geplante, mittlerweile siebte Auflage des maritimen Spektakels am Buhnenhaken von Deutschlands kleinster Hansestadt hat Michael Schnelle als führender Kopf der gastgebenden „Hafenfreunde Werben“ am Donnerstagnachmittag schweren Herzens abgesagt. Die Entscheidung begründet das wiedergewählte Stadtratsmitglied (CDU) mit einem Nutzungsvertrag über eine rund 7000 Quadratmeter große „Wasserfläche/Landfläche aus dem Grundbesitz der Hansestadt Werben“. Auf dieser war bislang insgesamt sechsmal ein Hafenfest zelebriert worden, das für Interesse und Gaudi sorgte.

Der Vertrag soll vom Werbener Stadtrat am Dienstag, 11. Juni, hinter geschlossenen Türen beschlossen werden. Vertragspartner wird der Hansesportbootverein Werben/Elbe, der im August 2017 gegründet wurde und vom ebenfalls wiedergewählten Stadtratsmitglied Lutz Homann (UWG) als Vorsitzender geleitet wird.

„Unter so unklaren Bedingungen kann man weder Mannschaften einladen noch die Veranstaltung organisieren“, sieht Schnelle jede Menge Aufklärungsbedarf. Die Hafenfreunde seien angesichts des geplanten Vertrages jedenfalls „verunsichert“ und „verärgert“. Die Interessengruppe habe sich seit vielen Jahren um die Gestaltung des maritimen Areals gekümmert. „Nachdem der Buhnenhaken in abertausenden Stunden an ehrenamtlicher Arbeit für die Öffentlichkeit von den Hafenfreunden hergerichtet wurde, hat der Bürgermeister die Nutzung des Geländes einem privaten Verein überlassen, in dem er selbst Mitglied ist“, teilt Schnelle in einer Presseerklärung mit. Er vermutet, dass der „ehemals öffentliche Buhnenhaken nun nur noch privilegierten Vereinsmitgliedern zur Verfügung zu stehen scheint“.

Die Interessenvereinigung sei angesichts der Situation „sehr traurig über diese Entwicklung“, betont Schnelle. Vonseiten des Bürgermeisters sei mit den Hafenfreunden über den neuen Vertrag „nicht gesprochen“ worden. Deswegen werde die Gruppe „zunächst erst einmal schauen, wie sich das entwickelt“.

Laut dem Nutzungsvertrag, der der AZ vorliegt, soll es der Hansesportbootverein als Nutzer der rund 6360 Quadratmeter großen Wasserfläche samt den dazugehörigen etwa 670 Quadratmeter Land jedoch gestatten, „zwei bis drei Veranstaltungen auf der Nutzfläche zu genehmigen“.

Dabei soll es sich laut Paragraf 18 um „vorübergehende Veranstaltungen“ handeln. Ausdrücklich als ein in Frage kommendes Ereignis wird darin „zum Beispiel Fischerstechen“ erwähnt.

Die Historie des Traditionsereignisses mit Zille und Lanze, das nach Jahren des Stillstands in Arneburg von den Hafenfreunden in Werben wiederbelebt worden war, hatte Arneburg-Goldbecks Verbandsgemeinde-Bürgermeister vor zwei Jahren ausdrücklich gewürdigt. An jenem 22. Juli 2017 nahm René Schernikau zur Freude eines johlenden Publikums unfreiwillig ein Bad in der Elbe, nachdem der damalige Bürgermeister Wolfgang Tacke davon gesprochen hatte, eine Marina am Buhnenhaken für möglich zu halten (AZ berichtete). Erstmals riefen Schnelle und Mitstreiter im heißen Juli 2013 an den Buhnenhaken – nachdem fünf Tage zuvor die Kanzlerin der Republik bei Fischbeck die Deichbruchstelle der Hochwasserkatastrophe besucht hatte.

VON ANTJE MAHRHOLD

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