Achtjährigen aus Peulingen trifft geplante Rochauer Schulschließung besonders

„Für Marvin sind wir extra aufs Land gezogen“

Torsten Scheffler trägt Marvin auf Händen: Noch hat der Achtjährige gut lachen, weil sein Förderbedarf in Rochau gestillt wird. Der Peulinger Zweitklässler müsste ab September in Stendal lernen, will mit den Kumpels aber lieber nach Goldbeck.
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Torsten Scheffler trägt Marvin auf Händen: Noch hat der Achtjährige gut lachen, weil sein Förderbedarf in Rochau gestillt wird. Der Peulinger Zweitklässler müsste ab September in Stendal lernen, will mit den Kumpels aber lieber nach Goldbeck.

Peulingen/Rochau. „In Rochau habe ich Kumpels gefunden. “ Marvin Scheffler ist ein Scheidungskind, das die Schulschließungspolitik der Region hart trifft.

Für das Wohl des Achtjährigen hat sich seine Patchwork-Familie im Stendaler Ortsteil Peulingen eingerichtet und ist „extra aufs Land gezogen“, wie Ziehvater Torsten Amtenbrink sagt. Doch Marvins Schule, die Grundschule Rochau, soll geschlossen werden. Nächstes Jahr im Juli. Und das macht besonders auch Mutter Corinna Scheffler Angst.

„Wir haben unser ganzes Leben umgekrempelt“, berichtet der Lokführer. Ihn nennt Marvin einfach Torsten. Über Jahre hatte der Junge unter der Abwesenheit des leiblichen Vaters und den Schichtdiensten der als Backwarenverkäuferin arbeitenden Mutter gelitten. Seine Abc-Schützenschaft begann in zunächst in Stendals Petrikirchhof-Grundschule. Die einzige Bildungsstätte im Zentrum der Kreisstadt ist zwar eine relativ kleine Einrichtung, aber Marvins Handicaps konnte sie nicht auffangen. Fachleute bescheinigten dem Jungen ein Aufmerksamkeitsdefizit (ADHS) und eine Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS).

Lange Therapieaufenhalte in Uchtspringe liegen hinter dem Achtjährigen, der auf Medikamente angewiesen ist und beim Lernen speziell gefördert werden muss. Amtenbrink zeigt der AZ Fotos, die den Achtjährigen vor einem Jahr noch als einen sehr moppeligen Burschen zeigen. Seitdem Marvin im Januar aber in die Rochauer Lernstätte an der Achterstraße eingeschult wurde, habe sich der Junge nur zum Positiven entwickelt. Das Patchwork-Vater-Sohn-Gespann belegt dies mit dem jüngsten Zeugnis. Statt wie bislang einer Sechs im Sozialverhalten steht dort nun eine Drei. In Mathematik hat sich der Achtjährige auf Eins verbessert und auch in Deutsch gab es eine um Meilen bessere Zwei.

Wenn es bei der geplanten Schließung der derzeit 38 Erst- bis Viertklässler zählenden Rochauer Lernstätte bleibt, müsste Marvin zurück nach Stendal, weil sein Wohnort Peulingen ist und Peulingen zu Stendals Ortsteil Groß Schwechten zählt. Die Schülerschaft soll die Kreisstadt stärken, ist auch Bestandteil des Eingemeindungsvertrags, der im Januar 2010 in Kraft trat. So lernt Marvin nur mit Hilfe einer Ausnahmegenehmigung in der Rochauer Zwergschule. Die neue Lage aber würde den Achtjährigen von inzwischen mehr als liebgewonnenen Weggefährten trennen und ihm sehr wahrscheinlich auch das Fußballtraining im Jugendteam des SV Rochau erschweren. Auch von seinen zehn Mitschülern müsste der Junge Abschied nehmen. Denn die Klasse soll entsprechend der neuen Einzugsgebieteregelung der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck ab September 2014 in der Grundschule Goldbeck lernen.

Aber Peulingens Patchwork-Familie Scheffler/Amtenbrink kämpft weiter für Marvin. Und hofft, dass Rochau am Bildungsnetz bleibt. Sonst muss wieder die Ausnahmeregelung helfen.

Von Antje Mahrhold

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