BUND-Vorstand kritisiert Hochwasserschutz-Pläne: „Weitere Durchlässe am Fähranleger einbauen“

„Absenkung ist kompletter Unsinn“

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Weil Werbens Fähre wegen hoher Pegel verstärkt Motorkraft braucht, wird der Betrieb für die Stadt unwirtschaftlich. Wegen der geplanten Arbeiten gibt es heute ein Treffen in Goldbeck.

Werben/Havelberg. „Ich kann keine ernsthaften Argumente gegen eine Höherlegung der Gradiente des Fähranlegers erkennen“, hat sich BUND-Landesvorstandsmitglied Bernd Schilf an Werbens CDU-Fraktionschef gewandt.

Die Sorge des Räbelers richtet sich gegen neueste Ausbaupläne, über die seit dem jüngsten massiven Hochwasser vor vier Jahren in der weltkleinsten Hansestadt massiv gestritten wird.

So sieht das Hochwasserschutzprogramm 2013 eine Erneuerung des Fähranlegers Räbel-Havelberg und der Landesstraße 2 im Bereich der Elbquerung vor, um Unebenheiten der Fahrbahn sowie Spurrillen und Schadstellen zu beseitigen, berichtete Manfred Krüger als Leiter des in Stendal ansässigen Regionalbereichs Nord der Landesstraßenbaubehörde (LSBB) im jüngsten Werbener Stadtrat. Um das Hochwasserabflussprofil zu entlasten, sei aufgrund eines Gutachtens vorgesehen, die Straße von derzeit 27,60 Meter über Normalhöhennull (NHN) auf 27,25 Meter abzusenken. Die Erhöhung sei erst 1998 erfolgt, als auch zwei Betondurchlässe eingebaut wurden, berichtete Krüger. Allerdings sei die Ableitung des Wassers bei Flutereignissen „unzureichend“, weil schon geringe Hochwasser zu „deutlichen Ausuferungen auf die Vorländer zwischen Elbe und Deich“ führten, begründet der Regionalbereichs-Chef. „Die Belastung der Deiche ist wesentlich stärker geworden“, verweist er auf stark zugenommene Hochwasser zwischen 1998 und 2014.

„Warum ist statt einer Absenkung des Fahrdamms nicht der Einbau weiterer Durchlässe geprüft worden“, schimpft Schilf. Er befürchtet für die Stadt Werben ein „Zuschussgeschäft“, weil der durch den Pegel verstärkt auf Motorkraft angewiesene Betrieb der Fähre unwirtschaftlich sei. Die geplante 30-Zentimeter-Absenkung sei jedenfalls „kompletter Unsinn“. Die Durchflussmenge unter dem Fahrdamm werde erhöht, während zugleich die Vernässung der Grundstücke hinter dem Deich nicht gemindert werde. Schilf: „Die zwei vorhandenen Rohre sind für den Wasserabfluss unzureichend.“ Bei Hochwasser sei der Wasserstand rechts vom Deich (elbaufwärts) circa 80 Zentimeter höher als links (elbabwärts). 20 Zentimeter mehr Höhe als dann ein in etwa gleiches Niveau wie am Fähranleger Sandau würden schon viel bringen für eine Verkürzung des Motorbetriebs der Werbener Fähre, empfiehlt das BUND-Vorstandsmitglied. Und wie die AZ am Dienstag erfährt, sitzt Schilf deswegen heute Nachmittag mit Teilen des Werbener Stadtrats in Goldbeck – im Büro des Verbandsgemeinde-Chefs.

Von Antje Mahrhold

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