„Reagieren, bevor es zu spät ist“

Adrian Glöckner und Nelly Seise berichten aus ihrem Alltag in Stendals AltOa

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Den Rettungsring stets parat: Nelly Seise aus Tangerhütte und Adrian Glöckner aus Stendal sind angehende Bäderbetrieb-Fachangestellte in der Altmark-Oase.

Stendal – „Ein Mann und sein kleiner Sohn waren im Becken. Doch das Kind konnte nicht schwimmen und war bereits untergetaucht. Bei dem Versuch, es zu retten, verlor auch der Vater den Halt“, erinnert sich Adrian Glöckner.

Eine der glücklicherweise seltenen Situationen, in denen der angehende Fachangestelle für Bäderbetriebe innerhalb von Sekunden eingreifen und ins Wasser springen musste.

Der 19-Jährige ist seit zwölf Jahren Mitglied in der Deutschen Lebensrettungsgemeinschaft (DLRG) und seit gestern in seinem dritten Lehrjahr in der Altmark-Oase (Altoa). Der Beruf macht ihm großen Spaß, „vor allem der Kontakt mit den Menschen. “.

Der Bademeister war gestern. Die neue Berufsbezeichnung, die etwas gestelzt daher kommt, umfasst ein breites Spektrum an Arbeitsfeldern. „Viele denken, wir stehen nur am Beckenrand herum“, sagt die 17-jährige Nelly Seise, die im zweiten Lehrjahr angekommen ist. Dass es sich dabei um einen Irrtum handelt, weiß auch Altoa-Geschäftsführer Marcus Schreiber: „Der Fachangestellte für Bäderbetriebe ist Organisator, Sportler, Techniker, Lebensretter, Vermittler und Animateur zugleich. Kommunikation mit den Badegästen und Erste Hilfe sind natürlich ein großes Thema. Aber auch Mathe, Physik und Chemie sind gefordert.“

So müssen die Azubis lernen, wie man Wasservolumen berechnet, wie das Chlor im Becken reagiert oder wie man Wasser aufbereitet. Die Überwachung der Werte am Computer ist ebenso wichtig wie am Beckenrand den Überblick zu behalten. „Der praktische Part fällt mir deutlich leichter als der theoretische“, gesteht Nelly. Letzterer wird den Nachwuchs-Rettern in Zschornewitz (Landkreis Wittenberg) in Blockunterrichtsphasen vermittelt.

Dass so selten etwas Schlimmes in Schwimmbädern passiert, ist vermutlich dem geschulten Fachpersonal zuzuschreiben. „Wir reagieren, bevor es zu spät ist. Etwa, wenn kleine Kinder ohne Schwimmflügel unterwegs sind“, berichtet Adrian. Für Nelly hat die Ausbildung auch eine persönliche Veränderung angestoßen: „Mit der Zeit lernt man, Badegästen gegenüber bestimmend aufzutreten, etwa, wenn sich jemand leichtsinnig verhält.“

Marcus Schreiber weiß um den Mangel an Bäderbetrieb-Fachangestellten in ganz Deutschland. „Auch wir merken, dass es immer schwerer ist, Auszubildende für den Beruf zu finden“, gibt er an. Doch bis zum jetzigen Zeitpunkt konnte in jedem Jahr neuer Nachwuchs dazugewonnen werden

VON CHARLOTTA SPÖRING

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